Marcus von Anhalt will nicht aufgeben

Auch im Revisionsprozess ist Bordellchef Prinz von Anhalt wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Aufgeben will er aber dennoch nicht.

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Der Abgang geriet zum Abstieg: Erneut verurteilt zeigt sich der Adoptivprinz nach wie vor völlig uneinsichtig. In gebührendem Abstand seine Begleiterin.  Foto: 

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Bordellbetreiber Markus Eberhardt (49) alias Prinz Marcus von Anhalt wahrlich nicht. Zum wiederholten Mal wegen Steuerhinterziehung verurteilt, bezichtigte er gestern seine Richter in Augsburg, keine Ahnung vom Steuerrecht zu haben, und bot ihnen frech Nachhilfeunterricht an.

Gestern lautete das Urteil auf drei Jahre Haft, nachdem er in erster Instanz ein Jahr mehr aufgebrummt bekommen hatte. Das war aber auch den höchsten deutschen Strafrichtern am Bundesgerichtshof (BGH) zu viel, die zwar die Höhe der Strafe monierten, die Verurteilung selbst aber bestätigt haben.

Markus Eberhardt, der in Boulevard-Medien nur „Prinz Protz“ oder „Protzprinz“ genannt wird, will aber ungeachtet der Verurteilung von drei verschiedenen Gerichten einen Freispruch erzielen. In der ihm eigenen und dem Milieu angepassten Art demonstrierte er gestern in deutlichen Worten  Selbstbewusstsein: „Ich habe Geduld, ich habe die Eier, und ich habe vor allem das Geld dazu.“

Geld dürfte für ihn tatsächlich keine Rolle spielen. Nach eigenen Angaben hat er in den von ihm betriebenen Bordellen, Striptease-Läden und FKK-Safari-Clubs in den Jahren 2006 bis 2012 Einnahmen von  48 Millionen Euro erzielt. Da erscheinen die ihm vorgeworfenen 640.000 Euro an hinterzogenen Steuern geradezu lächerlich. „Geld spielt bei mir überhaupt keine Rolle“, untermauerte er seinen Willen, sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen.

In dem seit Jahren laufenden Verfahren geht es um Luxuslimousinen wie einen Rolls Royce Ghost, Ferrari, Mercedes McLaren, Maybach und verschiedene Fabrikate von Porsche. Eberhardt hat diese Fahrzeuge in den Jahren zwischen 2007 und 2011 allesamt als betriebsnotwendige Ausgaben von der Steuer abgesetzt, was sich auf einen Ausfall in Höhe von 640.000 Euro summiert.

Aus Eberhardts Sicht ist das völlig legal, weil jedes Bordell einen Rolls Royce gut sichtbar vor der Tür brauche. Am besten grell gestaltet und auffällig lackiert. Für ihn ist das kein Luxus, sondern unabdingbarer Bestandteil seines Erfolgs. Das Milieu folge eigenen Gesetzen, Luxuslimousinen bedeuteten Macht und Erfolg, die wiederum der beste Schutz vor der kriminellen Konkurrenz seien. Tatsächlich verzichtet Eberhardt auf Rocker als Türsteher oder anderweitige Sicherheitskräfte.

Diese Autos brauche er aber auch für die Selbstvermarktung seiner Person. Seit er sich für die geschätzte Summe von einer Million Euro die Adoption durch den Gatten der Zsa Zsa Gabor, Frédéric von Anhalt, erkaufte und sich huldvoll Prinz von Anhalt nennen lässt, gehören die Autos zum Geschäft. Mit einem Fiat 500 erziele er schließlich keine Öffentlichkeit.

Dass das Geschäft funktioniert, kann man ihm nicht absprechen. Erst kürzlich war er in „Promi Big Brother“ zu bestaunen, in dem sich Eberhardt mit anderen Semi-Promis wie Mario Basler,  Ben Tewaag oder Cathy Lugner präsentierte. Allein durch die Vermarktung der Figur Prinz von Anhalt auf Facebook will er 1,8 Millionen Euro eingenommen haben.

So sehr er sich auch bemüht, seinem Geschäftsgebaren im Rotlicht-Milieu einen seriösen Anstrich zu geben, das war nun das dritte Gericht, das die Sache anders bewertet. Die Vorsitzende Richterin sagte eindeutig, dass die Selbstvermarktung der Person keine betriebliche, sondern eine reine Privatsache sei. Auch der Hang zu teuren Limousinen folge vielmehr einem privaten statt einem betrieblichen Interesse.

Als besonders dreistes Beispiel nannte sie die Versteuerung eines Porsche 911, den seine damalige Lebensgefährtin gefahren hat. Offiziell war sie dem Finanzamt gegenüber als Geschäftsführerin genannt worden. Nachdem die Dame vor Gericht aber nicht einmal den Unterschied von Brutto und Netto erklären konnte, war diese Seifenblase auch geplatzt.

Für die Richter war die Frau nur zur Tarnung eingesetzt, um steuerliche Vorteile zu genießen. Die Fahrzeuge seien allesamt ganz überwiegend privat genutzt worden. Im Schuldspruch blieb die Kammer aber sechs Monate unter dem Antrag des Staatsanwaltes und ein ganzes Jahr unter dem ersten Urteil.

Der Bordellchef gab sich hernach unbeeindruckt. Er will erneut Revision einlegen und beschimpfte die Richter als weltfremd. Ganz irdisch hingegen war sein letztes Wort: „Zeit spielt keine Rolle, weil ich unsterblich bin.“

Rotlicht-Imperium

Gesellschaften Angeklagt waren im konkreten Fall nur Luxuslimousinen, die auf die Eberhardt Entertainment Enterprise GmbH (EEE) angemeldet waren. Die Gesellschaft mit Sitz im bayerischen Neu-Ulm betreibt drei FKK-Safari-Clubs in Neu-Ulm, Fellbach und in Pforzheim, dem Geburtsort Eberhardts. Darüber hinaus hat der Prinz die Werbe- und Beratungsgesellschaft F.A.M.E. mit Sitz in Ulm, die dort ein weiteres Bordell und Striptease-Laden betreibt. In einem Interview nannte Markus Eberhardt vor Jahren einmal die Zahl von 20 Bordellen, die zu seinem Rotlicht-Imperium gehörten, das in den Jahren 2006 bis 2012 Einnahmen von 48 Millionen Euro versteuert hat. In der Spitze sollen bis zu 1000 Prostituierte in den Häusern des Prinzen von Anhalt arbeiten. Er soll mehrere Villen im In- und Ausland besitzen und überwiegend in Frankfurt am Main wohnen. Eberhardt ist gelernter Metzger, wechselte aber schon früh in seinem Leben ins Milieu.

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