Promis, Preise, Politik – Profi-Routine bestimmt Emmy-Vergabe

Wer nichts zum endlosen Kampf um Macht zu sagen hat, der war bei den Emmy-Awards am Sonntag chancenlos: Zu den Abräumern zählten die Intrigen-Fantasy „Game of Thrones“ und die Politsatire „Veep“. Sehr gut lief auch Kritik an Donald Trump.

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  • Blickfang: Comedy-Star und Schauspielerin Tina Fey. 1/3
    Blickfang: Comedy-Star und Schauspielerin Tina Fey. Foto: 
  • Hingucker auf der Emmy- Gala: Heidi Klum.  2/3
    Hingucker auf der Emmy- Gala: Heidi Klum. Foto: 
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    John Travolta mit dem Preis für die beste Miniserie für „The People v. O. J. Simpson: American Crime Story“. Foto: 
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Hätten sich die Macher der 68. Emmy Awards ein Motto gegeben, es hätte gelautet: „Einmal wie immer, aber mit einer Prise Politik!“ Die Film- und Fernsehstars im Microsoft Theater in Los Angeles und die Zuschauer daheim sahen am Sonntagabend eine nett-routinierte Preisverleihung, bei der es in vielen Kategorien die gleichen Sieger wie im Vorjahr gab. Unterhaltung boten angenehm prägnante Dankesreden, Seitenhiebe auf den Präsidentschafts-Kandidaten Donald Trump und kurzweilige Kabbeleien von Moderator Jimmy Kimmel mit Gaststars wie Matt Damon.

Zunächst zu den Preisträgern: „Game of Thrones“ räumte bei den Dramaserien ab. Zu den drei Emmys vom Sonntag  – darunter die Königskategorie beste Dramaserie – kommen sogar noch neun weitere hinzu, denn bereits vor der Gala waren vorab Dutzende weitere Preisträger in technischen Kategorien veröffentlicht worden. Mit insgesamt zwölf Auszeichnungen führte die in Deutschland bei Sky Atlantic HD und RTL 2 laufende Fantasy-Buchverfilmung damit auch dieses Jahr wieder das Feld an.

Als beste Comedy-Serie gewann die Politsatire „Veep“ den zweiten Hauptpreis. Julia Louis-Dreyfus spielt darin die überforderte Präsidentin Selina Meyer. Die einst mit „Seinfeld“ berühmt gewordene Schauspielerin hat inzwischen ein Abo auf den Preis als beste Hauptdarstellerin einer Comedy: Sie gewann zum fünften Mal in Folge. Ihre Rede nutzte sie für einen berührenden Dank an ihren am Freitag zuvor gestorbenen Vater – und als ironische Steilvorlage. „Unsere Serie hat als Politsatire begonnen und sich in eine Dokumentation verwandelt“, sagte sie in Anspielung auf Donald Trumps Wahlkampf.

Auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nahmen gleich mehrere Stars Bezug. „Wenn es das Fernsehen nicht gäbe, wäre Donald Trump überhaupt nicht nominiert“, sagte Moderator Jimmy Kimmel. Er meinte damit die Reality-Show „The Apprentice“, die dem 70-jährigen Immobilienunternehmer einst zu Ruhm verholfen hatte. Doch Zweifel daran, wem die Sympathien der versammelten Fernseh- und Film-Prominenz gehören, gab es keine. Courtney B. Vance aus „The People v. O.J. Simpson“ brachte es am Ende seiner Dankesrede auf eine simple Formel: „Obama raus! Hillary rein!“

Auch die vielen Preise für diese Serie bewiesen, dass der straff getaktete dreistündige Abend außergewöhnlich stark von Politik und Zeitgeschehen geprägt war. Mit neun Auszeichnungen lag die Aufbereitung des Mordprozesses um den Footballer O.J. Simpson hinter „Game of Thrones“ in der Endauswertung auf Rang zwei. Das lässt sich genauso als politisches Zeichen deuten, wie viele nicht-weiße oder nicht-amerikanische Präsentatoren, Nominierte und ihre Rollen.

Der wie im Vorjahr für „Transparent“ ausgezeichnete Hauptdarsteller Jeffrey Tambor hoffte, der letzte Mann zu sein, der Preise für die Darstellung einer transsexuellen Frau gewinnt – künftig sollten den Kreativen der Trans-Community mehr Chancen gegeben werden, fand er.

Auch Rami Malek, US-Amerikaner mit ägyptischen Wurzeln, der für seine Rolle als Hacker Elliot Aldersson in „Mr. Robot“ ausgezeichnet wurde, wünschte sich mehr Aufmerksamkeit für Menschen am Rand.

Bleibt noch ein Blick auf Preisträger diesseits des Atlantiks: Die deutsche Preishoffnung Heidi Klum ging mit ihrer Reality-Show „Project Runway“ zwar leer aus, aber für europäische Programmmacher sah es etwas besser aus. Klum unterlag „The Voice“, immerhin erfunden vom Niederländer John de Mol. Eine Folge der englischen Krimireihe „Sherlock“ gewann den Preis als bester Fernsehfilm des Jahres, und die Dänin Susanne Bier siegte mit der besten Regie in einer Miniserie.

Die wichtigsten Gewinner im Überblick

Dramaserien

Beste Serie: „Game of Thrones“

Hauptdarsteller: Rami Malek („Mr. Robot“)

Hauptdarstellerin: Tatiana Maslany („Orphan Black“)

Nebendarsteller: Ben Mendelsohn („Bloodline“)

Nebendarstellerin: Maggie Smith („Downton Abbey“)


Comedyserien

Beste Serie: „Veep“

Hauptdarsteller: Jeffrey Tambor („Transparent“)

Hauptdarstellerin: Julia Louis-Dreyfus („Veep“)

Nebendarsteller Louie  Anderson („Baskets“)

Nebendarstellerin: Kate  McKinnon („Saturday Night Live“)

 

Miniserie/ Fernsehfilm

Beste Miniserie: „The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“

Hauptdarsteller: Courtney B. Vance („The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“)

Hauptdarstellerin: Sarah Paulson („The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“)

Nebendarsteller: Sterling K Brown („The People v. O.J. Simpson: American Crime Story“)

Nebendarstellerin: Regina King („American Crime“)

 

Fernsehfilm: „Sherlock: Die Braut des Grauens“

Realityshow: „The Voice“

Sketchshow: „Key and Peele“

Talkshow: „Last Week Tonight with John Oliver“

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