Knut, unvergessen

Millionen Menschen im Zoo Berlin und in der ganzen Welt erfreuten sich an Eisbär-Liebling Knut. Heute vor einem Jahr starb er. Das Phänomen Knut lebte gestern am Bärenfelsen wieder auf.

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Die Trauer nach Knuts Tod war und ist groß. Viele Fans kamen gestern zum Bärenfelsen - auch um Souvenirs zu kaufen, darunter eine Gedenkmünze. Fotos: dpa

Für die wahren Knut-Fans ist und bleibt der berühmteste Eisbär der Welt unsterblich. Gestern - einen Tag vor dem Todestag des Publikumslieblings im Zoologischen Garten Berlin - war Zeit für große Gefühle. Stille Umarmungen, Wangenküsse und Tränen am Bärenfelsen, auf dem Knut starb.

Der Eisbär döste am 19. März 2011 im Sonnenschein, doch der Idylle folgte binnen Sekunden das Drama. Vor hunderten Besuchern am Bärenfelsen zuckte der Bär urplötzlich hoch, drehte sich im Kreis, schien zu tanzen. Einige der Fans lachten, andere begriffen schneller und begannen zu schreien. Denn das an einer Virusinfektion im Gehirn tödlich erkrankte Tier taumelte hilflos herum, stürzte ins Wasser und ertrank.

Die schrecklichen Bilder von damal lassen viele Fans bis heute nicht los, schließlich wurde der Publikumsliebling zu Lebzeiten von mehr als elf Millionen Menschen besucht.

"In unseren Gedanken und Herzen wird er immer weiterleben", sagt eine aus Wuppertal eigens zum Knut-Gedenken nach Berlin gekommene Tierfreundin. Eine Besucherin legt eine langstielige weiße Rose nieder und weint. Wie schon zum symbolischen fünften Geburtstag Anfang Dezember kamen mehrere hundert Menschen.

Es liegt eine merkwürdig geteilte Stimmung in der Luft. In die Stille der Erinnerung platzt immer wieder kräftiges Lachen. In Gruppen erzählen sich die Knut-Fans im Sonnenschein - es ist wieder so schön frühlingsmild wie am Todestag - ihre lustigen Erlebnisse mit dem kleinen putzigen Knuddel-Eisbär. Und sie zeigen sich in den Displays ihrer Kameras Fotos aus der "Knut-Show": Knut nuckelt an der Hand seines Ziehvaters Thomas Dörflein, der ihm mit seiner Handaufzucht das Leben gerettet hatte, Knut kämpft mit einem zerknautschten Fußball, Knut schlägt Purzelbäume auf seiner grünen Filzdecke.

Doch dann wird es schroff und laut am Bärenfelsen: "Mach" das sofort weg", schreit ein Mann auf einen Besucher ein. "Das will hier keiner sehen", geht es weiter. Der Attackierte klappt erschrocken seine Kamera zu, er hatte zum falschen Zeitpunkt an diesem Ort Bilder vom Todeskampf des Eisbären zeigen wollen. Die Menschen, die an diesem Tag zum Bärenfelsen gekommen sind, wollen die schönen Erinnerungen bewahren. Am Souvenirstand gehen die Hochglanzbilder des kleinen Knut sowie Vollmilch- und Zartbitterschokolade mit dem Knut-Motiv auf der Packung glänzend weg. Zum Erinnerungskult am Stand gehört auch die Knut-Gedenkmünze in Spiegelglanz und aus versilbertem Kupfer im Wert von 12 Euro. Das Motiv "Knut - Der Träumer" zeigt den kleinen Knut entspannt auf einem weißen Granitfelsen. Jeweils zwei Euro pro Exemplar sollen als Spende dem Zoo und Tierpark Friedrichfelde zugute kommen.

Zeitweise sah es vor dem Wochenende so aus, als wollte Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz den Verkaufsstand verhindern. Dem als knorrig bekannten Zoo-Chef war der Hype um Knut in den Medien nie ganz geheuer. Auch die zu erwartende Berichterstattung - etwa rührselige Bilder vom Knut-Treffen in der RBB-Abendschau - schien nicht erwünscht. Später hieß es: Alles nur ein Missverständnis, alle Drehgenehmigungen wurden erteilt. "Jetzt ist alles in Ordnung", sagte Thomas Ziolko vom Zoo-Förderverein und breitet die Gedenkmünzen zum Verkauf aus. Von der Zoo-Führung lässt sich niemand sehen.

Die Geschäftigkeit am Felsen stößt auch bei einigen Knut-Fans auf Ablehnung. "Selbst im Tod verdienen sie noch an ihm", sagt empört ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will. "Sonst bekomme ich noch Zoo-Verbot."

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