Problemstorch nervt Bewohner von Glambeck

Die Bewohner des Dorfes Glambeck in Brandenburgs haben einen Vogel, der sie ziemlich nervt.  Er heißt Ronny und ist ein echter Problemstorch.

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In Glambeck sind alle froh, wenn die Störchen wieder abziehen.  Foto: 

Sie nennen ihn „gefiederter Terrorist“ und „Wüterich auf roten Stelzen“. Dabei macht der recht junge Weißstorch einen friedlichen Eindruck, wenn er um das Glambecker Gotteshaus herumstolziert. Allerdings sollte kein dunkles Auto in der Nähe der Dorfkirche parken, denn dann zeigt der Storch eine ungeahnte Aggressivität: erblickt er nämlich sein Spiegelbild, hämmert er ungeniert mit seinem roten Schnabel auf den scheinbaren Konkurrenten los.

So geht das nun schon einige Wochen in dem märkischen Straßendorf. Erst waren es vor allem Scheiben von verglasten Türen, die das Männchen zu Klopf-Attacken animierten. Das bedeutete für die gut 120 Einwohner vor allem häufige Ruhestörungen.  Doch es gibt aber Schäden an glänzenden Fahrzeugen, wie die zahlreichen Beulen und Kratzer an Autotüren und -dächern zeigen.

„Ronny“ haben ihn die Dörfler inzwischen getauft, oft mit dem Zusatz „Rotbein“ oder „Rauhbein“. Die Glambecker haben inzwischen kapituliert. „Die Autos stehen eben nicht mehr draußen“, sagte Ortsvorsteherin Hilde Peltzer-Blase. Fenster und Glastüren blieben im Zweifel geschlossen.

Sein Rabaukentum, so erklären es die Storchenbetreuer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), ist wohl vor allem hormongesteuert: denn der junge Vogel kam verspätet nach Glambeck, da war der seit Jahrzehnten genutzte Horst auf der Kirche längst belegt.

Doch der Rowdy schaffte es, den bisherigen Hausherren nach harten Kämpfen zu vertreiben. Allerdings zog „Ronny“ nicht ein, sondern nächtigte in Sichtweite der Störchin und ihres Jungen. Zwar macht er als Ersatzvater eine schlechte Figur, doch er blieb bislang im Kampfmodus.

Einen solchen Problem-Storch hat das Land Brandenburg, in dem laut Nabu derzeit fast 1400 Weißstorch-Paare ihre Jungen aufziehen, schon lange nicht mehr erlebt. Der die Dörfler nervende „Aggro-Adebar“ ist für immer mehr Schaulustige ein Grund, ins Löwenberger Land zu fahren, gut 30 Kilometer nördlich von Berlins Stadtgrenze entfernt.

In Glambeck wird bereits wortreich bedauert, dass die frühere Gaststätte längst dicht ist. Eine Wiedereröffnung würde sich nicht wirklich lohnen: spätestens in einem Monat wird „Ronny“ als typischer Zugvogel wie seine Artgenossen den Abflug machen. Der Klimawandel hat zumindest aus den großen eleganten Weißstörchen der Region noch keine Standvögel gemacht.

Immer öfter heimisch

Statistik In Deutschlandweit gibt mehr als 6000 Storchenpaare, die meisten brüten in Brandenburg, dort gibt es etwa 1400 Paare. Immer mehr dieser Zugvögel überwintern in Deutschland. „Vor allem in Westdeutschland geht der Trend dahin“, berichtet der Naturschutzbund Nabu. Gründe sind die Fütterung durch Menschen und milde Winter. Der Hauptgrund sind aber Experten zufolge Zuchtprogramme der 50er und 60er Jahre in der Schweiz, dem Elsass und Baden-Württemberg. Man habe die Zuchtvögel eingesperrt und so am Wegfliegen gehindert. Dieses Verhalten hätten die Tiere nach ihrer Freilassung beibehalten und an ihre Nachkommen weitergegeben. Störche aus westlichen Bundesländern überwintern zum größten Teil in Frankreich und Südspanien sowie Marokko und Mali in Nordafrika. Sie legen kürzere Strecken zurück als Störche aus Ostdeutschland. Die überwintern im Sudan, Tschad und fliegen sogar bis nach Südafrika.dpa

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