Kranke Haustiere als Belastung

Dass die Pflege eines schwerkranken Angehörigen belastend ist, versteht jeder. Aber auch die Betreuung eines kranken Haustieres kann zur Belastungsprobe werden.

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In menschlicher Obhut kann eine Katze über 20 Jahre alt werden.  Foto: 

Die Pflege eines schwerkranken Haustieres kann Stress, Angst und Depressionen nach sich ziehen. Das schlussfolgern US-Forscher nach einer Befragung von Hunde- und Katzenbesitzern. Ihre Ergebnisse seien vor allem für Tierärzte von Bedeutung, die mit der Gefühlswelt der Haustierhalter unmittelbar konfrontiert seien, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Veterinary Record“. Ein besseres Verständnis könne den Tierärzten helfen, Wut oder Verzweiflung besser auszuhalten und Tierhalter wenn nötig auch auf Hilfsangebote hinzuweisen.

Einige Fragen der Untersuchung zielten darauf ab, die Belastung der Teilnehmer zu ermitteln: „Sind Sie ungehalten, wenn Ihr Tier um sie herum ist?“ oder: „Glauben Sie, dass Sie nicht genug Zeit für sich haben, weil Sie Ihrem Tier so viel Zeit widmen müssen?“ Außerdem wollten die Wissenschaftler wissen, ob und wie stark die Haustierbesitzer an Stress, Depressionen oder Angstgefühlen litten und wie sie ihre Lebensqualität und die Nähe zu ihrem Tier einschätzten.

Die Auswertung der Angaben zeigte, dass die Besitzer schwerkranker Haustiere in allen abgefragten Aspekten schlechter abschnitten als die Besitzer gesunder Tiere. Sie fühlten sich gestresst, stark belastet oder zeigten Anzeichen einer Depression. Die Beschwerden der Haustierbesitzer ähnelten damit denen von Menschen, die schwerkranke Angehörige pflegen.

Mehr Arbeit für Veterinäre

Für Tierärzte sei es wichtig, die extreme Belastung der Haustierhalter zu kennen, um deren Wut, Trauer oder Enttäuschung besser zu verstehen und sich so letztlich auch selbst zu schützen. Es sei etwa denkbar, dass gestresste Tierbesitzer häufiger als nötig in die Praxis kämen und sie damit auch die Arbeitsbelastung der Veterinäre erhöhten. Die größten Stressfaktoren und die schwierigsten Momente für Tierärzte hätten oft weniger mit den Tieren selbst zu tun als mit den Besitzern, kommentiert Tierärztin Katherine Goldberg, die sich mit palliativer Tierpflege beschäftigt, die Studie.

Tierärzte müssten beispielsweise darin geschult werden, die Behandlungsmöglichkeiten für kranke Tiere auf die persönliche Situation der Tierhalter zuzuschneiden. Anstatt eine bestimmte Behandlung zu verordnen beziehungsweise vorzuschlagen, müssten sie mit den Tierhaltern darüber sprechen, was machbar ist. Also etwa wie oft und welche Behandlungen sie zu Hause durchführen können.

Psychologische Betreuung der Tierhalter gehöre allerdings nicht zu den Aufgaben von Tierärzten. Stellten sie eine hohe emotionale Belastung fest, könnten sie aber womöglich den Kontakt zu Fachleuten vermitteln.

Die Forscher von der Kent State University (US-Staat Ohio) hatten auf Social-Media-Kanälen Haustierbesitzer gebeten, Fragebögen auszufüllen. Von den ursprünglich 600 Interessenten blieben 238 übrig, die den Forschern zufolge vergleichbare Kriterien erfüllten. Sie alle kümmerten sich um einen Hund oder eine Katze. Die eine Hälfte hatte ein gesundes Tier, die andere Hälfte ein chronisch- oder sterbenskrankes. dpa

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