Kita-Leiterin empfiehlt: Ein Geschenk genügt

Ist Ostern ein Geschenkefest? Ja, sagt Regina Witte, Kita-Leiterin und „Spiel gut“-Expertin. Sie versucht, Kindern den religiösen Hintergrund des Festes zu vermitteln – und der Osterhase darf auch vorbeischauen.

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Frau Witte, an Ostern gibt es nun mal Geschenke für Kinder. Was ist zu viel, was zu wenig?REGINA WITTE: Ein Geschenk wird einmal gesucht. Das ist Ostern.

Ein Geschenk? Ist das nicht unrealistisch bei Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln, die alle sehen wollen, wie sich das Kind über ihr Geschenk freut?
WITTE: Nein. Gerade eine große Familie kann sich ja zusammentun und etwas Großes schenken. Etwa ein Trampolin oder ein Kettcar. Da ist man gleich mit 300 Euro dabei. Wenn eine Familie darauf besteht, dass so viel Geld ausgegeben werden muss, dann gibt es da zahlreiche Möglichkeiten. Und Kinder fragen nicht nach dem Preis. Ob etwas sehr günstig war oder sehr teuer, das ist den meisten egal.

Warum beharren Sie so darauf, dass es nur ein Geschenk sein soll?
WITTE: Weil Kinder von vielen Geschenken überfordert sind. Weil sie viele Geschenke nicht zu schätzen wissen. Eine meiner Nichten hat, als sie ein Kind war, zu Ostern unheimlich viele Geschenke bekommen und am Ende gefragt: ,War das alles?’ So sollte Ostern nicht sein. Mir fällt bei unseren Kindergartenkindern immer mehr auf, dass Dinge nicht mehr so geachtet werden. Wenn etwas kaputt oder verloren geht, dann sagen viele Kinder, dass ihnen die Mama wieder etwas Neues kaufen wird.

Was ist nun ein gutes Geschenk zum Osterfest?
WITTE: Ein Spielzeug für draußen. Da gibt es so schöne Dinge für Kinder von 6 Monaten bis 18 Jahren. Das kann ein Fahrrad sein. Ich bekam mein erstes Rad auch an Ostern, das weiß ich noch wie heute. Ein Ostergeschenk muss nicht so viel kosten. Spielzeuge, die Kinder zur Bewegung anregen und Spaß bringen, können etwa Dosenstelzen sein, ein Hüpfseil, Spielhäuser, Wasser-Spielstraßen oder Straßenmalkreiden. Das sind alles tolle Dinge, mit denen sich Kinder ewig beschäftigen können. Man kann Kinder auch glücklich machen, ohne dass man viel Geld ausgibt. Wenn die Eltern einen schönen Waldspaziergang machen und nicht nur im Auto irgendwo hin unterwegs sind, könnte es ein schönes Osterfest für die Kinder werden.

Was gehört für Sie nicht ins Osternest?
WITTE: Geld hat darin nichts zu suchen. Manche Eltern denken praktisch und schenken Bekleidung für die nächste Saison, wie Sandalen und T-Shirts. Kinder empfinden etwas zum Anziehen meistens nicht als Geschenk.

Und was ist mit Süßem?
WITTE: Wenn es nach mir ginge, dann würde es das nicht geben. Wir im Kindergarten sind mit recht streng. Süßes gibt es selten und wenn, ist es etwas Besonderes. Viele Mütter bringen mir nach Ostern die Osterhasen vorbei, weil sie von den Kindern daheim nicht gegessen werden. Wir backen dann hier im Kindergarten mit der Schokolade etwas leckeres.

Wie vermitteln Sie das Osterfest im Kindergarten?
WITTE: Ich bestehe darauf, dass Kinder wissen, dass wir nicht Ostern feiern, weil da der Osterhase kommt. Das Fest hat einen religiösen Hintergrund, darauf arbeiten wir hin. Jesus ist nach seinem Tode auferstanden, das ist die Freude am Osterfest. Damit beschäftigen wir uns aber schon in den Wochen vor Palmsonntag. Da reden wir über den Kreuzweg, an Palmsonntag laden wir die Kinder mit den Eltern in unsere Stadtkirche ein. Kinder kann man damit begeistern.

Hat der Osterhase da auch noch Platz?
WITTE: Natürlich, den können wir nicht hinten runterfallen lassen. Wir erklären den Kindern, dass die Natur wieder erwacht, dass Hühner wieder Eier legen. Man kommt zusammen und feiert ein Fest: Ostern.

Das Schöne am Osterfest ist doch das Suchen. Dürfen die Kinder in Ihrer Kita ein Osternest suchen?
WITTE: Natürlich. An Gründonnerstag gehen wir alle in den Wald, dort hat der Osterhase Nester versteckt. Die Kinder schwärmen aus und suchen wie wild. Ins gefundene Nest dürfen sie aber nicht reingucken. Das müssen sie sich aufheben bis zum Ostersonntag. Auch das gehört zu Ostern: etwas aushalten können.

Was gehört für Sie noch zum Osterfest?
WITTE: Ein geweihtes Bisquitlamm, gebacken von meinen Nichten. Und ein schönes Osterfrühstück gemeinsam mit der Familie.

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