Per Inserat in den Bundestag

Die SPD in der Eifel sucht per Stellenanzeige einen Kandidaten für die Bundestagswahl. Bisher mit Erfolg: Mehr als 100 Interessenten haben sich gemeldet.

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Bewerber gesucht: leere Sitze im Bundestag.  Foto: 

Auf den ersten Blick scheint es ein Scherz oder ein echtes Armutszeugnis zu sein. Auf den zweiten aber stellt es sich als – zumindest quantitativer Erfolg – heraus: Die SPD im Eifel-Wahlkreis Bitburg-Prüm sucht per Online-Stellenanzeige einen Bundestagskandidaten und wird von 118 Bewerbern überrannt.

Ursachensuche: Als Normalbürger kommt man beim Blick auf Gehaltsabrechnung und Rentenbescheid schon mal ins Grübeln und liebäugelt mit Alternativen. Zusatzrente? Riestern? Bausparen? In Immobilien investieren? Oder die prestigeträchtigere Alternative wählen und in die Politik gehen? Vornehmlich in die Bundespolitik. Dort winken immerhin 9327 Euro Abgeordnetendiät. Nach acht Jahren im Bundestag dann ein stattliches Ruhegeld.

Mag das ein Anreiz für die mehr als hundert Bewerber gewesen sein?  Vielleicht war es auch die Erkenntnis, dass eine bundespolitische Karriere ohne Abitur und Jurastudium zu schaffen ist.

Besonders hoch lagen die Hürden für die Bewerbung ohnedies nicht:  „Du bist motiviert, aufgeschlossen und politisch interessiert?“, hieß es in der Ausschreibung. „Dann bewirb dich.“ Nicht einmal Parteimitglied musste man sein. Es genügte zunächst, sich mit den Werten der SPD zu identifizieren. Und dennoch: Lediglich fünf „Klamauk-Bewerbungen“ seien unter den 118 potenziellen Kandidaten, berichtet SPD-Kreisvorsitzender Nico Steinbach.

Die SPD hat jetzt die Qual der Wahl. Mit zehn ausgewählten Bewerbern will sie Gespräche führen. Am Schluss könnten ein, zwei oder drei Favoriten übrig bleiben. Ende November wird dann die Entscheidung gefällt. Öffentlichkeitswirksamer kann man die Kandidatensuche jedenfalls kaum begehen.

Früher galt Bitburg-Prüm als CDU-Hochburg, heute dominiert die SPD. Mit Hohn und Spott hielten sich politische Mitbewerber allerdings zurück. „Kritik kam nur durch die Blume“, sagt Steinbach beschwichtigend. Die Fähigkeit, mit Gegenwind umgehen zu können, war in der Stellenanzeige auch gefragt. 

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