Süße kleine Lügen

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So ein Shopping-Trip mit der Liebsten ist an einem heißen Sommertag einfach nur schön. Durch die Stadt flanieren, ein Eis schlecken und den Berater für alle modischen Fragen spielen. Kritisch wird es jedoch, wenn die Angebetete in einem gelbbraunen Kleid aus der Umkleide kommt, mit ihren Augen klimpert und erwartungsvoll fragt: „Steht mir das, Schatz?“ Die ehrliche Antwort wäre: „Sieht irgendwie nach verfaulter Banane aus.“ Und schon läuft das Kopfkino. Die Wahrheit sagen, einen Streit mitten im Modegeschäft riskieren und den romantischen Abend aufs Spiel setzen? Nein. Der Gentleman erfindet eine Notlüge à la: „Also ich finde es gar nicht so schlecht.“    

Mit dieser Aussage läge man voll im Trend, denn eine Umfrage der Apotheken-Umschau zeigt: In derartigen Situationen finden Deutsche das Flunkern tatsächlich okay. 90,5 Prozent der rund 2000 Befragten gaben an: „Kleine Notlügen sind schon mal erlaubt, um jemanden nicht zu beleidigen oder zu kränken.“ Ein bisschen Pinocchio steckt also in fast jedem von uns. Denn schon von klein auf lernen wir die süße Welt der Notlügen kennen. Sei es Bello, der die Hausaufgaben gefressen hat, oder die doofen Handgelenkschmerzen, die immer kommen, wenn man abspülen muss. Notlügen sind stets praktische Helfer, wenn eine unangenehme Situation droht. Einfach, aber effektiv. Und das bleibt im Gedächtnis hängen.

Während in jungen Jahren Lügen vor allem zum Selbstschutz verwendet werden, flunkert der Erwachsene oftmals, weil er andere nicht verletzten möchte. Zwei Drittel der Befragten meinten: „Die Welt möchte belogen werden.“ Frei nach dem Motto des 80er-Jahre-Klassikers „Little Lies“ – Kleine Lügen von Fleetwood Mac.  Zu Deutsch heißt es im Refrain: Erzähl mir Lügen, erzähl mir süße, kleine Lügen. Und scheinbar tut es uns gut, diese Tag für Tag zu hören. Oder um es mit dem Psychologen Marc-André Reinhard zu erklären:  „Unser Selbstwert ist zu empfindlich, um ständig die harte Wahrheit verkraften zu können.“

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