Kulinarischer Botschafter

Israel hat einen neuen "Masterchef": Der deutsche Tom Franz hat sich über Wochen hinweg in die Herzen der Israelis gekocht. Sein Erfolgsrezept: koscher mit einer Prise Hausmannskost aus der Heimat.

|
Der Deutsche Tom Franz in seiner Küche in Tel Aviv. Dort hat der leidenschaftliche Koch als Teilnehmer der Kochshow "Masterchef" geübt. Foto: Haim Afriat

Konzentriert lässt Tom Franz das Sabich auf der Zunge zergehen. Dann nickt er anerkennend. Das Gericht aus gebratenen Auberginen mit Kartoffeln und Eiern sowie Salat und Sesamsoße gehört zum typischen, israelischen Fastfood. Üblicherweise wird es auf der Straße in einem Fladenbrot gegessen. Aber Tom Franz bekommt es auf einem Teller serviert.

Der hochgewachsene Deutsche ist an diesem Nachmittag Jurymitglied bei einem internen Kochwettbewerb einer Hotelkette in Israel und muss zusammen mit fünf Testern 22 Gerichte beurteilen.

Ein Rollentausch, denn bis vor kurzem hat der 39-Jährige aus Erftstadt bei Köln noch selber um die Wette gekocht. Er war einer von 14 Teilnehmern der israelischen Version der Kochshow "Masterchef" - und gewann: Mit Rumpsteak an Paprikapaste, Auberginenmus, frittierten Kartoffeln und gegrillten Tomaten. Seitdem ist im Leben des Bankkaufmanns und studierten Juristen nichts mehr wie es vorher war.

Statt im Büro zu sitzen, macht er Fotoshootings für kulinarische Magazine, er bekommt täglich zig ernstzunehmende sowie ebenso viele überflüssige Angebote für seine berufliche Zukunft. Er beantwortet per Twitter Fragen von Fans und lotet nun eben auch als frisch erkorener Kochexperte die besten Kreationen von Hotelköchen aus.

An seine neue Rolle als Promi müsse er sich erst noch gewöhnen, sagt er. "Es ist schon komisch. Ich bin derselbe geblieben, aber meine Umgebung reagiert völlig anders."

Was vor wenigen Wochen in einem Fernsehstudio bei Jerusalem vor sich ging, könnte man zunächst ohne weiteres in die Kategorie "erfolgreicher Quotenfang" stecken. Bei der Rezeptur der Kochshow hat es an nichts gefehlt: Schicksale, Tränen, Enttäuschung, Freude, Ehrgeiz und Großmut. Elf Kandidaten mussten gehen, nach 20 Folgen blieben drei übrig. In einer Zusammensetzung, die sich einfach keiner ausgedacht haben kann: Zum einen war da die pummelige, orthodox-jüdische Jackie Azulai mit ihrer blonden Langhaar-Perücke, die meist tränenüberströmt mit Gottes Beistand kochte. Dann die zierliche, nervöse Salma Fiyoumi, eine arabisch-stämmige, muslimische Israelin mit Kopftuch - und der blonde, Pferdeschwanz tragende Hüne Tom Franz aus Deutschland. Ein Finale vom Feinsten, das dem Sender eine Einschaltquote von mehr als 50 Prozent bescherte.

Von Beginn an war die Jury, bestehend aus vier bekannten Chefs, begeistert von Franz" Genauigkeit beim Kochen und seiner Kunst, die Speisen zu präsentieren. Zudem kochte der zum Judentum konvertierte Franz koscher, was das millionenfache Publikum erst erstaunte, dann aber in Bewunderung versetzte. Den Gesetzen der koscheren Küche folgend - Milchprodukte und Fleisch gehören nicht zusammen - kombinierte der leidenschaftliche Koch deutsche Hausmannskost wie Kartoffelpuffer und Apfelkompott, ein Huhn Supreme aus der Eifel mit der mediterranen Küche Israels.

Völkerverständigung, die durch den Magen geht. Der sympathische Deutsche ist in aller Munde. Selbst die beiden Oberrabbiner hätten sich bei ihm bedankt, sagt er. Dass Franz beim Schneiden von Zwiebeln zum Botschafter Deutschlands in Israel geworden ist, freut ihn besonders - auch wegen seines eigenen Lebensweges. "Es hat lange gedauert, hier akzeptiert zu werden." Zu seiner beruflichen Zukunft hat er noch keine Entscheidung getroffen. Natürlich hängt er den Beruf als Rechtsberater an den Nagel und will künftig kochen: "Die Kochshow war die ideale Einstiegschance meinen Traum zu verwirklichen."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Teva streicht weltweit 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. In Deutschland hat der Konzern 2900 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ulm. weiter lesen