INTERVIEW: Schultoiletten oft unzumutbar

Schultoiletten können der reine Horror sein. Dass es auch anders geht, will das Internetforum www.schulklo.de zeigen. Fragen an den Initiator Michael Kinza.

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Warum sind so viele Schultoiletten in desolatem Zustand?

MICHAEL KINZA: Zum einen haben viele Kommunen wenig Geld für aufwendige Projekte. Dabei muss eine Sanierung gar nicht unbedingt teuer sein. Aber oft kommt dann falsche, nicht durchdachte Planung dazu. Und es gibt in vielen Kommunen ein Wirrwarr an Zuständigkeiten - vom Schulamt über das Bauamt bis zum Rektor und Hausmeister. Oft ist nicht geklärt, wer für was zuständig ist, und der Schulleiter soll beispielsweise über die Sanitäreinrichtung entscheiden, obwohl er da wirklich kein Experte ist.

Wie steht es mit der Verantwortung der Schüler für ihre Toiletten?

KINZA: Zum einen dienen die Toilettenräume den Schülern oft als Raum, wo sie ihre Emotionen abbauen können. In der Schule sind sie ja sonst nirgendwo alleine. Da wird auf den Seifenspender gehauen, irgendwo dagegengetreten, an die Wände gekritzelt. In Prüfungszeiten nehmen diese Taten regelmäßig zu, berichten Hausmeister. Auf der anderen Seite können Schüler aber auch sehr wohl Verantwortung dafür übernehmen, dass die Klos in Ordnung bleiben - eben wenn man sie in die Planung und Sanierung mit einbezieht. Beispiele wie das einer Duisburger Schule zeigen, dass die Zerstörung in den Klos danach deutlich oder sogar komplett zurückging.

Wie sieht ein solches Schulklo aus?

KINZA: Es macht zum Beispiel keinen Sinn, alles neu weiß zu fliesen, wenn im Winter schon morgens der erste Schüler mit Matschschuhen über den Boden läuft und erst am Abend wieder saubergemacht wird. Ein dunkler Boden ist da viel besser. Am falschen Ort spart man mit billigen Seifen- und Handtuchspendern aus Plastik - die gehen schnell kaputt und aus Frust haut zusätzlich noch einer drauf. Bewährt haben sich Warmlufttrockner und stabile Seifenspender aus Edelstahl. Die halten und sehen gut aus. Und was schön ist, wird selten kaputt gemacht. Und beim Emotionsabbau helfen auswechselbare Grafitti-Flächen - zum Beispiel abziehbare Folien, die dann als Ausstellung präsentiert werden.

Wie können Schulen das hinbekommen?

KINZA: Sie müssen alle ins Boot holen. Viele Schüler wünschen sich schönere Toiletten, aber ein solches Gemeinschaftsprojekt stirbt oft schon am ersten Abend, weil viele Erwachsene den Kindern ein solches Engagement gar nicht zutrauen. Nach dem Motto: Der bringt zu Hause doch noch nicht mal den Müll runter und will jetzt eine Toilette renovieren? Auch von Schulseite muss sich was ändern. Es gibt tatsächlich immer noch Toiletten ohne Klopapierspender - da müssen die Schüler sich das vorher im Sekretariat abholen.

Mehr Informationen über die Initiative unter www.schulklo.de

 

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