So schmeckt die Steinzeit

Fleisch und Gemüse ja, Getreide und Milch nein: Kommt nach dem Veganer-Trend jetzt die Paleo-Welle? Immer mehr Menschen beschränken ihre Nahrungsmittel. Ernährungsforscher sehen das kritisch.

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Der Milchschaum auf dem Cappuccino ist aus Kokosmilch, die Tacos aus Kochbananen: Das Frankfurter "Mammeo" ist ein so genanntes Paleo-Restaurant. Dort wird gekocht, gebacken und getrunken wie im Paläolithikum, der Altsteinzeit.

Paleo-Ernährung beschränkt sich auf Nahrungsmittel, die schon in der Steinzeit verfügbar waren: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Obst und Gemüse, Pilze, Nüsse und Honig. Alles, was mit Ackerbau und Viehzucht dazukam, wird vermieden: Getreide und damit Brot oder Müsli; Milch und damit Joghurt oder Butter; Zucker.

Im Szene-Quartier rund um die Berger Straße in Frankfurt sprossen in den vergangenen Jahren vegane Restaurants und Cafés wie Pilze aus dem Boden. Vor einem Jahr hat Sariya Forkel das "Mammeo" sozusagen als kühnen Gegenentwurf gegründet: Es ist ein Refugium für Fleisch-Freunde. Viele Besucher kommen aber aus anderen Gründen, zum Beispiel, weil sie unter Laktose-Intoleranz oder Gluten-Unverträglichkeit leiden.Online-Foren, Kochbuch-Autoren und Seminar-Anbieter haben das Thema "Steinzeit-Kost" entdeckt. Eine der bekanntesten ist Sabine Paul, die Gründerin des "PaläoPower-Instituts". Sie verspricht auf ihrer Homepage "sprühende Energie mit der natürlichen Ernährung unserer fitten Vorfahren".

Ernährungsforscher sehen das kritisch. Susanne Klaus leitet beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung die Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels. Sie kann der Steinzeiternährung nicht viel abgewinnen. "Wieder so eine leicht unsinnige Sache", sagt sie trocken.

Zugrunde liegt dem Trend eine Theorie des Stammvaters der Bewegung, Loren Cordain. Demnach ist der Mensch nicht dafür geschaffen, kohlenhydratreiche Agrarprodukte zu verdauen - genetisch habe er sich seit der Steinzeit schließlich nicht weiterentwickelt.

Dafür gebe es "keine wissenschaftliche Grundlage", sagt Klaus. "Außerdem wissen wir gar nicht genau, was man in der Steinzeit gegessen hat."

Ganze Nahrungsmittelgruppen auszuschließen, sei unsinnig, sagt Klaus: "Das Beste ist eine normale, breitgefächerte Mischkost, so vielfältig wie möglich." Gut findet sie, dass in der Paleo-Küche nur frische, industriell nicht vorverarbeitete Lebensmittel verwendet werden - das sei aber in jedem guten Restaurant der Fall.

Die Erfahrung hat auch die Frankfurterin Sabine Lanius (49) gemacht. Sie ist beruflich viel unterwegs und ernährt sich seit einem halben Jahr nach den Paleo-Regeln. Ein Steinzeitrestaurant hat sie noch nicht besucht. "Man kann in jedem guten Restaurant etwas finden."

Beim Selberkochen findet sie es "charmant, dass die Rezepte eher schlicht sind und dass man satt wird, ohne Kalorien zu zählen". Seit sie auf Weißmehl, Zucker und Kuhmilch verzichte, fühle sie sich nach dem Essen nicht mehr aufgebläht und habe kein Völlegefühl mehr. Ihre Allergien seien weniger geworden. "Ich fühle mich fitter und habe mehr Energie."

Klaus bleibt dennoch skeptisch. Sie lehnt jeglichen "Ernährungs-Dogmatismus" ab. Dass immer mehr Menschen ihre Nahrungsmittelpalette bewusst einschränken, hält sie für ein Wohlstandsphänomen in Zeiten großer Auswahl und niedriger Preise. Und manchmal sei es "eine Art Religionsersatz".

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