Prügelnder Polizeichef

Teilgeständnis ja, volle Schuld nein - so stellt es der suspendierte Rosenheimer Polizeichef dar. Er steht seit gestern wegen Körperverletzung im Amt vor Gericht, weil er einen Jugendlichen geschlagen hat.

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Mit einem Teilgeständnis hat gestern der Prozess gegen den suspendierten Rosenheimer Polizeichef wegen Körperverletzung im Amt begonnen. Der 51-Jährige räumte vor dem Landgericht Traunstein ein, einen Jugendlichen (15) im Herbst 2011 auf dem Weg zur Wache des Rosenheimer Herbstfestes geohrfeigt und auf der Wache heftig gepackt zu haben. Allerdings bestritt er, den Kopf des 15-Jährigen an die Wand geschlagen zu haben.

Bei seiner fast eineinhalbstündigen Vernehmung schilderte der zur Beamte zunächst seine steile Karriere bei der bayerischen Polizei bis zum Chef-Posten in Rosenheim. Nach dem Vorfall vom 3. September 2011 auf dem Herbstfest "bin ich moralisch sehr tief gefallen", sagte er. Neben der Suspendierung seien auch seine Bezüge empfindlich gekürzt worden. Er sei in psychiatrischer Behandlung.

Ausführlich schilderte der Angeklagte das Geschehen in jener Nacht. Dass er persönlich den gefesselten Schüler nach einer Schlägerei zur Wache abgeführt und dies nicht wie üblich seinen Kollegen überlassen hatte, begründete er damit, dass er ohnehin auf der Wache habe vorbeischauen wollen. Der Jugendliche sei auf dem Weg dorthin aggressiv geworden und habe ihn als "Hurensohn" beschimpft. "Die Beleidigungen waren deutlich unter der Gürtellinie."

Er räumte eine Ohrfeige auf dem Weg zur Wache ein: "Also, es war schon heftig", beschrieb er auf Nachfrage des Gerichts die Heftigkeit. Als Grund für sein Verhalten nannte der Beamte Stress wegen eines vorangegangenen Rockerauftritts auf dem Volksfest.

Der 51-Jährige bestritt energisch, auf der Wache den Kopf des Schülers zweimal an die Wand gestoßen zu haben. Vielmehr habe der Jugendliche das Gleichgewicht verloren, als er ihn mit einer Drehung habe auf die Bank setzen wollen. Dadurch sei der Kopf an die Wand geprallt.

Der Angeklagte gab aber zu, dem bereits aus dem Mund blutenden und noch immer gefesselten 15-Jährigen eine weitere Ohrfeige verpasst zu haben, nachdem dieser ihn angespuckt habe. Das Opfer erlitt eine Platzwunde an der Lippe, die im Krankenhaus genäht werden musste. Ein Schneidezahn brach, andere Zähne wurden geschädigt.

Der Vorsitzende Richter wunderte sich, "dass sich ein Polizeibeamter mit Ihrer Erfahrung so leicht auf die Palme bringen lässt." Vor Gericht wurde ein Entschuldigungsschreiben des Angeklagten an das Opfer verlesen. Das Urteil wird nach vier Verhandlungstagen am 29. November erwartet.

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