Interview mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr

„Da gibt es einige ganz schön Bekloppte“, sagt Dieter Nuhr. Im Interviews spricht der 56-Jährige über seine Nachwuchsshow, deren neue Staffel am Donnerstag startet.

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Eckt mit seiner Satire häufig an: Dieter Nuhr.  Foto: 

Er ist einer der bekanntesten Kabarettisten Deutschlands, aber auch umstritten: Dieter Nuhr eckt speziell mit seiner Satire über den Islam regelmäßig an. Das Erste zeigt jetzt donnerstags eine neue Staffel seiner Show „Nuhr ab 18 – Junge Comedy“. Darin tritt Nuhr auf, er gibt aber vor allem Nachwuchscomedians eine Bühne.

Ihre Sendung „Nuhr ab 18“ geht in eine neue Staffel, Sie bieten jungen Comedians ein Forum. Erinnern Sie sich gerne an Ihre ersten Gehversuche auf der Kabarettbühne?

Dieter Nuhr: Ja, sicher. Damals war unvorstellbar, dass es sich bei humoristischer Tätigkeit um einen Beruf handeln könnte. Plötzlich gaben mir die Leute Geld für meine Auftritte. Da war ich überrascht, wollte aber auch nicht widersprechen. Irgendwann konnte ich davon leben. Das war schön. Ich halte viel von fester Nahrung.

Wie ist es heute um den jungen deutschen Humor bestellt?

Da sind heute so viele unterwegs, da verbietet sich ein pauschales Urteil. Ich mag die Leute, die nicht nur auf die Bühne gehen in Erwartung von Ruhm oder Geld, sondern mit eigenem Ansatz, unabhängig. Also Leute, die was wollen, was über bloßes Berühmtwerdenwollen hinausgeht. Da gibt es einige ganz schön Bekloppte, also gute Leute.

Wir leben in politisch aufgewühlten Zeiten. Spiegelt sich das in den Programmen der Nachwuchs-Comedians wider?

Selten. Und dann oft klischeehaft kabarettistisch. Links gut, konservativ böse. Ökonomisch Schlaues ist auf der Bühne selten, meist gilt: Amerika ist schlecht und Putin ein reizender Schwiegervater. Es gibt aber einige richtig Gute, die sehr eigenwillige Gedankengänge konstruieren. Maxi Gstettenbauer vielleicht oder Lisa Eckhart, viele.

Sie wurden für ihre islamkritischen Äußerungen angefeindet. Trauen sich die jungen Leute so etwas wie Islamkritik auch – und würden Sie ihnen überhaupt dazu raten?

Jeder soll sprechen über das, was ihn bewegt. Ich kritisiere gerne, wenn Menschen irgendwelche geistigen Konstrukte zusammenklöppeln, um aus ihnen Herrschaftsstrategien abzuleiten. Da ist der Islam momentan ganz weit vorne. Das Christentum hat‘s ja weitgehend hinter sich, genau wie der Kommunismus. Dafür gibt es wieder Trottel, die Völkisches absondern.

Wie gehen Sie generell mit der vehementen Kritik um, die Ihnen im Internet entgegenschlägt?

Das ist ein Missverständnis: Kritik ist selten im Internet, meist wird gepöbelt. Statt Argumenten wird man etikettiert.  Es fällt aber auf, dass einem, wenn man Religion kritisiert, immer gleich Hass vorgeworfen wird. Da gibt es vor allem bei Muslimen oft wenig Kritikfähigkeit.

Was sind bei den jungen Comedians, die zu den „Digital Natives“ gehören, die größten Unterschiede zu Künstlern Ihrer Generation?

Ich bin ja noch groß geworden mit der Latzhosenfraktion auf der Bühne. Da war Humor streng linientreu. Dann kam die Zeit, in der die Jungen oft einfach nur Blödsinn auf der Bühne machten. Was ich völlig okay finde. Heute ist es recht gemischt. Und es gibt auch unter den Newcomern Leute, die einem Vorwürfe machen, wenn man mal die üblichen linken Pfade verlässt und zweifelt, dass der Staat immer die richtigen Lösungen bereithält.

Sie werden dieses Jahr 57. Fällt es Ihnen immer leicht, als Kabarettist und Comedian noch auf der Höhe der Zeit zu bleiben?

Ich fühle mich noch recht rüstig. Ich nehme am Leben teil und erledige viele Dinge des täglichen Lebens noch selbst, unter anderem lese ich Zeitung und verfüge über einen Internetanschluss. Außerdem gehe ich noch aus dem Haus. Am 9. September eröffnet eine Fotoausstellung von mir in China.

Info „Nuhr ab 18 – Junge Comedy“, heute und die nächsten fünf Donnerstage, ARD, 22.45 Uhr.

Dieter Nuhr kam 1960 in Wesel zur Welt, wuchs in Düsseldorf auf und studierte Kunst und Geschichte auf Lehramt. Als Schüler hatte er erste Bühnenauftritte, und während des Studiums gründete er eine Kabarettformation. Seit 1994 tourt Nuhr mit Soloprogrammen. Bekannt gemacht haben ihn vor allem seine kabarettistischen TV-Auftritte als Gast in Sendungen wie „Scheibenwischer“ oder mit eigenen Formaten. Seit mehreren Jahren moderiert Nuhr die Sendung „Nuhr im Ersten“ (vormals „Satire Gipfel“). Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Ratingen, das Paar hat eine erwachsene Tochter. ski

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