Michael Kessler über seine Parodiesendung „Kessler ist . . .“

Er ist Deutschlands vielleicht wandlungsfähigster Komiker: Seit Jahren hält Michael Kessler Prominenten den Spiegel vor, seine Parodien wirken manchmal echter als das Original. Seine Reihe „Kessler ist…“ rückt jetzt vom Nischensender ZDFneo ins Hauptprogramm des ZDF. Ein Interview.

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Stunden sitzt Michael Kessler in der Maske, um sich zu wandeln.  Foto: 

Ihre Sendung „Kessler ist . . .“ rückt vom ZDFneo ins ZDF-Hauptprogramm. Sind Sie stolz?
MICHAEL KESSLER: Es freut mich natürlich sehr, dass das Mutterschiff ZDF das Format so schätzt. Ich habe einen seltenen Aufstieg geschafft, der außer mir glaube ich nur Herrn Böhmermann gelungen ist (lacht).

Sie verwandeln sich in jeder Folge in Prominente, diesmal in Gregor Gysi, Dunja Hayali, Hugo Egon Balder und Jürgen Drews.
KESSLER: Dass mit Gregor Gysi zum ersten Mal ein Politiker dabei ist, hat mich sehr gefreut. Es war schon immer mein Wunsch, mal in die Welt der großen Berliner Politik einzutauchen.

Welcher von den vieren ist Ihnen besonders schwer gefallen?
KESSLER: Das war Gysi. Bei einem Politiker wie ihm gibt es große Barrieren. Er ist ein Mann, der im Zentrum der Politik steht und ein grandioser Rhetoriker. Er weiß genau, was er sagt und was nicht, worüber er sprechen möchte und worüber nicht. An diesen Barrieren muss ich versuchen zu kratzen, aber das funktioniert auch – in einem bestimmten Maß. Ich habe mit Gysis Schwester und einer alten Freundin gesprochen, die ihn noch aus der Kindheit kennt. Von Freunden oder Familienmitgliedern erfahre ich ja teilweise Sachen, die der Prominente selbst nicht erzählen würde, das ist sehr reizvoll.

Sie tauchen tief in die Welt der Prominenten ein und imitieren sie im Finale jeder Folge frappierend ähnlich. Wie ist die Reaktion der Stars, wenn Sie ihnen gegenübertreten und genauso aussehen wie sie?KESSLER: Das ist sowohl für den Prominenten als auch für mich eine extrem aufregende Situation. Ich sitze an diesem Tag vier oder fünf Stunden in der Maske, dann kommt der Prominente in das Loft, wo wir drehen, und wenn ich dann den Raum betrete, sieht er mich das erste Mal. Die meisten lachen erst mal, weil sie natürlich auch aufgeregt sind. Dann gucken sie alle neugierig und mustern mich von oben bis unten – und dann sind sie gespannt, was passiert.

Fließen auch mal die Tränen?
KESSLER: Bei Horst Lichter und Götz Alsmann in früheren Folgen ist es passiert. Dass Herr Lichter sehr emotional ist, weiß man ja. Aber bei Götz Alsmann war ich überrascht – ich kenne ihn ein bisschen, und er ist eigentlich ein kontrollierter Typ. Aber hier war er doch gerührt.

Ist die Imitation leichter, wenn Sie jemanden sympathisch finden?
KESSLER: Ich finde es einfacher, wenn ich Abstand zu einem Menschen habe, wenn ich ihn persönlich nicht gut kenne. Generell versuche ich, neutral zu sein und das Bild, das ich von dem Prominenten habe, egal, ob ich ihn sympathisch finde oder nicht, beiseite zu legen. Ich habe nämlich gemerkt, dass die Bilder, die ich von jemanden habe, oft nicht stimmen.

Sind Frauen generell schwieriger für Sie?
KESSLER: Ja, das ist ein großer Unterschied für mich. Ich fühle mich in der Männerhaut natürlich wohler als in der Frauenhaut, weil diese mir fremd ist. Die Verwandlung in eine Frau ist auch maskentechnisch viel schwieriger herzustellen, außerdem ist die männliche Stimme einfach tiefer. Es ist ein sehr schmaler Grat zur Travestie, ich will ja nicht dass es wirkt wie in „Charleys Tante“, da muss man höllisch aufpassen. Trotzdem bin ich froh, dass wir auch Frauen machen, das ist ein großartiges Experiment – wie die gesamte Sendung.

Wie fänden Sie es eigentlich, wenn jemand Sie selbst so darstellen würde wie Sie Ihre Gäste in „Kessler ist . . .“?
KESSLER: Spannend. Wir Menschen brauchen doch andere in unserem Umfeld, die uns spiegeln, die uns auch mal sagen, wie wir sind. Ich stand mal mit Heino vor dem Spiegel und ich sagte ihm: „Sie verschränken immer die Arme hinter dem Rücken, wenn Sie irgendwo stehen.“ Diese Geste habe ich alle paar Minuten bei ihm beobachtet, und er wusste nichts davon, dabei ist er schon weit über 70.

Warum machen die Prominenten überhaupt bei diesem Experiment mit?
KESSLER: Das hat was mit Vertrauen zu tun, also auch mit meiner Person. Die Prominenten kennen das Format, sie wissen, es geht nicht darum, ein Geheimnis auszuplaudern oder sie bloßzustellen. Es ist natürlich auch eine tolle Plattform – in dieser halben Stunde kann sich der Prominente auch mal anders zeigen als sonst.

Also geht es auch um Eitelkeiten?
KESSLER: Natürlich ist Eitelkeit auch ein Thema. Warum sind Menschen denn überhaupt in diesen Berufen unterwegs? Das hat auch etwas mit der Suche nach Liebe und Bestätigung zu tun – oder damit, dass man sich selber toll findet.

Info Neue Folgen von „Kessler ist…“ gibt es von heute an, um 23.15 Uhr, im ZDF.

Einer der wandlungsfähigsten Komiker Deutschlands

Rollen Er ist Deutschlands vielleicht wandlungsfähigster Komiker: Seit Jahren hält Michael Kessler Prominenten in verschiedenen Rollen den Spiegel vor. DIe Parodien des 49-Jährigen wirken manchmal fast echter als das Original. Seine Reihe „Kessler ist …“ rückt jetzt vom Nischensender ZDFneo ins Hauptprogramm des ZDF.

Biografie Michael Kessler kam 1967 in Wiesbaden zur Welt. Er besuchte die Schauspielschule in Bochum und wurde 1992 mit der Kinokomödie „Manta, Manta“ bekannt. Seitdem ist er in Filmen wie „Er ist wieder da“ regelmäßig auf der Leinwand zu sehen, doch vor allem als Fernsehkomiker ist Kessler populär. Zu seinen bekanntesten Formaten gehören das Satire-Format „Switch reloaded“ und die Serie „Pastewka“. Michael Kessler, der auch als Theaterregisseur tätig ist, lebt in Köln. ski

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