Säcke füllen bis zur Erschöpfung

Das Hochwasser hält Deutschland weiter in Atem. Die Flutwelle rollt nach Norddeutschland. Im Süden und Osten hinterlässt sie Verwüstung. Gefahr droht vielerorts von durchweichten Dämmen.

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Emsiges Arbeiten in Dresden an der Elbe: Zahlreiche Helfer befüllen Sandsäcke, mit denen das Wasser zurückgehalten werden soll. Fotos: dpa/afp/Getty

Das Hochwasser bedroht nun mit zerstörerischer Kraft den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen, die bereits im Süden und Osten Schäden in Millionenhöhe angerichtet haben. Mehrere Deiche drohten unter der Last des Wassers zu brechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte gestern bei einem Besuch in der Chemiestadt Bitterfeld die große Solidarität der Menschen: "Das ist wunderbar." Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte Unterstützung zu, die über die Soforthilfe des Bundes von 100 Millionen Euro hinaus gehen soll. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) dankte den Helfern vor Ort.

Die Situation in den einzelnen Bundesländern und betroffenen Staaten Europas stellte sich gestern folgendermaßen dar:

Bayern: Trotz sinkender Pegelstände an der Donau waren tausende Menschen weiter von Hochwasser und Überschwemmungen bedroht. In der besonders gefährdeten Region um Deggendorf und Straubing ging das Wasser zwar leicht zurück. An einigen Stellen drohten die durchgeweichten Dämme aber weiterhin zu brechen. Insgesamt mussten mehr als 4000 Menschen in der Krisenregion ihre Häuser verlassen.

Sachsen-Anhalt: Der Innenstadt von Bitterfeld mit 10 000 Bewohnern drohte die Überflutung, weil der Goitzschesee vollläuft. "Das Wasser steigt permanent", sagte die Oberbürgermeisterin von Bitterfeld-Wolfen, Petra Wust. Auch in Halle blieb die Lage angespannt, obwohl der Pegelstand der Saale zurückging. Der Wasserspiegel der Elbe steigt unterdessen weiter. In Barby ist ein Mann beim Füllen von Sandsäcken gestorben. Es habe sich um einen freiwilligen Helfer gehandelt, teilte der Katastrophenschutzstab des Salzlandkreises mit. Ein Notarzt habe ihm nicht mehr helfen können.

Niedersachsen: Das Elbe-Hochwasser wird vermutlich weniger bedrohlich als befürchtet. Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden erneut um rund einen halben Meter nach unten korrigiert, wie die Behörden mitteilten.

Sachsen: Der Hochwasserscheitel der Elbe erreichte inzwischen Dresden. Mit einem Höchststand von 8,76 Metern schwoll der Fluss aber weniger stark an als vorhergesagt. Die Behörden hatten einen Höchststand um die neun Meter geschätzt. Normal sind knapp zwei Meter, bei der Jahrhundertflut 2002 wurden 9,40 Meter gemessen.

Brandenburg: Das Hochwasser wird die Brandenburger noch tagelang in Atem halten. Die von Süden ins Land drängenden Wassermengen drückten auf die Deiche. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) schätzt die Situation schwieriger ein als bei der Jahrhundertflut 2002. "Mit jeder Stunde die es länger dauert, wird es schwieriger werden", sagte er. "Es ist eben nicht nur die Elbe, die kommt. Dieses Mal kommen alle Nebenflüsse mit großer Wucht mit dazu", sagte Woidke.

Mecklenburg-Vorpommern: Umweltminister Till Backhaus (SPD) erwartet ein nie dagewesenes Hochwasser an der Elbe. In Dömitz erreichte der Fluss schon eine Höhe von 4,42 Meter, normal sind gut zwei Meter. Ausgelegt sind die Deiche für ein Hochwasser von 7,50 Meter. Das Problem sei, dass zu den Fluten der Elbe auch das Hochwasser der Saale komme. Hunderte Bundeswehr-Soldaten unterstützten die Schutzmaßnahmen.

Thüringen: Das Land hat das Schlimmste überstanden. Die Lage an den Flüssen entspannte sich weiter. Nur noch an drei Messstellen der Saale - in Kaulsdorf, Rothenstein und Camburg-Stöben - galt die höchste Alarmstufe. Mit dem Rückgang des Wassers werden die Zerstörungen immer mehr sichtbar.

Ungarn: Das Land bereitet sich auf Rekord-Hochwasser der Donau vor. Die Scheitelwelle werde Budapest am Wochenende erreichen, teilten die Behörden mit. Ministerpräsident Viktor Orban sagte, schlimmstenfalls müssten 80000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Polen: In der Nacht zu Donnerstag gab es die bisher schwersten Überschwemmungen. Polizei und Freiwillige waren im Dauereinsatz.

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