Mit fremden Zwillingen schwanger

Schock nach der künstlichen Befruchtung: In einem Krankenhaus wurden Embryonen verwechselt. Die werdende Mutter hält zu den Kuckuckskindern.

|
Künstliche Befruchtung: Wie es zur Verwechslung kam, ist unklar. Foto: dpa

Aus dem lang gehegten Kinderwunsch, der sich endlich durch künstliche Befruchtung erfüllen sollte, wurde für mindestens zwei Paare ein Alptraum. Im römischen Pertini-Krankenhaus wurden Embryonen vertauscht. Die werdende Mutter von Zwillingen entdeckte den Fehler zufällig: Das Erbmaterial ihrer künftigen Kinder stimmt nicht mit ihrem eigenen und dem ihres Mannes überein.

Anfang Dezember hatte die Enddreißigerin sich in einem der größten römischen Krankenhäuser zwei im Reagenzglas erzeugte Embryonen einpflanzen lassen. Am selben Tag wurden dort insgesamt vier Frauen Embryonen eingepflanzt.

Um Gendefekte auszuschließen, ließ sie die Föten drei Monate später sicherheitshalber in einem auf pränatale Diagnostik spezialisierten Zentrum eines anderen Krankenhauses untersuchen. Die Zwillinge seien gesund - das Genmaterial aber mit dem der Eltern nicht kompatibel, lautete das Ergebnis.

Nach anfänglichem Schock entschied sich die werdende Mutter für die Kinder eines fremden Paars. "Diese Kinder wachsen in mir, ich habe sie gespürt, wie könnte ich über das Schicksal von zwei so lang erwarteten Geschöpfen entscheiden?", erklärte sie nach Angaben ihres Anwalts Michele Ambrosini. Nach italienischem Recht darf sie die Kinder behalten.

Der zuständige Bereich im Pertini-Krankenhaus wurde nach der Entdeckung der Verwechslung im eigenen Labor umgehend geschlossen. Das Gesundheitsministerium setzte eine Untersuchungskommission ein, um die Fehlerquelle zu finden. Sie soll zudem klären, ob auch bei den anderen Schwangeren Embryonen vertauscht wurden.

Da sämtliche Vorgänge nach europäischen Maßgaben rigoros kontrolliert würden, könne es nicht zu Verwechslungen kommen, wenn die Regeln korrekt angewendet seien, mahnt Elisabetta Coccia vom italienischen Studienzentrum für Eizellen- und Samen Cecos.

Der Chef der Untersuchungskommission, Giuseppe Novelli, verweist indes auf eine andere Fehlerquelle. Möglicherweise seien nicht die Embryonen vertauscht worden sondern das für den Test an den Föten entnommene Genmaterial.

Der Fall der vertauschten Embryonen ist indes nicht der erste Skandal in der römischen Reproduktionsmedizin. Vor zwei Jahren waren knapp hundert tiefgefrorene Embryonen im Filippo-Neri-Krankenhaus wegen eines technischen Defekts aufgetaut und dadurch unbrauchbar geworden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

11.09.2014 13:54 Uhr

Irren ist menschlich

"Der Fall der vertauschten Embryonen ist indes nicht der erste Skandal in der römischen Reproduktionsmedizin." Alle machen Fehler. "Möglicherweise seien nicht die Embryonen vertauscht worden sondern das für den Test an den Föten entnommene Genmaterial." Reproduktionsmediziner sind in einigem Maße der Schönheitsmediziner gleich. Aber die Schönheitsmedizin ist nicht notwendig.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

SSV Ulm 1846 Fußball: Auf die Stürmer ist Verlass

Trotz der Führung durch Tore von Rathgeber und Braig wird es gegen den VfB Stuttgart noch eng. Aber die Spatzen retten den Sieg ins Ziel. weiter lesen