Umfragen: Nicht alle Klischees über die Deutschen stimmen

Trinken die Deutschen wirklich so gerne Bier, und sind sie so diszipliniert wie ihr Ruf? Vorurteile gibt es über die Deutschen viele. An manchen ist was dran, aber nicht immer, ergaben Studien. Ein Realitäts-Check.

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Sie lieben Dackel, Wurst und das Vereinswesen - zu den Deutschen gibt es so manche Klischees. "Wie wir Deutschen ticken" hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov nun in einem großangelegten Projekt mit zahlreichen Umfragen ergründet. Das gleichnamige Buch mit den gesammelten Ergebnissen erscheint heute. Es behandelt auch so manche Vorurteile. Aber welche stimmen wirklich? "Das Bild der Deutschen muss man etwas differenzierter sehen", sagt Diplom-Psychologe und Herausgeber Holger Geißler. "Wir haben auf der einen Seite eine disziplinierte, pünktliche und ordnungsliebende Nation. Aber 39 Prozent der Befragten sind schon schwarz gefahren."

Vorurteil Wenn drei Deutsche sich treffen, gründen sie einen Verein.

Wahrheit Tatsächlich sieht die Mehrheit der Deutschen Vereine eher kritisch - und unterschreibt ungern Beitrittserklärungen. 51 Prozent empfinden Vereine als einengend. Ebenso viele sagen: "In Deutschland herrscht zu viel Vereinsmeierei." Zwar sind trotzdem 40 Prozent der Deutschen Mitglied - aber vor allem in Sportclubs. Kegel-, Kleingarten- und Schützenvereine haben keinen großen Zulauf.

Vorurteil "Alles für den Dackel, alles für den Club." Der Deutsche liebt seinen Hund.

Wahrheit Die meisten haben laut Umfrage eine Katze (28 Prozent), erst dann folgt der Hund (23). Auf die Frage: "Welches Tier ist Ihnen am sympathischsten?", nannte aber die Mehrheit den Hund. Nur positiv wird der aber nicht wahrgenommen: Hundehaufen stehen auf der Ekel-Liste weit oben. 26 Prozent finden es zudem "abstoßend", wenn ihnen ein Hund das Gesicht abschleckt. Auch eine Studie der Uni Göttingen sieht Katzen vorne: Demnach gibt es unter den Haustieren geschätzt 11,5 Millionen Katzen, aber nur 6,9 Millionen Hunde.

Vorurteil Deutschland ist das Land der Biertrinker.

Wahrheit Wenn die Deutschen zwischen Wein und Bier wählen müssen, greifen 57 Prozent zum Wein. "Ich würde nicht sagen, dass Deutschland ein Land der Weintrinker ist, aber bei der Präferenz hat der Wein die Nase vorn", sagt Holger Geißler, der das Buch zur Umfragen-Sammlung herausgegeben hat. Von der Masse liege Bier aber vorn. Das bestätigen auch Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen: Im Schnitt werden demnach jährlich rund 107 Liter Bier, 21 Liter Wein, vier Liter Schaumwein und 5,5 Liter Spirituosen getrunken.

Vorurteil Mallorca ist das 17. Bundesland.

Wahrheit Nicht alles ist Ballermann: "Ein Großteil hat Interesse an Kultur und Städtereisen und setzt sich nicht an den Strand und säuft", sagt Geißler. In einer Umfrage zum Thema "Urlaub" nannten 62 Prozent auf die Frage, was im Urlaub nicht fehlen dürfe, neue Städte und Kulturen. Nur 28 Prozent können demnach nicht auf Strand und Party verzichten. Hitze und Meer stehen dennoch hoch im Kurs: Nur jeder Fünfte macht lieber im Norden Urlaub als im Süden.

Vorurteil Schweinshaxe und Grill - ohne Fleisch geht es nicht.

Wahrheit Tatsächlich ernähren sich nur 6 Prozent der Befragten rein vegetarisch. Der Anteil der Veganer ist mit zwei Prozent noch geringer. "Es gibt einen wachsenden Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung - aber nicht mit der letzten Konsequenz", sagt Geißler. Nach einer Studie der Universitäten Hohenheim und Göttingen vom Sommer 2013 machen Gelegenheitsvegetarier inzwischen 12 Prozent der deutschen Bevölkerung aus. So genannte Flexitarier essen nur bei drei bis vier von 21 Mahlzeiten pro Woche Fleisch.

Vorurteil Deutsche sind spießig.

Wahrheit Den "typischen Deutschen" hält immerhin jeder fünfte Befragte für spießig. Sich selbst bezeichnen aber nur 3 Prozent so. Tatsächlich sind die Bundesbürger eher brav: 60 Prozent haben meistens in der Missionarsstellung Sex. Und die Hälfte der Männer setzt sich beim Pinkeln hin. Zudem sind die Deutschen häuslich: Nur jeder Siebte geht abends häufig vor die Tür. 68 Prozent essen dann lieber mit der Familie. Am peinlichsten finden sie übrigens Folgendes: Wenn ihnen in Gesellschaft ein Pups entfährt.

Info Holger Geißler (Hrsg.): Wie wir Deutschen ticken. Edel Motion, 192 Seiten, 19,95 Euro. ISBN 978-3-8419-0346-4

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