Lust auf mehr

„Paarprobleme“ war unsere Telefonaktion überschrieben, das Hauptthema: Sex. Mal will er mehr, mal sie. Aber das Darüber-Reden fällt schwer.

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Körperliche Liebe – damit haben viele Paare ihre Schwierigkeiten.  Foto: 

Wenn ich mit meinem Partner schlafe, bin ich total verkrampft und habe Schmerzen. Körperlich ist alles in Ordnung, allerdings hatte ich früher eine Ess-Störung. Soll ich es mit Hypnose versuchen?

Wenn Sie einen Psychotherapeuten finden, der auch eine Hypnoseausbildung hat, spricht nichts dagegen. Möglicherweise hilft Ihnen aber auch eine andere Form der Psychotherapie, um Ihren Körper und Ihre Weiblichkeit positiv wahrzunehmen und herauszufinden, was Sie unter Druck setzt und woher Ihre Angst kommt. Auch Entspannungsübungen könnten hilfreich ein.

Mein Mann schläft nur noch selten mit mir, und wenn, dann hat er Potenzprobleme. Kann es sein, dass ich nicht mehr attraktiv für ihn bin?

Zunächst sollten Sie dringend mit ihm über die Situation reden und ihm sagen, was Sie bedrückt. Viele Männer vermeiden den Sex, wenn ihre Erektionsfähigkeit nachlässt, um die Partnerin und sich selbst nicht zu enttäuschen. Manche lassen sogar ihre Wut über sich selbst an der Frau aus. Beziehen Sie seinen „Rückzug“ nicht automatisch auf sich. Es ist normal, wenn die Erektion im Alter nachlässt. Wenn sich die Probleme nicht lösen lassen, können sie sich als Paar auch sexualtherapeutische Hilfe suchen.

Mein Mann ist 60 und hatte bereits einen Schlaganfall. Wir haben beide Lust aufeinander, aber seine Erektion ist sehr schwach.

Vielleicht können Sie ihm helfen, indem Sie ihn stärker und länger stimulieren, das Vorspiel ausdehnen oder den Sex in die Morgenstunden legen, wenn die Erektion stärker ist. Wenn Ihr Mann wegen seiner Vorerkrankung mit Potenzmitteln vorsichtig sein muss, könnte auch eine so genannte SKAT-Therapie helfen, dabei wird mit einer feinen Nadel ein Medikament in den Penis gespritzt. Auf jeden Fall sollte er körperliche Ursachen vom Urologen abklären lassen. Auch Übergewicht, zu viel Alkohol, mangelnde Bewegung und Herzprobleme können an der erektilen Dysfunktion beteiligt sein.

Ich habe keine Lust mehr auf Sex. Mein Frauenarzt hat meine Hormone bestimmt – alles okay. Ich bin 34, wir haben Kinder, sind selbstständig und meist unter Zeitdruck.

Sie sind in einer Phase, die viele durchmachen, man nennt sie auch die Gründerzeit. Sex steht jetzt nicht im Vordergrund. Die Kinder müssen versorgt werden, im Beruf geht es rund. Das ist normal. Sie sollten allerdings aufpassen, dass Sie selbst dabei nicht unter die Räder kommen. Nehmen Sie sich trotz allem immer wieder gezielt eine kleine Auszeit für sich und auch als Paar. Machen Sie einen Tanzkurs oder unternehmen Sie etwas, das Ihnen beiden Spaß macht. Es kommen auch wieder andere Zeiten.

Ich bin 19 und habe eine Freundin. In letzter Zeit verspüre ich immer wieder die Lust, es mal mit einem Mann auszuprobieren. Soll ich das meiner Freundin sagen?

Sie sind sich über ihre sexuelle Orientierung nicht sicher. Also müssen Sie dies erst einmal für sich selbst klären und erfahren. Lassen Sie sich dabei nicht von irgendwelchen Moralvorstellungen leiten. Mit Ihrer Freundin können Sie dann reden, wenn Sie sich über Ihre Gefühle im Klaren sind.

 Wir sind beide Mitte 30 und mein Partner kommt immer vorzeitig. Er meidet es jetzt schon fast, vaginal mit mir zu verkehren, aus Angst vor meinem Frust. Was können wir tun?

Ihr Partner sollte zunächst zu einem Männerarzt beziehungsweise Urologen gehen und seine Probleme schildern. Hat sein vorzeitiger Samenerguss keine körperlichen Ursachen, stecken möglicherweise Leistungsdruck oder psychische Probleme dahinter, die aber in der Regel sexualtherapeutisch behandelt werden können.

Ich habe immer eine sehr trockene Scheide und Probleme beim Sex.

Versuchen Sie es mit Scheidenzäpfchen oder verwenden Sie schon beim Vorspiel Babyöl. Das ist angenehm warm und trocknet nicht so schnell aus.

Mein Mann ist Alkoholiker, hat bereits erfolglos einen Entzug hinter sich. Ich werde so wütend, wenn er trinkt. Unsere Beziehung geht kaputt. Ich mache das seit neun Jahren mit, mir gehen die Kräfte aus. Wo können wir möglichst schnell Hilfe bekommen?

Da das Suchtproblem in Ihrer Beziehung ganz wesentlich ist, würde ich Ihnen raten, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Wenn Sie und Ihr Mann nicht zeitnah einen Termin bekommen, bleiben Sie dennoch am Ball und schildern Sie Ihr Problem schon am Telefon. Ein Erstgespräch sollten Sie dann innerhalb von sechs bis acht Wochen bekommen. Für Sie könnte es auch hilfreich sein, sich eine Selbsthilfegruppe für Angehörige Suchtkranker zu suchen, um sich mit anderen auszutauschen.

 Wir sind zehn Jahre zusammen, ich bin 31. Mein Freund will mehr Sex und Dinge, die ich ihm nicht geben kann. Für mich wäre eine Paartherapie der letzte Versuch, unsere Beziehung zu retten. Er will das nicht.

Reden Sie offen mit Ihrem Partner: Welche Wünsche hat er? Welche Wünsche haben Sie? Wo sind Ihre Grenzen? Gibt es einen Kompromiss? Wenn ein solches Gespräch nicht weiter führt, könnte eine Beratung tatsächlich helfen. Versuchen Sie ihm klarzumachen, dass sich dies lohnt, der Sex hinterher mehr Spaß machen könnte und er keine Angst haben muss, dass in der Beratung oder Therapie irgendetwas gegen seinen Willen geschieht.

Ich bin 68, meine Frau 60, wir sind seit 40 Jahren verheiratet. Ich habe keine Potenzprobleme, aber seit zehn Jahren läuft bei uns nur noch selten etwas. Darüber zu reden ist schwierig. Sie sagt nur: „Sex ist doch nicht alles.“ Ich möchte aber gerne mehr. Wir sind eine glückliche Familie, aber ich trage das die ganze Zeit mit mir herum.

Das Erleben von Lust und die Begierde verändern sich mit den Jahren. Oft tritt der Wunsch nach Nähe und Zärtlichkeit mehr in den Vordergrund. Ganz wichtig ist es, die Situation anzusprechen. Fragen Sie Ihre Frau direkt: „Wie erlebst Du das?“  Das erfordert Mut und Offenheit, aber sie können beide nur gewinnen. Wenn Sie nicht weiterkommen, können Sie sich auch an eine Paarberatungsstelle wenden.

 Wir sind 60, hatten immer normalen Sex. Jetzt will sie plötzlich keine vaginale Penetration mehr, sondern nur noch ihre sehr derben Phantasien ausleben. Ist das normal?

Wenn beide damit klarkommen, ist sehr viel normal. Das ist allein Ihre Entscheidung. Wenn Sie nicht damit klarkommen, müssen Sie das thematisieren und vielleicht einen Kompromiss aushandeln. Auf jeden Fall sollten Sie Ihrer Frau mitteilen, welche Wünsche und Grenzen Sie haben.

Wir sind um die 60 und schon lange verheiratet. Wenn wir weggehen, schaut er sich ständig nach anderen Frauen um, obwohl ich attraktiv bin und er mir das auch immer wieder sagt. Das ist so, seit er einen lebensbedrohlichen Unfall hatte.

Es kann tatsächlich sein, dass der Unfall und sein Verhalten zusammenhängen, dass sich Ihr Mann sozusagen seine Lebendigkeit bestätigen muss, sich ständig testen, ob er noch beachtet wird. Wenn Sie gekränkt und eifersüchtig sind, sollten Sie ihm das auf jeden Fall sagen. Auch eine Beratung könnte hilfreich sein.

 Wir sind seit 48 Jahren verheiratet und meine Frau gängelt mich ständig. Ich weiß, sie meint es gut, aber ich will nicht permanent bemuttert und bevormundet werden.

Sprechen Sie Ihr Problem ganz offen und deutlich an und versuchen Sie, Ihrer Frau klarzumachen, wie Sie sich fühlen. Vielleicht schaffen Sie es, humorvoller miteinander umzugehen. Wenn Ihre Frau Ihnen mal wieder etwas vorschreibt, könnten Sie beispielsweise sagen: „Aha, Mutti rät …“

Beratung und Hilfe

Ansprechpartner Träger wie die Caritas oder die Diakonie bieten eine Lebens- oder Paarberatung an. Niedergelassene Psychotherapeuten oder Ärzte haben sich teilweise auf Paar- und Sexualtherapie spezialisiert. Auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es eine Suchmaschine für Ärzte und Therapeuten (www.kvbawue.de). Auch die Ambulanzen psychosomatischer und psychiatrischer Kliniken können im Ernstfall weiterhelfen. Oftmals ist es hilfreich, zunächst mit dem Haus- oder Frauenarzt zu sprechen oder bei der Krankenkasse nach Adressen zu fragen.

Experten Bei der Telefonaktion dabei waren Dr. Regine Breier, in Ulm niedergelassene Gynäkologin, Paar- und Sexualtherapeutin, Dr. Sabine Hahn, Oberärztin an der Uni-Frauenklinik Tübingen (Fachbereich Urogynäkologie und Sexualmedizin), sowie Prof. Jörn von Wietersheim, Leitender Psychologe und Paartherapeut an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uniklinikums Ulm. ih

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