„4:44“ - Jay-Z veröffentlicht sein persönlichstes Album

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Ein Statement: Jay-Z hat sein neues Album „4:44“ genannt. Foto: David Maxwell

Glaubt man dem Rapper selbst, kam die Eingebung sozusagen im Schlaf, mitten in der Nacht um 4.44 Uhr. „Ich bin aufgewacht, buchstäblich um 4.44 Uhr morgens, um diesen Song zu schreiben“, sagt Jay-Z über den eindringlichen Titelsong seines neuen, gleichnamigen Albums.

Es ist zutiefst persönlich, gespickt mit Zitaten der wohl wichtigsten Menschen in seinem Leben und eine direkte Antwort auf die Vorwürfe der Untreue, die seine Frau Beyoncé in „Lemonade“ musikalisch gegen ihn erhoben hatte. „4:44“ ist ein weihevolles, feierliches Stück Jay-Z der Extraklasse.

Beweisen muss der 47 Jahre alte Shawn Corey Carter auf seinem 13. Album nichts mehr, und zu verlieren hat der Multimillionär dabei auch nichts. Wortgewandt wie eh und je rappt er sich über rund 35 Minuten durch zehn Titel, und obwohl dabei reichlich Gelegenheit zum Wippen und Kopfnicken gegeben wird, sind die Kommentare zum Zoff im Hause Knowles-Carter mit das Spannendste an dieser Platte. Zentrale Figur ist - natürlich - seine Frau Beyoncé, die sich vor Gerüchten über die mutmaßliche Geburt ihrer Zwillinge dieser Tage kaum retten kann.

Am deutlichsten wird das in „4:44“, jenem Titelsong, der Jay-Z mitten in der Nacht angeblich zum Stift greifen ließ: „Ich habe zu lange für diesen Song gebraucht, ich verdiene dich nicht“, rappt er. „Du bist schneller reif geworden als ich / Ich war nicht bereit, also entschuldige ich mich.“ Sein Verhalten in Sachen Liebe sei „mies“, ein „Neuanfang“ nötig. Zum Soul-Sample von Hannah Williams and The Affirmations fragt er, wofür eine Affäre gut sei, wenn man im Leben einen Seelenpartner haben könne. „Ich glaube, es ist einer der besten Songs, die ich je geschrieben habe“, fasst Jay-Z zusammen.

Auch die mysteriöse „Becky, mit den guten Haaren“, die Beyoncé in „Sorry“ als Konkurrentin ausgemacht hatte, greift Jay-Z wörtlich auf. „Yeah, ich werde eine gute Sache vermasseln, wenn du mich lässt / Lass' mich in Ruhe, Becky“, heißt es in „Family Feud“, was übersetzt so viel bedeutet wie Familienstreitigkeiten. Die als Co-Autorin mitwirkende Beyoncé liefert dafür sogar Hintergrundgesang.

Zur Familienangelegenheit wird „4:44“ auch durch das fünf Jahre alte Töchterchen Blue Ivy, das in „Legacy“ die einfache, und zugleich zutiefst philosophische Frage stellt: „Daddy, was ist ein Wille?“ Auch vor ihr scheint Jay-Z sein Gesicht wahren zu wollen, als er rappt: „Wenn meine Kinder es wüssten, weiß ich nicht, was ich tun würde / Wenn sie mich nicht mehr ansehen wie vorher / Würde ich wahrscheinlich vor Scham sterben.“

Auch den Sozialbauten Marcy Houses im New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo Jay-Z als rappender Drogenhändler seine ersten musikalischen Gehversuche machte, wird ein Titel gewidmet. „Kann ich das wirklich? Kann ich wirklich einer der weltweit größten Künstler sein?“, fragt Jay-Z in diesem Stück, in dem er auf seine Karriere zurückblickt. Unterstützung für das erstklassig abgemischte Album liefern unter anderem Frank Ocean, Damian Marley und Gospel-Sängerin Kim Burrell.

Man mag alles mögliche in die Ziffer 4 lesen, seien es die Geburtstage von Jay-Z und Beyoncé am 4. Dezember beziehungsweise 4. September, ihre Hochzeit am 4.4. im Jahr 2008 oder gar Barack Obama als 44. Präsident der USA. Ob Jay-Z wirklich um 4.44 Uhr aufwachte - und ob vielleicht sogar der ganze Spuk um Untreue möglicherweise nur ein genialer PR-Stunt sind, um die Fans des weltberühmten Promi-Paars bei Laune und sich selbst im Gespräch zu halten - das wissen nur Jay-Z, Beyoncé und ihre engsten Vertrauten.

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