Ostern in Dänemark

Den Osterhasen sowie das Verstecken und Suchen von Geschenken haben sie aus Deutschland geklaut. Dafür verschicken sie anonyme Grußkarten und lassen extra hart gekochte Eier Hügel hinunterrollen und aneinanderprallen. Wie die Dänen Ostern feiern.

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    Frühlingsfarben, Blumen, Eier: Osterdekoration in Dänemark unterscheidet sich nicht sehr von der in Deutschland. Foto: 
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    An Ostern gemeinsam mit der Familie zu Mittag essen: Das machen viele dänische Familien. Dazu gehören immer: Eier. Foto: 
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    Supermärkte sind in Dänemark auch an Sonntagen - und manche sogar an Feiertagen geöffnet. Foto: 
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    Diese Deko ziert die Büros der dänischen Regionalzeitung Nordjyske in Aalborg. Foto: 
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Wie wird in Dänemark påske, Ostern, gefeiert? Mit gækkebrev. Das antworten viele Dänen sofort, wenn man sie nach dänischen Osterbräuchen fragt. Gækkebrev lässt sich vielleicht am besten so erklären und übersetzen: Der Ausdruck "drive gæk" bedeutet Spielchen mit jemandem treiben, jemanden veräppeln, erklärt Claus aus Aalborg. Und "brev" heißt Brief. Die Dänen veräppeln an Ostern also gerne andere, indem sie Briefe verschicken.

Und zwar so: Man nimmt ein weißes Blatt Papier, faltet es mehrmals und schneidet dann ein paar Teile des gefalteten Papiers aus. Wenn man es wieder auseinanderfaltet, haben sich durch das Herausschneiden Löcher gebildet, es hat sich ein Muster ergeben. Dann schreibt man auf das, was vom Papier übrig ist, einen lustigen Reim oder Ostergruß. Etwa: "gæk gæk gæk, mit navn er blevet væk" (gæk, gæk, gæk, mein Name bleibt weg) oder "Omme bag en tjørnehæk fandt jeg denne vintergæk. Nu med den du får fra mig, sendt en hilsen – hvem er jeg?" (Hinter einer Dornenhecke fand ich dieses Schneeglöckchen. Nun schicke ich dir damit einen Gruß - wer bin ich?).

Darunter unterschreibt man nicht, sondern zeichnet Punkte - je nach Anzahl der Buchstaben im eigenen Vornamen. Steffen würde also sieben Punkte zeichnen, Lone vier. Der Empfänger des Briefs muss raten, von wem er ihn erhalten hat. Wenn er es nicht herausfindet, muss er dem Absender ein Schokoladen-Osterei schenken.

"Diese gækkebrev-Tradition gibt es schon lange", erzählt die 63-jährige Kirsten aus Aalborg. "Das habe ich als Kind gemacht. Und viele Kinder verschicken Briefe auch heute noch." Sie selbst ist keine gläubige Christin, doch sie sagt, zu Ostern gehöre auf jeden Fall, mit der Familie zu Mittag zu essen. "Und dann müssen auf jeden Fall Eier auf dem Tisch sein. Man isst Eier. Das gehört dazu."

Auch Bente aus Kopenhagen erzählt von der Tradition des påske frokost, des Oster-Mittagessens. "Wir haben in Dänemark Weihnachts-Mittagessen und Oster-Mittagessen. Dazu trifft sich die ganze Familie."

Ida aus Aalborg findet, Osterdekoration gehört auf jeden Fall zu den Feiertagen dazu. Außerdem hat sie für ihre Kinder, als diese noch jünger waren, Süßigkeiten in großen, bunten Papier-Eiern versteckt. Dazu sage man dann zu den Kindern: "Such den Osterhasen." Ihr Kollege Torben nickt, er kennt das auch, doch er meint: "Vom Osterhasen habe ich zum ersten Mal in Deutschland gehört. Das ist ja alles nicht typisch dänisch."

Ein lustiges Spiel spielt Lasse mit seiner Familie in Auning an Ostern, dieses Jahr an Karfreitag. "Wir kochen für jeden von uns drei Eier. Und zwar eine Stunde lang, damit sie richtig hartgekocht sind", erzählt er. Dann dekorieren und bemalen er, seine Eltern und seine Schwester je drei Eier. Die Meisterwerke werden jedoch nur kurz bewundert und dann geht es raus zu einem kleinen Hügel. "Einer beginnt und lässt eines seiner Eier hinunterrollen, der nächste muss dann probieren, das Ei, das schon unten liegt, zu treffen", erklärt Lasse. "Wenn er es trifft, bekommt er beide Eier." Ziel des Spieles ist, seine Eier nicht zu verlieren. Denn wenn man selbst keine anderen Eier getroffen hat und alle drei Eier schon im Spiel sind, ist man ausgeschieden. Wer allerdings gleich mehrere trifft, bekommt sie alle. "Am Ende hat eine Person alle Eier und ist der Sieger."

Und was passiert dann mit den schön bemalten und dekorierten Eiern? "Nichts", sagt Lasse. "Die sind dann sehr demoliert und kommen in den Müll."

Etwas länger sollen und wollen die Dänen etwas von der Kunst haben, die nicht auf Eierschalen gemalt ist. Die Ostertage sind in Dänemark und besonders in Nordjütland dafür bekannt, dass es viele Ausstellungen gibt: die påskeudstillingen. Galerien und Museen haben geöffnet, auch an anderen Orten, die sonst keine Kunst zeigen, etwa in Schlössern, werden Bilder oder Skulpturen ausgestellt. In Zeitungen gibt es ganze Seiten, die vor Ostern beschreiben, wo es welche Ausstellungen zu sehen gibt. "Es gibt Familien, die sich dann mehrere Ausstellungen aussuchen und gezielt an die verschiedenen Orte fahren", erzählt Søren aus Aalborg.

Die Dänen haben übrigens bereits an Skærtorsdag, Gründonnerstag, einen Feiertag. Also einen Tag mehr Zeit als die Deutschen, um Eier zu essen, Spiele zu spielen, einen gækkebrev zu verschicken oder sich Kunst anzusehen. Einen Tag weniger, um einzukaufen, haben sie allerdings nicht unbedingt. Supermärkte haben in Dänemark auch sonntags geöffnet, einige sogar an allen Osterfeiertagen von 8 bis 22 oder gar 7 bis 23 Uhr. Vielleicht ganz praktisch, wenn der Eier-Vorrat zur Neige geht.
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Lydia in Dänemark

Von Ulm nach Aalborg: Unsere Redakteurin Lydia Bentsche lebt und arbeitet zwei Monate lang in Dänemark. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen und Themen, die die Dänen bewegen.

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