Warnung sorgt für Wirbel

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Challenges (Herausforderungen) im Internet scheinen Jugendliche zu faszinieren. Bei der „Ice Bucket Challenge“ schütteten Menschen eiskaltes Wasser über sich aus und machten damit in sozialen Netzwerken auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam. Eine gute Sache. Ganz anders dagegen ein neuer, angeblicher Trend, die „Blue Whale Challenge“. Das Ende des „Spiels“ ist im schlimmsten Falle: Selbstmord.

Anscheinend beteiligen sich vor allem Jugendliche an der Challenge. Anscheinend, denn dass es das „Spiel“ wirklich gibt, ist nicht gesichert, bloß die Warnungen davor häufen sich. Es soll in Russland entstanden sein und sich schnell verbreiten.  Laut SWR kursieren Nachrichten im Messenger-Dienst WhatsApp. Darin würden die Jugendlichen vor dem „Spiel“ gewarnt. Doch am Ende wird der gegenteilige Effekt erzielt: Aus Neugier suchen Kinder und Jugendliche im Internet und sozialen Netzwerken nach der Challenge.

Bei der „Blue Whale Challenge“ sollen die Jugendlichen 50 Aufgaben in 50 Tagen erledigen. Unter anderem soll man nachts aufstehen und sich Horrorvideos anschauen oder auf das Dach eines Hauses klettern. Die Aufgaben werden von Tag zu Tag extremer. Zum Beispiel soll der Teilnehmer sich einen Blauwal in den Arm ritzen. Am 50. Tag folgt schließlich die Anweisung zum Suizid. Wer sich nicht an die Spielregeln hält und abbricht, erhalte Drohnachrichten, berichtet „Spiegel TV“.

Erster Fall in Deutschland

Russische Medien melden, bereits bis zu 130 Jugendliche hätten sich nach dem „Spiel“ das Leben genommen.  Nun soll der Trend auch in Deutschland angekommen sein. Dem SWR zufolge hat eine Mutter aus Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) die Polizei informiert: Ihre Tochter habe eine der „Blue-Whale“-Warnungen per Sprachnachricht bekommen.

In Baden-Württemberg ist der angebliche Trend bisher noch kein Thema. Dem Landeskriminalamt  in Stuttgart ist kein Fall bekannt, „weder eine Warnung vor dem Spiel, noch ein Suizid, der direkt mit der ‚Blue Whale Challenge’ zusammenhängt“, sagt LKA-Sprecher Ulrich Heffner.

Der Medienpsychologe Jo Groebel steht den Berichten skeptisch gegenüber. „Es mag Fälle geben, in denen ein Zusammenhang zwischen der Challenge und dem Selbstmord besteht. Dazwischen liegen aber so viele einzelne Schritte, die nichts mit dem Spiel zu tun haben.“ Dennoch warnt er: „Sollte es eine leise Andeutung geben, muss man sie ernst nehmen. Man sollte einen Schulpsychologen einschalten und auch im Freundeskreis und in den sozialen Netzwerken darüber reden.“

Die Experten sind sich einig, dass es äußerst schwierig sei, einen Zusammenhang zwischen dem „Spiel“ und Suiziden Jugendlicher nachzuweisen.  Auch wenn es solche Fälle wirklich geben sollte, hätten Betroffene oft schon zuvor psychische Probleme gehabt.

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