Über 120 Tote bei Schlachthofbrand in China

Bei einem Feuer in einer Schlachterei in China sind mindestens 120 Menschen verbrannt. Ihr Verhängnis: Die Tore waren verschlossen. Schon vor dem Unglück hatten Arbeiter den Brandschutz bemängelt.

|
Entsetzen und Trauer bei den Angehörigen der Opfer des Brandes. Foto: afp

Der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh mit über 1000 Toten vor wenigen Wochen ist auch in China noch in aller Munde. Nun fordert die schlechte Bauqualität eines Fabrikgebäudes in der Volksrepublik ebenfalls verheerend viele Tote. Am frühen Montagmorgen sind in der Stadt Dehua in der nordostchinesischen Provinz Jiling bei einem Brand in einer Geflügelfabrik mindestens 120 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens weitere 60 Menschen haben Rettungskräfte nach Angaben der Behörden mit zum Teil schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus geliefert. Rund hundert Arbeitern gelang rechtzeitig die Flucht.

Zum Zeitpunkt des Unglücks haben sich über 300 Menschen in dem Fabrikgebäude befunden. Der Brand war bis zu den Mittagsstunden zwar gelöscht. Doch auch bis zum späten Abend wurden noch Menschen vermisst. Die Suche hält an. Aus Angst vor weiter austretenden Chemikalien haben die Behörden in einem Umkreis von einem Kilometer sämtliche Gebäude geräumt.

Augenzeugen berichten, dass es zunächst mehrere laute Knalle gegeben habe, bevor der Schlachthof des Geflügelunternehmens in Flammen aufging. Die genaue Brandursache ist unklar. Aber Behörden vermuten, dass aus einem maroden Tank flüssiges Ammoniak ausgetreten ist und sich in der Nähe von elektrischen Leitungen entzündet hat.

Was am Nachmittag die chinesischen Medien besonders empörte: Überlebende berichten im Staatsfernsehen, dass das Haupttor verschlossen war und sie nur mühsam über Fenster dem brennenden Gebäude entfliehen konnten. Behörden vor Ort behaupten, der "komplizierte Aufbau" der Fabrik und schmale Gänge haben die Flucht erschwert und auch die Rettungsarbeiten behindert. Nun wird gegen den Betreiber des Schlachthofes ermittelt. Der Schlachthof gehört der Jilin Baoyuanfeng Poultry Company. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1200 Mitarbeiter und verarbeitet 67 000 Tonnen Geflügel im Jahr her.

Auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Sina-Weibo berichten Mitarbeiter der Firma über allgemein desaströse Arbeitszustände und unzureichendem Brandschutz auf dem Fabrikgelände. Die Schlachterei sei stets völlig überfüllt gewesen, Gefäße mit Chemikalien häufig undicht, die Fluchtwege stets mit sperrigen Gegenständen blockiert. Und schon vorher hätten Mitarbeiter immer wieder über den mangelnden Brandschutz geklagt.

Dabei wird offiziellen Verlautbarungen zufolge im ganzen Land inzwischen viel Wert darauf gelegt, nachdem vor fünf Jahren bei einem Brand in einem Nachtclub in der südchinesischen Stadt Shenzhen 44 Menschen starben. Die Zahl der Großbrände von Gebäuden ist in den vergangenen Jahren tatsächlich zurückgegangen.

Der Brand in der Geflügelfabrik zeigt jedoch, dass es an der Umsetzung noch immer hapert. Es ist das schwerste Feuerunglück in China seit mehr als zwölf Jahren.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bahnhof Senden: Steg statt Unterführung

Durchbruch: Die Sendener können künftig im Bereich des Bahnhofes die Gleise queren. Statt dem geplanten Tunnel wird eine Überführung gebaut. weiter lesen