Kinder brauchen Kuschelzeiten

Feinfühlige Erzieherinnen, Kontakt zu Gleichaltrigen und ein gutes Bauchgefühl: Elternberaterin Gertrud Menz über die Wahl der Kleinkind-Betreuung.

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Sprechen Sie mit Eltern über das Thema Kleinkind-Betreuung?

GERTRUD MENZ: Immer häufiger. Die Eltern sind oft verunsichert, ob es für ihr Kind förderlich ist, wenn sie es so früh abgeben. Viele Mütter leiden unter dieser Trennung.

Was geben Sie für einen Rat?

MENZ: Ich frage nach, warum die Mutter das Kind in Betreuung geben möchte, um die Situation zu verstehen. Oft brauchen die Familien das zweite Gehalt, oder die Mutter fühlt sich zuhause isoliert und möchte wieder arbeiten, weil sie viel in ihre Ausbildung investiert hat. Insgesamt glaube ich, dass ein Mittelweg wichtig ist. Dem Kind muss es gut gehen und der Mutter auch, nur dann können sie in Beziehung zueinander treten und sich gemeinsam weiterentwickeln.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Betreuungsform achten?

MENZ: Die Mutter sollte nach ihrem Bauchgefühl gehen. Von Bedeutung ist auch, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Habe ich schon durch die Bring- und Abholzeiten viel Stress? Wie sind die Räume? Ist die Einrichtung kindgerecht? Gibt es einen Garten? Wie viel Kinder werden betreut? Hat mein Kind Kontakt zu anderen?

Gefährdet man die Bindung zu seinem Kind, wenn man es mit einem Jahr regelmäßig in Betreuung gibt?

MENZ: Grundvoraussetzung ist, dass das Kind im ersten Lebensjahr viele positive Bindungserfahrungen gemacht hat. Das heißt, es weiß, dass es sich auf die Mutter verlassen kann, sie gibt ihm Sicherheit. Wenn ein Kind das erfahren hat, kann es kurzfristige Trennungen verkraften.

Was meinen Sie mit kurzfristig?

MENZ: Je jünger das Kind, umso kürzer sollte Fremdbetreuung sein. Ganz wichtig ist, dass Eltern die verbleibende Zeit intensiv nutzen, sich auf es einlassen, mit ihm spielen, Kuschelzeiten einrichten. Wenn die Mutter gestresst ist, kann sie mit dem Kind nicht in Bindung gehen.

Welche Bedingungen sollten in der Betreuung unbedingt erfüllt sein?

MENZ: Das Kind braucht eine feste Bezugsperson mit bestimmten Qualitäten in der Krippe. Sie sollte ihm mit Achtsamkeit, Würde und Respekt begegnen und eine gewisse Feinfühligkeit haben. Sie muss das Kind in seinen Verhaltensweisen verstehen und prompt darauf reagieren. Um feinfühlig sein zu können braucht man viel Zeit und genug Personal. Dann gewinnt das Kind das Urvertrauen, die Sicherheit, auf diese Person kann ich mich verlassen.

Wie merkt man, dass es dem Kind in der Betreuung nicht gut geht?

MENZ: Kinder zeigen ihren Stress sehr stark über ihren Körper. Die körperliche Anspannung nimmt zu. Viele Kinder können nicht mehr so gut einschlafen oder durchschlafen, manche verweigern das Essen. Zudem verändert sich ihre Grundstimmung. Das Kind wird insgesamt unruhiger, nörgelt mehr und zeigt eine latente Unzufriedenheit.

Welche Vorteile hat die Betreuung?

MENZ: In der Krippe haben Kinder regelmäßig Kontakt zu Gleichaltrigen und stärken ihre sozialen Kompetenzen. Außerdem werden sie schneller selbstständig, lernen Regeln einzuhalten, sich zu behaupten. Bloß stellt sich mir die Frage: Warum müssen Kinder immer schneller selbstständig werden?

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