In Italien werden Weine mit Nazi-Symbolen verkauft

In italienischen Ferienorten floriert das Geschäft mit „Hitlerwein“ und „Führerbier“. Die Flaschen stehen offen in Auslagen. In Italien ist das legal, in Deutschland verboten.

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Einträgliche Geschäftsidee italienischer Händler: „Führerwein“.    Foto: 

Die Einkaufsstraßen von Lignano bieten, was Badeorte an der Oberen Adria seit Jahrzehnten zu bieten haben: Geschäfte quellen über von mehr oder weniger geschmackvollen Mitbringseln. Einst hatte Bella Italia die Touristen mit Produkten gelockt, die es so in ihrer Heimat gar nicht gab. Heute wartet auf eine spezielle Zielgruppe ein Angebot, das es in deren Heimat gar nicht geben darf: „Hitlerbier“, „Führerwein“ und Ähnliches.

In Lignano haben zwei Geschäfte eine Menge davon in der Auslage. Zum Hitlerbild am Etikett gibt‘s einschlägige Parolen: „Sieg Heil“ und „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ und „Ja! Führer wir folgen Dir“. Höhere orthografische Ansprüche der Kundschaft werden offenbar nicht vorausgesetzt, wie die Grappa-Flasche mit der Aufschrift „Snaps von Führer“ erahnen lässt.

Neu ist der Verkauf von Nazi-Devotionalien in Norditalien nicht. Auffallend ist aber, dass das braune Zeug immer prominenter in den Auslagen steht und immer mehr Platz in den Regalen einnimmt.

„In Italien nicht verboten“

Ennio Polat, der Leiter des Tourismusamtes von Lignano- Sabbiadoro, ist machtlos. Vergeblich habe er Geschäftsinhaber von den Angeboten abzubringen versucht, weil sich Urlaubsgäste beschwert haben. Erzwingen kann die Stadtverwaltung nichts. „Es ist leider in Italien nicht verboten, diese Flaschen zu verkaufen.“

Das Angebot gäbe es natürlich nicht, gäbe es keine Abnehmer. „Sebastianis“ an der Viale Centrale will zwar keine genauen Verkaufszahlen nennen. Aber auf die Frage, ob im Monat mehr als 1000 Flaschen „Führerbier“ für je 3,50 Euro verkauft werden, sagt die Chefin: „Viel mehr.“

Vor allem Österreicher und Deutsche kauften das Nazigesöff, sagt die Chefin. Italiener bevorzugten den „Duce“. Den Flaschenfaschismus gibt es nämlich auch mit Benito Mussolini am Etikett. Aber Hitler verkauft sich besser. Es gehe nur ums Geschäft: „Das sind sicher keine Nazis, die wollen nur ein Geschenk für Opa.“

Als „völlig unpolitisch“ bezeichnet das Weingut Lunardelli in Pasian di Prato bei Udine seine Produkte. „Wir verherrlichen die Politiker auf den Flaschen nicht und verwenden keine rassistischen, nur nationalistische Parolen“, sagt sein Chef Andrea Lunardelli. Zwischen 5000 und 7000 Flaschen mit Hitler-Bild und NS-Parolen verkaufe man pro Jahr.

Österreicher wie Deutsche, denen Alkohol mit braunem Beigeschmack schmeckt, sollten sich daheim nicht öffentlich mit solchen Souvenirs sehen lassen. In beiden Ländern sind Nazisymbole und -Parolen verboten.

Schon bei der Heimreise riskiert Probleme, wer am Rastplatz ein „Führerbier“ trinkt. „Nach der österreichischen Rechtslage wird in jedem Fall das Vorliegen eines Straftatbestandes geprüft, sagt Karl-Heinz-Grundböck, der Sprecher des Innenministeriums in Wien. Das geschehe „abhängig von den jeweiligen Umständen nach dem Verbotsgesetz oder nach dem Abzeichengesetz“. Allein das öffentliche Zurschaustellen von NS-Symbolen wird mit einer Geldstrafe von bis zu 4000 Euro oder  Freiheitsstrafe von bis zu einem Monat geahndet.

Drei Jahre Haft

Wer die illegale Fracht nach Deutschland bringt, muss ebenfalls mit Kalamitäten rechnen. Die Flasche im Kühlschrank oder Weinkeller „wird wohl noch nicht strafrechtlich verfolgt werden“, sagt Juliane Baer-Henney, die Sprecherin des Bundesjustizministeriums in Berlin. Wer damit jedoch Freunde oder Verwandte beglückt, kommt mit Paragraph 86 des Strafgesetzbuches in Konflikt. Der verbietet „das Verbreiten und öffentliche Verwenden von Kennzeichen einer nationalsozialistischen Organisation“.

Unter dieses Verbot fielen auch „Führerporträts“, wie sie auf besagten Flaschen kleben, betont Bear-Henney. Der Strafrahmen dafür reiche bis zu drei Jahren Haft.

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