Japaner kritisieren ihre "Miss Universe"

Ariana Miyamoto ist zwar zur "Miss Universe Japan" gekürt worden. Doch viele Japaner können sich nicht damit anfreunden - sie ist die Tochter eines Afroamerikaners und einer Japanerin.

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Will die Meinung der Japaner über Menschen mit anderer Hautfarbe ändern: Ariana Miyamoto.  Foto: 

Diese Schönheit löst Aufsehen aus. "Wow! Gegen die kann keine gewinnen. Was für eine Ausstrahlung!" Selbst der sonst für rüpelhaftes Benehmen und derbe Sprüche bekannte Schauspieler und Regisseur Takeshi Kitano ("Hana-Bi", "Zatoichi") war überwältigt, als die frisch gekürte Miss Universe Japan Mitte April seine Fernsehsendung betrat.

Dass die 21-jährige Ariana Miyamoto bei der Wahl die mit Abstand schönste der mehr als 5000 Kandidatinnen war - darüber ist sich Japans Internetgemeinde weitgehend einig. Trotzdem bezweifeln viele, dass die dunkelhäutige junge Frau den Titel zu Recht bekommen hat.

"Sie sieht aus wie eine Ausländerin", heißt es in einem sozialen Netzwerk. "Sie hätte für Amerika antreten sollen, nicht für Japan", schreibt ein anderer. Und noch eine typische Stimme: "Eine japanische Miss Universe sollte zumindest ein echt japanisches Gesicht haben!"

Miyamoto ist ein "Hafu", eine "Halbe". So nennt man in Japan Kinder aus bikulturellen Familien.

Nachdem ihr afroamerikanischer Vater die Familie kurz nach ihrer Geburt verlassen hatte, war Miyamoto bei ihrer japanischen Mutter geblieben. Sie wuchs in der westjapanischen Provinzstadt Sasebo auf.

Zwar besitzt Miyamoto beide Staatsbürgerschaften. Doch weil sie ihre gesamte Jugend in Japan verbracht und nur wenig Kontakt zur Heimat ihres Vaters hatte, fühlt sie sich ganz als Japanerin. "Ich will die Kritik an meinem Sieg nicht ignorieren", sagte sie amerikanischen Medienvertretern. "Ich will mich lieber anstrengen, etwas dafür zu tun, dass diese Menschen ihre Meinung ändern."

Die Vorurteile, gegen die Miyamato ankämpfen will, sitzen tief. Nicht zuletzt, weil Japan nach jahrhundertelanger selbst gewählter Isolation und aufgrund einer strikten Einwanderungspolitik tatsächlich noch immer eine sehr homogene Gesellschaft ist. Offiziell machen Einwanderer nur 1 Prozent der Bevölkerung aus. Die meisten stammen aus China und Korea. Und andere Ethnien sind erst Recht noch Exoten in Japan.

Wenn sie in ein Restaurant gehe, erhalte sie meistens eine englische Speisekarte vorgesetzt und werde gelobt, weil sie so gut mit Stäbchen essen könne, erzählt Miyamoto, die eine Auszeichnung in japanischer Schönschrift besitzt. Mittlerweile kann sie darüber lächeln. In der Schule sei sie wegen ihrer Hautfarbe gemobbt worden. Mitschüler hätten sich geweigert, mit ihr im Schwimmbad zu schwimmen, und hätten sie mit Müll beworfen.

Als ein halb amerikanischer, halb japanischer Freund aus Verzweiflung Selbstmord beging, beschloss Schulabbrecherin Miyamoto, bei dem Schönheitswettbewerb zu kandidieren. "Für diesen Freund, der sich in Japan nicht akzeptiert fühlte, möchte ich die japanische Gesellschaft ein bisschen ändern. Ich möchte, dass die Leute uns Hafus mit anderen Augen sehen."

Heimische Medien tun sich schwer mit dieser Selbstbeschau. Miyamoto sagt, dass sie die weitaus meisten Interviewanfragen von ausländischen Journalisten erhält.

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