Pokémon von der CIA

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Spielerin m Pokémon-Kostüm.  Foto: 

Russen können sehr schnell sein. Noch hat Nintendo sein halbvirtuelles Spiel Pokémon Go in Russland nicht offiziell herausgegeben, da laden allein im Großraum Moskau schon täglich 60 000 Menschen die Pokémon-App herunter, hat die Mobilfunkfirma MTS gezählt. Pokémon ist der sechsthäufig genannte Namen in den Medien, hinter Putin oder Erdogan, aber vor Mutko (Sportminister) oder Schoigu (Verteidigungsminister). Quantität verwandelte sich in Windeseile in Qualität, ein Petersburger Student brach diese Woche den Weltrekord für das Fangen der künstlichen Tierchen, er brachte 145 Pokémons in freier Wildbahn zur Strecke.

 Mit anderen Worten: Auch Russland pokémont gewaltig. Aber es wäre nicht Russland, wenn ihm der globale Kult nicht ebenso schnell sehr unheimlich geworden wäre. Eine Frau aus Rostow am Don startete vergangenen Freitag eine Internetpetition, das „von der CIA gesponserte“ Spiel zu verbieten, sammelte aber bisher gerade 155 Stimmen. Ein Petersburger Kosakenverband schloss sich der Verbotsforderung an, „um die Opfer des Spiels aus ihrer virtuellen Welt herauszuziehen“.

Der kommunistische Duma-Abgeordnete Denis Worenenkow: „Es ist ja kein Geheimnis, die US-Organe, die für psychologische Kriegsführung zuständig sind, versuchen, einen Zukunfts-Krieg zu schaffen, der maximal den Zielen Washingtons entspricht.“ Dass die Programmierer, die das Spiel kreierten, Japaner und keine Amerikaner sind, kümmert den Senator wenig.

Die Moskauer Stadtverwaltung will den Pokémons Konkurrenz machen. Die Abteilung für Informationstechnologien hat das Spiel „Lern Moskau kennen. Foto“ entwickelt. Dabei kann man in der Hauptstadt nach den Regeln von Pokémon Go auf Jagd nach historischen russischen Persönlichkeiten gehen. Bleibt abzuwarten, ob der grausame Zar heilsamer auf die Seele des russischen Smartphone-Volkes wirkt als die japanischen Bildschirm-Kleinmonster.

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