Maskenmann bekommt lebenslänglich

Bei seinen Überfällen trug er stets eine Maske. Obwohl sie keine Beweise hatten, waren sich die Richter am gestrigen Freitag einig: Der Angeklagte ist der Täter.

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Vor dem Frankfurter Landgericht ist gestern der 47-jährige Mario K. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Auffassung der Strafkammer ist der gelernte Dachdecker der Maskenmann, der in Bad Saarow und Storkow zwei wohlhabende Familien überfallen hat.

"Wir sind zufrieden mit dem Urteil", erklären die Staatsanwälte Jochen Westphal und Dorina Dubrau wenige Minuten, nachdem der Angeklagte aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Ein Erfolg der Staatsanwaltschaft war bis zur letzten Minute ungewiss. Prozessbeobachter gingen in der Mehrzahl von einem Freispruch des Angeklagten aus.

Umso überraschender war es, dass sich der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs in seiner Urteilsbegründung sehr dicht an das Plädoyer der Ankläger anlehnte. "Alle Indizien mögen für sich betrachtet kein Gewicht haben. Aber sie addieren sich zu einer Gesamtschau", resümierte Fuchs.

Verteidiger Axel Weimann zeigte sich verärgert: "Nach diesem Urteil kann niemand gut schlafen." Mehr als ein Jahr hatten die Verteidiger keinen Versuch unterlassen, das Gericht von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen. In Hochform waren Weimann und sein Kollege Christian Lödden, als es um Zeugen ging, die den Angeklagten in der Nähe der Tatorte gesehen haben wollen. Durch ihre Fragen wurde offenbart, dass die Aussagen nicht sonderlich glaubwürdig waren. Bei der Strafkammer lösten die Auftritte der Zeugen jedoch keine Bedenken aus.

Für Rechtsanwalt Weimann hat die Strafkammer den Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" nicht berücksichtigt. Die Frage, ob die Verteidigung das Urteil anfechten werde, beantwortete Weimann mit einem knappen "selbstverständlich".

Kein Wort verlor der Vorsitzende Richter über die Pannen und Skandale bei der Polizei. Dort hatte es unter anderem Vorgaben gegeben, keine kritischen Fragen an das Entführungsopfer zu stellen. Die CDU-Fraktion im Landtag hatte deshalb einen Untersuchungsausschuss gefordert. Nach dem Urteil werden solch einem Gremium intern aber kaum noch Chancen eingeräumt.

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