Mallorca bekommt Benimmregeln

Der "Ballermann" hat es vorgemacht. Jetzt folgt Magaluf. Um den Exzessen trinkfreudiger Touristen Einhalt zu gebieten, bekommt auch die britische Urlauber-Hochburg Mallorcas neue Benimmregeln. Ob's hilft?

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  • Gegen Magaluf sei der Ballermann harmlos, sagen manche. 1/2
    Gegen Magaluf sei der Ballermann harmlos, sagen manche. Foto: 
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    Will dem Treiben ein Ende setzen: Der Chef des Hotelverbandes, Sebastián Darder. Foto: 
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Jack rümpft die weiße Nase voller Sommersprossen. Der "Ballermann" ist für ihn "ein lahmer Spielplatz für Kinder". "War mal da, kannste vergessen. Richtig abgefeiert wird nur hier bei uns", tönt der junge Supermarkt-Angestellte aus London mit erhobenem Zeigefinger. Mit "bei uns" ist Magaluf gemeint.

Die vor allem unter Briten beliebte Urlauberhochburg hat dank krasser Trink-Eskapaden den "Ballermann" als berüchtigtste Partymeile der spanischen Insel abgelöst. Doch Politiker, Hoteliers und Einwohner wollen die Notbremse ziehen. Sie haben gemeinsam neue, strenge Benimmregeln erarbeitet, die heute inkraft treten.

Als "Freizeitpark für Hooligans" bezeichnete der Kolumnist Jorge Montojo Magaluf jüngst in der spanischen Zeitung "El Mundo". Nachbarn sprechen in Anlehnung an die der Sünde verfallenen Bibel-Städte von "Sodom und Gomorra".

Am ersten Juni-Wochenende ist es in der Straße Puerto Ballena, dem 600 Meter langen "Epizentrum" der wilden Feiern, auf jeden Fall wieder hoch her gegangen: Einige prügelten sich im Suff, andere liefen halb- oder ganz nackt grölend durch die Straßen. Das Pinkeln auf offener Straße gehört ebenso zum Normalbild wie die vielen Dutzend, die den Rausch auf Straßenbänken oder dem Bürgersteig ausschlafen.

Die kleine 4000-Einwohner-Gemeinde, die an der entgegengesetzten Seite der Bucht um die Inselhauptstadt Palma liegt, ist im vergangenen Jahr wegen eines Sex-Videos international in die Negativschlagzeilen geraten. Das im Internet verbreitete Filmchen zeigt eine junge Frau beim Oralsex mit mehreren Männern in einer Bar. In der Lokalpresse hieß es, in einigen Kneipen würden Oralsex-Wettbewerbe abgehalten, bei denen den Frauen Gratisgetränke in Aussicht gestellt würden.

"Wir sind es leid, dass wegen des schlimmen Verhaltens einer relativ kleinen Gruppe von Touristen unser aller Ruf ruiniert wird", sagte am Wochenende der Präsident des Hotelierverbandes von Palmanova und Magaluf, Sebastián Darder. Und der 58-Jährige fügt hinzu: Er sei sehr zuversichtlich, dass die am 21. Mai vom Gemeinderat von Calvià erlassenen Verordnungen dem "wilden Treiben" schnell ein Ende setzten.

Mit den Benimmregeln folgt man dem Beispiel von Palma, das im vorigen Jahr für die Gegend um den "Ballermann" Saufgelage unter freiem Himmel verboten hat. Künftig soll es in Magaluf zwischen 22 und 8 Uhr untersagt sein, im Freien Getränke zu sich zu nehmen. Zudem soll ab Mitternacht der Verkauf alkoholischer Getränke verboten werden. "Oben ohne" soll nur an der Playa oder in unmittelbarer Strandnähe geduldet werden.

Auch die Wirte werden jetzt in die Verantwortung genommen: Für organisierte Kneipentouren werden strenge Einschränkungen eingeführt. Und Lokalbesitzer müssen davon Abstand nehmen, "sexuelle Handlungen zu fördern", betont Darder.

Neben der Eindämmung der Trink- und anderer Exzesse will man auch das berüchtigte "Balconing" bekämpfen. Bei solchen Mutproben-Sprüngen oder -Stürzen von Hotel-Balkonen in den Pool sind 2014 sechs junge Leute gestorben, im Mai gab es das erste Todesopfer der neuen Saison zu beklagen. In einer ersten Phase werde es in Magaluf allerdings keine Geldstrafen, sondern nur Verwarnungen geben, heißt es.

Die meisten in Magaluf sind derweil skeptisch, dass die neuen Regeln greifen. Am "Ballermann" sei es ja auch nicht wirklich besser geworden, meinen nicht wenige. "Es wird leider alles beim Alten bleiben", sagt ein Polizist, der anonym bleiben möchte.

Tourist Jamie und Kumpel Kevin, die betonen, zwar gern Party zu machen, Prügeleien und andere Exzessen aber abzulehnen, denken genauso. "Wie will man so etwas wirklich durchsetzen? Da müsste schon die Armee hierherkommen", sagen die Mittzwanziger aus Schottland und Neuseeland unisono.

Darder hat jedoch einen Trumpf im Ärmel. Die Unruhestifter sollen nicht unbedingt erzogen werden, sie sollen vielmehr vertrieben werden - das lässt der Hotelpräsident durchblicken. Allein der große spanische Hotelkonzern, für den Darder arbeitet, hat in Magaluf in den letzten Jahren 120 Millionen Euro investiert, um das Niveau des Angebots zu erhöhen und zahlungskräftigere Besucher anzulocken.

Wenn alles teurer wird, so hofft man, werden sich Jamie, Jack und Kevin anderswo austoben müssen.

Fünf Fakten

Beliebt Mallorca ist die beliebteste Ferieninsel der Deutschen: Rund vier Millionen reisen jedes Jahr dorthin in den Urlaub.

Einwohner Die größte Baleareninsel hat 860.000 Einwohner, knapp die Hälfte lebt in der Hauptstadt Palma de Mallorca.

Natur Rund 40 Prozent der etwa 3600 Quadratkilometer großen Insel mit 550 Kilometern Küste stehen unter Naturschutz.

Berge Es gibt nicht nur schöne Strände und Buchten, sondern auch die Gebirgskette Sierra de Tramuntana mit mehr als 1000 Meter hohen Gipfeln. Am höchsten ist der Puig Major mit rund 1445 Metern.

Sprache Die Einheimischen sprechen Mallorquinisch, das ist ein Dialekt der katalanischen Sprache. Aber mit Deutsch oder Englisch kommt man gut zurecht.

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