Schwerstes Erdbeben in Italien seit 1980

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    Trauriger Anblick für die Nonnen (unten): Von der Basilika Sankt Benedikt in Norcia steht nur noch die Fassade. Foto: 
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Sie knien auf den hellen Steinen auf der Piazza San Benedetto, die Hände gefaltet, den Blick auf das, was von ihrer Kirche aus dem 14. Jahrhundert übrig ist. Nicht viel – wie auch von anderen Gebäuden des Orts nicht. Das dritte Erdbeben seit August hat Mittelitalien schwer getroffen. Es erschütterte die Gegend gegen 7.40 Uhr mit der Stärke von 6,5. Damit war das Nachbeben stärker als das erste.

„Wir sind davongekommen“, sagt eine kleine, ältere Nonne einem Fernsehsender. „Wir sind alle bester Gesundheit.“ Ein Katastrophenhelfer zieht mit ihr von dannen, durch eine Straße, die von Schutt gesäumt ist.

Das Zentrum liegt nur etwas weiter nördlich von der Gegend, die vom Beben am 24. August verwüstet wurde und wo fast 300 Menschen gestorben sind, die meisten im Bergstädtchen Ama­tri­ce. Dieses Mal werden 20 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer.

Für viele Menschen in der Region wird es zum traurigen Vorteil, dass sie seit den vergangenen Beben nicht mehr in ihren Häusern wohnen können und dass einsturzgefährdete Gebäude geräumt sind. Sie erleben das Beben in Turnhallen, anderen Notunterkünften oder im Auto - und kommen mit dem Leben davon. Doch sie stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, Tausende sind obdachlos und es wird jetzt kalt.

„Die Menschen sind in Panik“, sagt der Bürgermeister Sergio Pirozzi im Radio. In Amatrice hat der schwere Erdstoß jetzt einen Kirchturm zum Einsturz gebracht. An Wiederaufbau ist auch hier nicht zu denken. „Wir wissen gar nicht, wie wir weitermachen sollen“, sagt ein Betroffener dem Radiosender Rai.

Das Dörfchen Preci gleiche einer „Geisterstadt“, berichtet „La Repubblica“. Es gibt keinen Strom, keine Telefonverbindung, Zufahrtsstraßen sind blockiert. In den umliegenden Dörfern und Ge-
 
meinden inmitten schönster Natur sind Häuser, Kirchen und Mauern eingestürzt, tiefe Risse ziehen sich durch Straßen und sogar einen Berg. „Es ist alles eingestürzt“, sagt der Bürgermeister von Ussita, Marco Rinaldi. „Es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

Selbst in Rom, 150 Kilometer südlich gelegen, ist der Erdstoß deutlich und lange zu spüren, Fensterläden, Regale, Tische wackeln, Geschirr scheppert in den Schränken. Die zwei wichtigsten Metrolinien werden zwischenzeitlich gestoppt, Notrufe gemeldet.

Zwei Basiliken werden geschlossen. Die Sicherheitsdienste des Vatikans untersuchen den Petersdom, entdecken aber keine Schäden. Auch das Kolosseum wird kontrolliert. Die Schulen bleiben heute geschlossen, sie sollen erst einmal auf Schäden abgesucht werden.

Die Stärke von Erdbeben wird mit Seismographen gemessen. Sie zeichnen die Stärke von Bodenbewegungen auf, die so genannte Magnitude. Weltweit kommen jährlich 100 000 Beben der Stärke 3 vor und 1600 der Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben der Stärke 8 tritt etwa einmal im Jahr auf.

Die Intensität des Bebens nimmt nicht gleichmäßig zu, mit jedem Stärke-Punkt steigt die Erschütterungsenergie auf mehr als das 30-Fache. Ein Beben der Stärke 6 setzt also rund 1000 Mal so viel Energie frei wie ein Beben der Stärke 4.

Je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise der Häuser können Erdbeben unterschiedliche Auswirkungen haben. Meist gilt:

Stärke 1-2: schwaches Beben, nur durch Instrumente nachzuweisen.
Stärke 3: Nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren.
Stärke 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden.
Stärke 6: Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen.
Stärke 7: In weiten Gebieten stürzen Häuser ein, viele Tote.
Stärke 8: Verwüstung im Umkreis hunderter Kilometer, viele Tote. dpa

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