Schwarzer Dienstag für Moorhühner

Für Tierschützer ist es ein verachtenswerter Blutsport, für Fans der britischen Jagdtradition edles Waidwerk: Jedes Jahr am 12. August wird die Jagdsaison auf Mooorhühner eröffnet. Ein Spaß für Snobs.

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Romantisch verklärtes Jagdidyll: Ein Moorhuhnjäger mit seinem Hund und erlegter Beute in Schottland. Doch die Jagd ist ein einträgliches Geschäft.  Foto: 

Heute ballern die Schrotflinten den "Glorious Twelth" ein. Jäger aus aller Welt sind zum 12. August nach Großbritannien gepilgert, um an diesem "glorreichen Zwölften" die Jagdsaison auf die Moorhühner zu eröffnen.

Die Hatz auf die Heidevögel ist ein ebenso exklusiver wie teurer Feldsport. Er gilt als eines der großen gesellschaftlichen Ereignisse des Königreichs, bei dem Aristokraten und Geldadel gemeinsam durch die einsamen Hochmoore Nordenglands und Schottlands stiefeln.

Tausende von Jägern und Treibern durchkämmen die 800 Reviere, um dem "lagopus lagopus scoticus" nachzustellen. Einmal aufgescheucht, versuchen die scheuen schottischen Raufußhühner in einem unberechenbaren Zickzackflug, den Jägern zu entkommen, haben aber in den dichten Schrotwolken kaum eine Chance.

Russische Oligarchen und amerikanische Hedgefonds-Manager möchten den Rekord brechen, den Lord Walsingham 1888 aufstellte, als er an einem einzigen Tag 1070 Moorhühner aus dem Himmel über Yorkshire putzte.

Die Jagd auf die "Grouse" ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für viele ländliche Regionen und unterhält tausende von Arbeitsplätzen. Allein in Schottland werden die Einnahmen für die Volkswirtschaft auf 30 Millionen Pfund (umgerechnet rund 37 Millionen Euro) geschätzt. Für den Abschuss eines Vogels berechnen die Jagdherren 75 Pfund (93 Euro). Eine durchschnittliche Jagdgesellschaft von acht bis zehn Personen kann ein einziger Tag gut und gerne an die 20 000 Euro kosten.

Während die Flinten oft ein Vermögen wert sind, wird an der Kleidung traditionellerweise gespart. Je abgewetzter die Tweedanzüge wirken und je strenger die Wachstuchjacken den Duft der Jagdhunde übertreffen, desto vornehmer sind die Träger.

Wenn ein Jagdgast einen anderen mit einem Moorhuhn verwechselt, gilt das als bedauerliches Versehen. Aber angeschlossene Treiber oder gar Jagdhüter sind ein unverzeihlicher Fehler. So musste der leidenschaftliche "Grouse"-Jäger Willie Whitelaw seine Büchse an den Nagel hängen, weil der Ex-Innenminister Margret Thatchers seinem Jagdfreund eine Schrotladung in den Hintern verpasst und dabei auch dessen Flintenlader verletzt hatte.

Das snobistische Ritual hat natürlich eine Menge Gegner, die dieses Jahr besonders heftig gegen diesen "Blutsport" protestierten. Sie wollen, dass der "Glorreiche Zwölfte" ebenso abgeschafft wird wie die berittene Fuchsjagd mit Hunden.

Die Vogelschützer sind gespalten. Einige Organisationen machen die Jagdhüter für den dramatischen Rückgang der Kornweihen verantwortlich. Diese Raubvögel würden heimlich abgeschossen, weil sie den Moorhühnern nachstellten.

Auf der anderen Seite loben Vogelfreunde und Naturschützer die Erhaltung der Jagdreviere in den Heiden und Hochmooren, weil hier auch gefährdete Brachvögel brüten können. Der wirtschaftliche Faktor bewahrt diese alten Landschaften vor der Zerstörung durch Windfarmen und Aufforstung.

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