Mit Medikamenten können HIV-Infizierte normal leben – Welt-Aids-Konferenz in Durban

Nur wo Medikamente verfügbar sind, können HIV-Infizierte normal leben. Über den Kampf gegen HIV diskutiert seit gestern die Welt-Aids-Konferenz.

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Tamryn Van Eyssen, Mitarbeiterin eines Zirkusprojekts, schminkt einen HIV-infizierten Jungen vor einem Auftritt in einer Veranstaltung in Kapstadt, die auf die HIV-Gefahr aufmerksam machen soll.  Foto: 

In Westeuropa scheint die Angst vor HIV verflogen. Weltweit aber infizieren sich jedes Jahr 2,1 Millionen Menschen und 1,1 Millionen sterben an den Folgen von Aids, die meisten in Afrika.

In 14 Jahren soll das vorbei sein, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO angekündigt. Wie das gelingen kann, darüber diskutieren 18 000 Experten auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban in Südafrika.

„Es gibt viel Zuversicht, dass wir endlich die nötigen Werkzeuge haben, die Aids-Epidemie unter Kontrolle zu bringen“, sagte der Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), Chris Beyrer. Aber nur 17 Millionen von 37 Millionen HIV-positiven Menschen haben  Zugang zu den lebensrettenden virenhemmenden Medikamenten.

Weitere schwierige Themen: die Prävention. Besondere Risikogruppen sind derzeit Männer und Drogenabhängige in Osteuropa, die Sex mit Männern haben, und sexuell aktive Mädchen und junge Frauen im südlichen Afrika. So ist im Staat Südafrika jeder fünfte Mensch zwischen 15 und 49 Jahren infiziert.

In Deutschland ist die Lage weitaus besser. Einige Aspekte zu Infektion und Erkrankung:

Wie viele Menschen sind mit HIV infiziert?

In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) 83 400 Menschen mit HIV/Aids. Die meisten wohnen in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt/Main und Köln.

Wer infiziert sich mit dem Virus?

Geschätzt sind es 53 800 Männer, die Sex mit Männern haben. Etwa 10 500 Menschen haben sich nach RKI-Daten bei heterosexuellem Verkehr infiziert, 7900 an verunreinigten Spritzen beim Drogengebrauch, 450 Menschen an kontaminierten Blutkonserven, vor allem bis Mitte der 1980er Jahre. 400 haben sich vor, während oder nach der Geburt bei ihrer Mutter angesteckt.

Wie viele Menschen wissen nichts von ihrer Infektion?

Es sind deutschlandweit 12 200, schätzen RKI-Experten. Annette Haberl vom Vorstand der Deutschen Aids-Gesellschaft sagt, zu den Gründen zählten Angst vor dem positiven Ergebnis und Ausgrenzung.

Wie viele Menschen werden behandelt?

Von den bekannten HIV-Infizierten sind 82 Prozent in einer antiretroviralen Therapie, die die Vermehrung der Viren eindämmt und den Ausbruch von Aids verhindern kann.

Steigern andere sexuell übertragbare Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren?

„Generell steigt durch alle sexuell übertragbaren Krankheiten das Risiko, sich mit HIV zu infizieren“, sagt Norbert Brockmeyer, der Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin in Bochum. Infektionen mit Chlamydien, Humanen Papillomviren, Herpes-Simplex-Viren, Syphilis und Gonorrhoe verbreiten sich verstärkt. Er sieht eine Ursache dafür in den Datingmöglichkeiten über Internetportale. Bei Treffen „verzichten viele Leute auf Kondome, weil sie das Gefühl haben, sich aus dem Internet zu kennen“.

Welche Therapien stehen zur Verfügung?

Nach Angaben der Deutschen Aids-Gesellschaft gibt es mehr als 30 Medikamente für die HIV-Therapie. Sie können die Virusvermehrung dauerhaft hemmen. Annette Haberl: „HIV ist dadurch heute zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung geworden.“

Ignoranz und rücksichtslose Männer

Durban Der Veranstaltungsort ist gewissermaßen historisch: Bereits 2000 hat der Aids-Gipfel in Durban getagt – ausgerechnet in Südafrika, dessen Regierung die Umstände der Immunschwächekrankheit leugnete. Präsident Thabo Mbeki bestritt den Zusammenhang zwischen HIV und Aids. Patienten empfahl er eine Diät aus Knoblauch, Zitrone und Olivenöl. 330 000 Tote und 171 000 Neuinfektionen waren die Folge.

Südafrika Mittlerweile erhalten 3,4 Millionen Südafrikaner antiretrovirale Medikamente vom Staat. Die Ansteckungsrate bleibt aber hoch, vor allem wegen der „Sugar Daddies“ oder „Blesser“ (Segner), sagt der deutsche Pfarrer Stefan Hippler von ,„Hope Cape Town“. Das sind reiche Männer, die sich Minderjährige mit Kleidung, Handys und Geld gefügig machen. Oft infizieren sie vor allem junge Mädchen mit HIV, da diese nicht über Prävention verhandeln können. Laut südafrikanischen Medien blühen Onlineportale, die junge Mädchen an reiche Männer vermitteln, mit Slogans wie „Steig ein und werde gesegnet“. kna

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