Wenn Männer hilflos auf Mehltüten starren

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Zum Glück sind sie vorbei die zwei Wochen rund um den Jahreswechsel. Die kosten einen den letzten Nerv. Endlich kann man wieder in Ruhe zum Einkaufen gehen. Kann nachsichtig lächeln, wenn sich (fremde) Kinder protestierend vors Süßigkeitenregal werfen, kann zielstrebig durch die Reihen schreiten und ist in Null-Komma-Nix fertig. Denn jetzt sind die Profis wieder unter sich.

Rund um die Feiertage sieht das anders aus. Hilflose Männer blockieren die ohnehin verstopften Einkaufsstraßen der Supermärkte. Es sind diejenigen, die zum Ende des Jahres das schlechte Gewissen packt, die dann losziehen, um der Liebsten zuhause wenigstens etwas im Feiertagsstress beizustehen. Und es sind die, die der Gattin demonstrieren wollen, dass das mit dem Einkauf doch ein Kinkerlitzchen ist, das ständige Gejammer reichlich überzogen.

Das Chaos auf dem Parkplatz meistern sie natürlich mit Bravour, finden den besten aller Standplätze unmittelbar vor dem Eingang. Sie marschieren selbstbewusst zur Obst- und Gemüseabteilung, beschnuppern fachkundig jede Orange, finden die beste Ware zum günstigsten Preis. Natürlich.

Doch spätestens beim Mehl die ersten verzweifelten Blicke. Männer starren auf Tüten, suchen den Sinn hinter den aufgedruckten kryptischen Ziffern. 405, 630 oder 812? Natürlich ist kein Verkäufer zur Hand, die müssen gerade irgendein leergeräumtes Regal auffüllen oder sitzen an der Kasse. Die Selbstbewussten greifen einfach zu. Wenns falsch war, ist die Frau schuld, schließlich hätte sie ja genau aufschreiben sollen, was sie will. Die mit dem schlechten Gewissen zücken spätestens jetzt ihr Handy: "Schatzi, welches Mehl soll ich bringen? Da gibts so viele." Kurze Pause. "Ja, ich habs. Danke, bussi, tschüssi!" Typ 405, der Volkswagen unter den Mehl-Typen gewissermaßen.

Das Spiel wiederholt sich. Der Zucker, braun, weiß oder superfein? Soll der Kartoffelknödel halbfertig oder roh sein? Was ist der Unterschied zwischen Gürkchen und Cornichons und wie viel Prozent hat ein Sahnequark? Hürde über Hürde, und jedes Mal wird das Handy gezückt, der Weg blockiert.

Besonders nervig ist es für die Miteinkäufer beim Metzger. "Es gibt kein Filet mehr, was soll ich tun?" Vielleicht früher kommen oder vorbestellen? Denn Kuh und Schwein haben auch vor Weihnachten nur je zwei Filetstücke, obwohl man das angesichts der festtäglichen Filetberge in den Discounter-Kühltruhen fast nicht glauben kann. Aber das ist ein anderes Thema.

Wenn die Liebste zuhause übrigens ganz fies drauf ist, hat sie dem männlichen Einmal-Einkäufer auch noch Windeln, Essensgläschen fürs Baby oder gar Hygieneartikel für sich selbst notiert. Das hält auf. Süßigkeiten, Knabbereien und Spirituosen sind dagegen sicheres Terrain. Da gehts zügig voran, da wird Selbstvertrauen getankt für den Weg zur Kasse. Denn spätestens jetzt kommt der Wettkampftyp zum Vorschein. Hinten anstellen kann jeder. Es muss einen kürzeren, einen schnelleren Weg geben. Seitenstraßen werden genutzt, der Einkaufswagen strategisch günstig platziert und besonders freche Drängler mit einem gezielten Rammstoß in die Achillessehne bestraft. So ist das in der geruhsamen Zeit.

Jetzt kehrt wieder Alltag ein. Kaum einer steht mehr telefonierend im Weg, man kommt zügig voran. Und wenn es an der Kasse doch mal länger dauert, hält man eben ein gemütliches Schwätzchen mit der Nachbarin.

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