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Herr Kienle, Sie sind 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister geworden. Wie wurden Sie entdeckt?

Marc Kienle: Ich habe mit sieben, acht Jahren bei einem kleinem Verein, dem TSV Plattenhardt, vor den Toren von Stuttgart begonnen und bin über die Stuttgarter Kickers im zweiten Jahr der B-Jugend, das ist heute die U 17, zum VfB gewechselt. Dort habe ich noch drei Jahre in der Jugend gespielt und bin danach direkt in den Kader der Lizenzspieler übernommen worden.

Heute werden bereits fünf- und sechsjährige Kicker von den Scouts der Profiklubs gesichtet. Ist das wirklich sinnvoll?

Beim VfB starten wir aktuell in der U 11, also mit den Neun- und Zehnjährigen. Wir beginnen ein Jahr vorher damit, intensiv zu sichten. Aber es ist uns wichtig, dass die Kinder in diesem Alter sich noch in ihrer gewohnten Umgebung bewegen und spielen – und den Schritt zu uns vielleicht erst später machen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, erst mit der U 11 zu beginnen, weil selbst von dort der Weg in den Profibereich noch sehr lang ist und in dieser Zeit noch viel passieren kann.

Wie viele Spieler, die im Nachwuchs-Leistungszentrum des VfB ausgebildet wurden, stehen derzeit im Bundesliga-Kader und in der U 23, die in der Regionalliga kickt?

Bei den Profis sind es vier Spieler. Zuletzt kam Matthias Zimmermann über die U 23 in den Profikader. In der U 23 sind es naturgemäß mehr, derzeit haben wir dort zwölf Spieler, die aus unserem Nachwuchs-Leistungszentrum kommen. Das ist gut und wichtig für uns, weil U 23 ja die letzte Stufe unserer Ausbildung für den Profibereich ist.

Der VfB war im Jugendbereich über Jahrzehnte bundesweit führend, fiel in den vergangenen Jahren jedoch etwas zurück. Wie können Sie hier wieder besser punkten?

Die Konkurrenz hat sich erheblich verschärft: Hoffenheim, Leipzig, die Bayern. Wir sind weiter der Verein, der mit Abstand die meisten der Spieler, die derzeit in der Bundesliga kicken, ausgebildet hat. Für uns muss es deshalb in erster Linie darum gehen, die Verweildauer der Spieler im Verein zu erhöhen. Wir können stolz darauf sein, dass – wie zuletzt beim Confed-Cup und bei der U-21-EM – viele Spieler bei uns ausgebildet wurden. Doch leider spielen sie jetzt in München, Leipzig oder anderswo. Wir müssen schauen, dass wir es schaffen, die Anzahl der eigenen Spieler in unserem Profikader zu erhöhen.

Wie viele Nachwuchskicker sehen Sie derzeit in Ihren U-19- und U-17-Mannschaften, von denen Sie überzeugt sind, dass Sie den Sprung zu den Profis schaffen?

Wir haben definitiv in jeder Mannschaft Spieler, die diese Perspektive haben. Wir wissen aber auch, dass es auf diesem Weg viele Unwägbarkeiten gibt. Deshalb wollen wir sie begleiten und bestmöglich betreuen. Ich bin überzeugt, dass wir eine ganze Reihe von interessanten Nachwuchsspielern haben, von denen der eine oder andere den Sprung nach ganz oben schaffen kann.

Für viele Profiklubs war die Ausbildung des eigenen Nachwuchses stets eine Absicherung gegen die wirtschaftlich stärkere Konkurrenz. Kann diese Strategie im Zeiten der irrwitzig explodieren Ablösesummen überhaupt noch funktionieren?

Für uns spielt noch vor der wirtschaftlichen Komponente die Identifikation mit dem Verein und der Region eine große Rolle. Ein Spieler aus der Region, der beim VfB den Sprung zum Profi schafft, das ist der Idealfall. Sollte sich der Spieler schneller entwickeln als der Verein und Begehrlichkeiten bei an deren Klubs wecken, betrachten wir selbstverständlich auch die wirtschaftliche Seite.

Wieviel Einfluss haben die Eltern und die Berater der Spieler?

Es ist wichtig, dass wir als Verein uns bei jüngeren Spielern intensiv mit den Eltern austauschen, bei den älteren Jahrgängen ist es dann üblich, dass die Berater mit am Tisch sitzen. Wir wollen alle Beteiligten von unserem Weg überzeugen, und diesen Weg auch nachhaltig gehen. Da geht es darum, Vertrauen zu schaffen.

Was muss ein junger Spieler heute außer Talent mitbringen, um sich im Profibereich durchsetzen zu können?

Er muss widerstandsfähig  und bereit sein, die einzelnen Stufen zu nehmen. Es ist entscheidend zu lernen, sich heranzuarbeiten, sich selbst richtig einzuschätzen. Der Spieler muss bereit sein für diesen Beruf, der nach wie vor der Traum vieler ist, alles zu geben.

Marc Kienle (44) ist seit einem Jahr als Manager des VfB Stuttgart das Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Profibereich. Zwischen 1991 und 2007 stand  der Abwehrspieler unter anderem beim VfB, dem MSV Duisburg und dem Karlsruher SC unter Vertrag. Danach arbeitete er als Nachwuchstrainer beim VfB und beim
FC Bayern sowie beim SV Wehen Wiesbaden.

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