Noch keine heiße Spur

Die Polizei in Frankreich und Großbritannien sucht weiter nach Hinweisen auf den Täter im Vierfachmord in den französischen Alpen. Die vier Opfer wurden mit je zwei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet.

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Die Suche nach Täter und mögliches Motiv für die Bluttat in Frankreich konzentrierte sich gestern vor allem auf das Haus der getöteten britischen Familie nahe London. Das Interesse der Medien an dem mysteriösen Mordfall ist groß. Foto: dpa

Nach dem brutalen Vierfachmord in Frankreich suchen französische und britische Ermittler weiterhin fieberhaft nach Hinweisen zu Täter und Motiv. Die Suche konzentrierte sich gestern vor allem auf das Haus der getöteten britischen Familie nahe London. Zudem sollte erneut der Bruder des getöteten Familienvaters Saad al-Hilli befragt werden. Die vierjährige Tochter, die die Bluttat unverletzt überlebt hat, sollte unterdessen in ihre Heimat zurückkehren.

Experten der Spurensicherung suchten weiter im Haus der Familie im britischen Claygate nach Hinweisen. Die Suche solle den Beamten helfen, sich ein Bild der Familie zu machen, hatte der französische Staatsanwalt Eric Maillaud am Samstag gesagt. Es sollte aber keine voreiligen Schlüsse geben, wonach die Familie sich zu einer Zielscheibe gemacht habe. Die Durchsuchung werde noch mindestens bis heute dauern. Der französische Ermittlungsleiter in Großbritannien, Marc de Tarle, sprach vor einer "langen und komplexen Ermittlung".

Der Bruder des getöteten Saad al-Hilli sollte gestern erneut befragt werden. Dieser könnte möglicherweise Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt haben. Er war jedoch zunächst von sich aus bei der Polizei erschienen, um Informationen zu dem Mord zu bekommen. Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder bestritt er. Maillaud hatte zuvor erklärt, dass alle Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld der Familie befragt würden.

Ein Cousin der Brüder sagte, er wisse weder etwas von einem Streit noch über eine vermeintliche Erbschaft des im vergangenen Jahr in Spanien verstorbenen Vaters der beiden. Der Bruder des Getöteten sei "verzweifelt" und "schockiert" über den Mord, sagte der in Australien lebende Ali al-Hilli der Zeitung "Sunday Telegraph". Ein Freund der Familie, James Matthews, sagte dem Blatt dagegen, Saad al-Hilli sei vor der Abreise nach Frankreich "nicht in einem normalen Zustand" gewesen.

Saad al-Hilli, seine Frau Ikbal, eine Verwandte sowie ein offenbar zufällig vorbeikommender Radfahrer waren am Mittwoch auf einem Waldparkplatz in Ostfrankreich erschossen worden. Die vierjährige Tochter Zeena überlebte unverletzt, weil sie sich unter der Leiche der Mutter versteckte. Ihre siebenjährige Schwester erlitt Schädelfrakturen und lag im künstlichen Koma, aus dem sie laut Staatsanwaltschaft gestern geholt wurde. Die Vierjährige kehrte unterdessen in Begleitung eines Onkels und einer Tante nach Großbritannien zurück.

Immer noch unklar ist der genaue Verwandtschaftsgrad der getöteten Frau, bei der ein schwedischer Pass gefunden worden war. Laut "Sunday Telegraph" handelt es sich bei ihr um die 74-jährige Suhaila Al-Saffar, die damit den Mädchennamen der getöteten Ikbal al-Hilli trägt. Es wurde bereits vermutet, dass es sich um die Mutter der Frau handelte. Die Ermittler suchten am Sonntag auch weiter das Gebiet um den Tatort ab. Zuvor waren bereits die Schweiz und Italien mobilisiert worden, da beide Länder nur anderthalb Stunden von dem Ort des Blutbads nahe Annecy in Ostfrankreich entfernt sind.

Maillaud zufolge wurden die Opfer durch jeweils zwei Kopfschüsse getötet. Am Tatort seien etwa 25 Patronenhülsen gefunden worden. Angesichts der vielen Schüsse wurden Zweifel laut, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Maillaud schloss dies aber nicht aus. Ermittler Benoit Vinneman sagte, es werde auch der Theorie eines "Verrückten" nachgegangen.

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