Das Leben im Gefängnis: „Nichtstun, jahrzehntelang“

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    Mit zahlreichen Briefen hat Jens Söring über die Jahre hinweg Kontakt zur Außenwelt gehalten – auch mit unserer Autorin. Foto: 
  • Jens Söring 2017.  
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    Jens Söring 2017. Foto: 
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Im Interview mit Caroline Strang hat sich Jens Söring auch zu seinem Leben im Gefängnis geäußert. Einige Auszüge:

„Ich bin in einem Gefängnis mit knapp 1200 Mann, das vor 35 Jahren ausgelegt war für 600 Mann. Es ist also doppelt belegt, alle Zellen waren als Einzelzellen geplant und haben jetzt zwei Mann drin. Um Viertel vor sechs kommen die Wächter hier rein, blasen in die Trillerpfeifen und zählen uns. Um 6.30 Uhr werden wir aus den Zellen rausgelassen in einen Gemeinschaftssaal. Dann gibt’s Frühstück und von 8.30 bis 10.30 kann man auf den Sportplatz gehen. Dann wird von 11 bis 12 Uhr wieder gezählt. Um 12 lassen sie uns wieder raus, dann gibt’s Mittagessen. Dann geht es von 14 bis 15.30 Uhr wieder auf den Sportplatz. Dann gibt’s Abendessen. Und Viertel vor sechs werden wir wieder eingeschlossen und gezählt. Um 6.30 Uhr kommen wir wieder raus. Zu tun gibt es nichts. Es gibt ja keine Resozialisierungsprogramme hier. Das Leben der Insassen dreht sich fast ausschließlich um den Sportplatz, das mache ich vor allem, Karten spielen, Fernsehen schauen. Ja. Nichtstun. Jahrzehntelang.“

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„Das Essen ist grausam schlecht. Anfang der 2000er Jahre kam eine große Sparwelle. Jeder Teller darf nicht mehr als 70 Cent kosten. Die meisten Teller kosten weniger. Orangen habe ich vor zwei Jahren das letzte Mal gesehen. Bohnen gibt es zweimal im Jahr. Da herrscht dann große Aufregung. Erbsen hab ich seit fast zehn Jahren nicht mehr gegessen. Es gibt vor allem Kartoffeln, Brot oder Nudeln. Das gibt’s andauernd. Es gibt riesige Fabriken, in denen Produkte aus Huhn für die Menschen hergestellt werden. Wir sind Untermenschen. Da bleibt viel übrig. Haut, Knochen und was auf den Fußboden fällt. Das wird durch den Wolf gedreht. Daraus entsteht eine graue Paste, die in großen Blöcken an Strafvollzugsanstalten verkauft wird. Das nennt sich „machine seperated chicken“, wir nennen das „Meat Rock“ - Fleischfels. Wir bekommen das in verschiedener Form mindestens zweimal am Tag. Es ist Fleischersatz. Es hat überhaupt keinen Geschmack, und für Gewürze gibt es kein Geld.

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„Gewalt ist Teil des Gefängnislebens. Ich habe es geschafft, mich da rauszuhalten. Das liegt auch daran, das ich viel Sport treibe und sehr fit bin. Die Haie suchen sich immer die Schwächsten aus als Opfer und nicht die vergleichsweise Starken. Das schützt mich ein bisschen. Aber wenn man hier im Gefängnis schwach oder weich ist – und vor allem weiß, ist man schnell ein Opfer. Weiße sind hier in der Minderheit, ein Drittel vielleicht. Das ist eine seltsame Sache. Die Vereinigten Staaten sind ja eine ziemlich rassistische Gesellschaft. Innerhalb der Gefängnismauern ist es genau andersrum. Da ist es für Weiße genauso schwer wie für Schwarze außerhalb.“

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„Glücklicherweise bekomme ich von meinen Unterstützern Geld überwiesen. Ich kann sauteure Vitamintabletten und Fischölpillen kaufen, um den Cholesterinspiegel zu senken. Und Calciumtabletten. Und ich kann im Knastladen einkaufen. Da kaufe ich mir Erdnussbutter, Brötchen und Thunfisch. Von dem, was im Speisesaal serviert wird, esse ich kaum noch etwas.“

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„Ich habe in 31 Jahren drei Menschen getroffen, die ich als echte Freunde bezeichnen könnte. Einen in den 90er Jahren und zwei in den 2000ern. Aber seit meiner Verlegung in dieses Gefängnis, das war Ende 2009, hatte ich keinen Freund, keinen Menschen, mit dem ich mich richtig austauschen kann. Ja. Das ist eben so. Das ist ein sehr einsames Leben.“

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