Pisa-Report: Viele Schüler fühlen sich wohl – aber Mobbing macht Sorge

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Jugendliche fühlen sich nach einer neuen Pisa-Studie an ihrer Schule überwiegend wohl und empfinden relativ wenig Stress durch Hausaufgaben oder Prüfungen. Interesse und Hilfestellung von Eltern für den Unterricht ihrer Kinder sind sehr ausgeprägt. „Teenager, die sich als Teil einer Schulgemeinschaft fühlen und gute Beziehungen mit ihren Eltern und Lehrern pflegen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit bessere schulische Leistungen erbringen und insgesamt glücklicher sein“, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Wichtige Ergebnisse der Sonderauswertung „Wohlbefinden“:

Belastung durch Mobbing In Deutschland wird fast jeder sechste 15-Jährige (15,7 Prozent) regelmäßig Opfer von körperlicher oder seelischer Misshandlung durch Mitschüler. Im Schnitt aller Teilnehmerländer der OECD ist es knapp jeder Fünfte (18,7 Prozent). Insgesamt sind Jungen laut OECD häufiger Mobbing-Opfer als Mädchen.

Dazugehören ist wichtig Drei von vier Jugendlichen (75 Prozent) empfinden ein überdurchschnittlich starkes Zugehörigkeitsgefühl für ihre Schule und die Mitschüler (OECD: 73 Prozent). Und gut 85 Prozent schließen aus, im Schulalltag Außenseiter zu sein oder „geschnitten“ zu werden (OECD: 82,8 Prozent). Allerdings ist das Gemeinschafts- und Zufriedenheitsgefühl bei Schülern aus ärmeren Familien oft weniger ausgeprägt.

Sorgen im Schulalltag Deutsche Schüler haben weniger Furcht vor Hausaufgaben oder Tests als im OECD-Durchschnitt. Jeder fünfte der befragten 15-Jährigen (22 Prozent) reagiert nach eigener Aussage sehr nervös auf solchen Stress (OECD: 37 Prozent). 42 Prozent haben Angst bei der Vorbereitung von Prüfungen (OECD: 55 Prozent). Mädchen schleppen deutlich häufiger Schulsorgen mit sich herum als Jungen. Vergleichsweise wenig Schüler (59 Prozent) sind hierzulande zufrieden mit der Unterstützung und dem Interesse ihres Lehrers (OECD: 77 Prozent). Extreme Arbeitsbelastung ist bei deutschen Schülern aber eher selten: 4 Prozent gaben an, dass sie mehr als 60 Wochenstunden in der oder für die Schule aktiv sind (OECD: 13 Prozent).

Eltern enorm wichtig Schüler in Deutschland erfahren zu Hause viel Unterstützung. 96 Prozent gaben an, dass sich ihre Väter und/oder Mütter für Schulaktivitäten interessieren; 91 Prozent verrieten, dass ihre Eltern bei Schwierigkeiten in der Schule helfen. Das bedeutet häufig Einflussnahme auf Lehrer: Mit ihnen sprechen 64 Prozent der Eltern über das Verhalten der Kinder, 54 Prozent über schulische Fortschritte. Schüler mit stark interessierten und anteilnehmenden Eltern sind häufiger mit ihrer Lebenssituation zufrieden als weniger beachtete.

Fazit Deutschland liegt – wie auch schon bei den Pisa-Kompetenztests für Naturwissenschaften, Mathematik und Lese-/Textverständnis im vergangenen Dezember – beim Wohlbefinden der Schüler international im vorderen Bereich.

Pisa („Programme for International Student Assessment“) steht für den weltweit größten Schulvergleichstest. Er wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) organisiert – im Auftrag der Regierungen oder in Deutschland für die Kultusministerkonferenz (KMK) der 16 Länder.  An der letzten Studie nahmen 540 000 15-Jährige aus 72 Ländern und Regionen teil, 10 000 aus Deutschland.

In der aktuellen Sonderauswertung hat die OECD nun Daten und Schlussfolgerungen zu Lernumfeld und Lernverhalten der 15-Jährigen veröffentlicht. Der Report untersucht die Beziehungen von Schülern zu ihren Mitschülern, zu Lehrern und Eltern, außerdem Freizeitgestaltung und Zukunftswünsche – kurz: ihr Wohlbefinden im schulischen Umfeld.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, kritisierte die Studie als äußerst teuer und pädagogisch überflüssig. Der „Bild“-Zeitung sagte er, er werde die Kultusministerkonferenz dazu auffordern, solche Studien künftig nicht mehr zu unterstützen. Denn: „Was hilft es mir, wenn ich weiß, dass in Singapur die Prüfungsangst stärker ausgeprägt ist als in Deutschland?“ Stattdessen sollten die Kultusminister die Unterrichtsforschung in Deutschland fördern, um zu erfahren, welche Lernmethode die Beste sei. „Die OECD ist eine Wirtschaftsorganisation und keine Erziehungsmacht. Das ist eine fürchterliche Selbstdarstellerei, die Millionen kostet und pädagogisch nichts bringt.“ dpa

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