Tierleid zur Touristen-Bespaßung

Ob Selfies mit Elefanten, Spaziergänge mit Tigern oder Mutproben mit Krokodilen – mit exotischen Tieren verdienen Reiseanbieter in Thailand viel Geld.

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    Im so genannten Tiger-Tempel in der thailändischen Provinz Kanchanaburi konnten Touristen mit zahmen Tigern „spielen“. Foto: 
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Der Elefant drückt die junge Touristin mit seinem Rüssel an sich. Auf dem Rücken des Tieres liegt eine rot-goldene Decke, bunte Stoffschleifen verzieren die Stoßzähne. Die Urlauberin lächelt in eine Fotokamera. Unauffällig stößt ein Angestellter dem Tier mit einem Metallhaken in den Bauch, der Elefant verbeugt sich und trötet. Das Publikum in dem thailändischen Ort Ayutthaya, rund 80 Kilometer nördlich von Bangkok, klatscht begeistert. Mehrere tausend Elefanten sind Tierschützern zufolge in dem südostasiatischen Land im Einsatz, um Urlauber zu unterhalten. Die Aktivisten sehen darin eine Misshandlung der Tiere. Sie würden mit brutalen Methoden gefügig gemacht.

Exotische Tiere haben einen festen Platz in Thailands Tourismusindustrie: Spazieren mit Tigern, Mutproben mit Krokodilen, Selfies mit Seesternen – die Attraktionen galten lange Zeit als verlässlicher Umsatzbringer. Doch der Trend zu nachhaltigem Tourismus führt zu einem Umbruch: Tiere zu quälen lohnt sich immer weniger.

Eine Touristenanlage in der Provinz Kanchanaburi hat jahrelang damit geworben, dass Besucher dort zahme Tiger streicheln können. Betrieben wurde die Anlage, die als Tiger-Tempel bekannt wurde, von buddhistischen Mönchen. Sie gaben Touristen angeleinte Wildkatzen an die Hand – und wollten damit zeigen, dass man Tiger wie Haustiere behandeln könne.

Das war schon damals auf heftige Kritik gestoßen, die Geschäfte im Tempel liefen jedoch weiter, bis die Behörden letztes Jahr aufdeckten, dass dort offenbar massenhaft gegen Gesetze verstoßen wurde. Mit den Tigern wurde illegaler Handel getrieben. Bei einer Razzia entdeckten die Beamten 40 wohl für den Verkauf bestimmte Tigerjunge in einer Gefriertruhe.

Anbieter reagieren

Der grausame Fund brachte Thailands Geschäft mit bedrohten Tieren ans Licht. Proteste zeigen Wirkung: Das Online-Reiseportal Tripadvisor teilte mit, es werde keine Eintrittskarten mehr für Attraktionen verkaufen, die Besuchern den direkten Kontakt mit Tieren ermöglichen. Zuvor hatte der Reiseanbieter STA Travel „unethische“ Tierprogramme aus seinen Katalogen entfernt. Und Thomas Cook verordnete sich im Dezember eine Richtlinie zum verantwortungsvollen Umgang mit Tieren im Tourismus.

Leben wie in freier Wildbahn

Während die ethisch fragwürdigen Anbieter in Ländern wie Thailand nun auf Kunden verzichten müssen, entwickelt sich in der Tourismusindustrie eine Gegenbewegung. Auf der Ferieninsel Phuket hat Ende 2016 das Elephant Sanctuary eröffnet, eine Anlage, die sich selbst als Altenheim für geschundene Elefanten darstellt. Die Tiere, die vorher entweder in der Holzwirtschaft arbeiten mussten oder als Touristentransportmittel dienten, können auf dem 8,5 Hektar großen Grundstück nun annähernd so leben wie in der Wildnis: Sie laufen frei durch den Dschungel, baden in Flüssen und werden zu nichts gezwungen.

Prominente Unterstützung erhielt das Elefantenheim auf Phuket unter anderem durch Besuche des „Breaking Bad“-Darstellers Aaron Paul und der britischen Popband Coldplay, die die Arbeit im Elephant Sanctuary öffentlich lobte. Direktorin Louise Rogerson wünscht sich, dass die Aufmerksamkeit für ihre Anlage Nachahmer mit sich bringt: „Wir wollen ein ethisches Geschäftsmodell etablieren.“

Stierkämpfe locken in Spanien, Portugal, Frankreich, Brasilien und Mexiko nach wie vor zehntausende Zuschauer in die Arene, darunter viele Touristen.

Delfinshows oder das Angebot, mit Delfinen zu schwimmen, gibt es in vielen Urlaubs-Ländern. Innerhalb Europas hat laut Deutschem Tierschutzbund Spanien die meisten Delfinarien; auch in der Türkei werden vor allem in den Urlaubsregionen immer wieder neue gebaut. Tierschützer lehnen Delfinarien grundsätzlich ab, „auch wegen der Art der Tier-Beschaffung“, sagt Tierschutzbund- Sprecherin Lea Schmitz und verweist auf das alljährliche Gemetzel in der Bucht von Taiji, wo japanische Jäger bis zu 2000 Delfine zusammentreiben, um Exem­plare für Tiershows auszusuchen und alle anderen töten.

Das Posieren mit halbzahmen Raubkatzen, die oft mit Beruhigungsmitteln sediert sind, gibt es vielerorts als Touristen­attraktion. Als Beispiel nennt der Tierschutzbund hier Südafrika, wo die Löwen später in der Regel vor den Gewehren von Jagdtouristen landen.

Kutschfahrten in Großstädten wie Rom oder New York sehen Tierschützer kritisch, vor allem aber in südlichen Ländern, wo die Gefahr von Überhitzung und Überforderung der Tiere groß sei. sok

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