Viren, Sex und Krebs

Promis und Krebs - ein Dauerthema. Nach Angelina Jolie und ihrer vorsorglichen Brustamputation hat es jetzt Michael Douglas mit dem Thema "Oralsex und krebsauslösende Viren" in die Schlagzeilen geschafft.

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  • Michael Douglas erhielt 2010 die Diagnose Kehlkopfkrebs. Foto: afp 1/2
    Michael Douglas erhielt 2010 die Diagnose Kehlkopfkrebs. Foto: afp
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    Foto: GSK/Archiv
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Egal, ob er von sich selbst gesprochen hat oder es, wie sein Management im Nachhinein betonte, eher allgemein meinte: Mit der Aussage, dass Oralsex Krebs auslösen kann, hat US-Schauspieler Michael Douglas auf jeden Fall Recht. Zwar gelten auch Rauchen und exzessiver Alkoholkonsum als Auslöser für Kehlkopfkrebs, an dem der 68-jährige Hollywoodstar 2010 erkrankte. Doch auch Umweltgifte wie Asbest oder eben Viren können die Krankheit auslösen.

Deutsche Wissenschaftler stellten bereits vor mehr als 20 Jahren fest, dass bestimmte humane Papilloma Viren (HPV) an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. Gegen die besonders gefährlichen Virustypen HPV 16 und 18, die bei erkrankten Frauen zu etwa 80 Prozent den Krebs auslösen, gibt es seit 2006 einen Impfstoff. Der Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen hat für dessen Entwicklung 2008 den Medizin-Nobelpreis bekommen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Mädchen noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr die Impfung gegen HPV. Denn die hochansteckenden Viren werden beim Sex übertragen. Die Dreifachimpfung wird hier von den Krankenkassen bezahlt.

HPV, das weiß man heute, löst aber auch Krebs im Mund- und Rachenraum aus. Prof. Jens Klußmann, ärztlicher Direktor des Uniklinikums Gießen, rechnet mit einer Verdoppelung der Erkrankungsfälle bis 2020. Die Ursache für die erhöhte Virusinfektion vermutet der Experte in einem veränderten Sexualverhalten mit besonderer Bedeutung oraler Sexualpraktiken. Eine große Online-Studie zum Sexualleben der Deutschen ergab bereits 2008, dass 71 Prozent der Befragten Oralverkehr praktizieren.

Wird jetzt die neue Enthaltsamkeit ausgerufen? Haben Cunnilingus (die Frau wird oral vom Mann befriedigt) und Fellatio (der umgekehrte Fall) keine Chance mehr? Schließlich kommt bei diesen Sexualpraktiken naturgemäß kein Kondom zum Einsatz. Natürlich bleibt, trotz intensiver Körperhygiene, immer ein Restrisiko. Doch Krebs durch Oralsex ist eher selten. Und: Laut Robert-Koch-Institut erkranken nur 13 von 100 000 Einwohnern in Deutschland neu an Mund- und Rachentumoren. Im Übrigen entsteht nicht durch jede Virusinfektion Krebs.

Etwa 85 Prozent aller Erwachsenen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren. Das intakte Immunsystem beseitigt diesen Infekt in der Regel weitgehend unbemerkt. Zudem fördern Alkohol und Tabakkonsum Ausbruch, Verlauf und Heilungsprognose von Krebs im Mund-Halsbereich.

Und dann gibt es da ja noch die Möglichkeit, sich gegen die krebsauslösenden Viren impfen zu lassen - bisher übernehmen dies die Kassen allerdings nur für Mädchen. Nobelpreisträger Harald zur Hausen will das schon lange ändern: "Wenn wir die Viren drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, geht das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden."

Jeder zweite Krebs im Mundraum durch Viren verursacht
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