Solidarität per Facebook

Viele Helfer in den vom Hochwasser betroffenen Städten melden sich spontan und packen mit an. Ihre Informationen beziehen sie übers Internet.

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Max Pagenkopf koordiniert die Hilfe am Studentenclub Bärenzwinger. Foto: dpa

Wer sagt, dass Freunde in sozialen Netzwerken nur virtuell sind, der sollte zum "Studentenclub Bärenzwinger" in Dresden gehen. Rund 350 Menschen stehen dort, es ist 21 Uhr. Sandsack um Sandsack wandert hinunter zu der Kneipe, die in einem Gewölbekeller liegt und vom Wasser bedroht ist.

"Ich habe am Montag den Aufruf auf Facebook gesehen und bin sofort gekommen", sagt Max Pagenkopf. Der 27-Jährige weist den Helfern Aufgaben zu und schreibt die neusten Informationen zum Hochwasser auf eine Tafel - auch diese kommen per Facebook und Twitter rein. Die Solidarität ist groß in diesen Tagen. Und das Internet wird zu ihrer Plattform.

Ob in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen: Überall wird sich digital organisiert und ausgetauscht. Die Facebook-Gruppe "Hochwasser Passau 2013" etwa hat schon 2000 Mitglieder, die Facebook-Seite "Hochwasser Halle - Saale" wurde rund 11 000 Mal mit einem "Gefällt mir" versehen. Oft geht es um die Fragen: Wer braucht Hilfe? Was kann ich machen? Auf Twitter laufen sekündlich Infos mit dem Hashtag #hochwasser. "Für Deutschland ist das zweifellos eine neue Entwicklung", sagt Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Uni München.

Dennoch betrachten Behörden und Kommunen das spontane Anpacken bisweilen skeptisch. So hätte eine übers Internet organisierte Gruppe ohne Anweisung Säcke auf einen Deich bei Dresden geschleppt, erzählt Katrin Schöne von der sächsischen Landestalsperrenverwaltung. Dabei sei das weder notwendig noch nützlich gewesen. Ein Meter Sandsackmauer wiege eine Tonne, die dann zusätzlich auf den Deich drücke. Das Gewicht könne zu einem Abrutsch führen. Wer helfen will, solle sich besser an die Krisenstäbe wenden.

Überhaupt wirken die Aktionen in den Hochwasser-Städten bisweilen noch wie das Internet selbst: Vieles schwirrt umher. Der Unterschied: Während Facebook und Twitter nie schlafen gehen, lassen bei den Helfern irgendwann doch die Kräfte nach.

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