Herr Ober, zahlen bitte!

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Otto Lapp geht Beziehungsfragen auf den Grund  Foto: 

Die wahren Meister des Lebens sind Bedienungen. Sie schauen so geschickt woandershin, dass selbst erfahrene Gäste denken: Die hat mich nicht gesehen. Bedienungen können den lautesten Ruf nach ihnen lächelnd überhören – oder in einer Art und Weise im Vorbeifliegen „bin gleich bei Ihnen“ hauchen, dass sich eine Viertelstunde wie ein Moment anfühlt.

Klaus (60) hat für die Künste der Bedienungen nichts übrig. Er schnippt wie ein Erstklässler mit den Fingern, wenn er etwas bestellen oder bezahlen will. Er ruft „Hallo, Herr Ober“ oder, noch schlimmer „Hallo, Fräulein“. Margot (50) will schon gar nicht mehr mit ihm ausgehen. Sie findet sein Benehmen unmöglich, weiß aber auch nicht, wie man richtig eine Servierkraft auf sich aufmerksam macht.

Eine alte Bedien-Regel heißt: Wer winkt, muss länger warten. Eine alte Regel für Gäste lautet, dass sie nur dann Könige sind, wenn sie sich wie solche benehmen. Zunächst aber können wir Margot beruhigen, denn Klaus macht nicht alles falsch. „Herr Ober“ ist die völlig korrekte Bezeichnung, und völlig korrekt ist es auch, damit die Bedienung zum Tisch zu rufen. „Das ist tatsächlich so“, sagt Linda Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft und Benimm-Trainerin. „Hallo, Fräulein“ gehe dagegen gar nicht. Wenn eine Frau bedient, gibt es nur eine einzige Möglichkeit. „Hallo, Frau Oberin“ verbietet sich, weil eine Oberin in ein Kloster und nicht in ein Restaurant gehört. „Gender-korrekt wäre ,Frau Ober‘“, sagt die Benimm-Trainerin. Aber unter uns: Da wäre Margot noch peinlicher berührt, wenn Klaus von „Hallo, Fräulein“ auf „Frau Ober“ umstiege.

Der höfliche Gast ruft nicht, sondern schweigt und baut auf die Aufmerksamkeit von Herr und Frau Ober, die immer wieder nach ihm sehen, damit er nur durch Blick-Kontakt signalisieren kann, ob er zahlen oder etwas bestellen möchte.

Natürlich hat Frau Ober auch andere Gäste und ist nur ein Mensch, der mitunter weniger aufmerksam ist. „Stummes Winken, dezent und elegant“ erlaubt die Benimm-Trainerin. Dabei verbietet die Etikette, die Hand wie ein Erstklässler in die Luft zu recken oder gar zu schnippen. Wer auf sich aufmerksam machen will, „richtet sich auf und schaut in die Richtung der Person, deren Aufmerksamkeit er erregen möchte“, sagt Linda Kaiser. Dazu im richtigen Moment „ein elegantes Anheben der Hand auf Schulterhöhe“ – und schon sind Herr oder Frau Ober im Bilde: Der will was.

Wenn wir schon mal im Restaurant sind, könnten wir gleich klären, wie Klaus standesgemäß bezahlt. Wer in einer größeren Gruppe unterwegs ist, verlässt den Tisch und wickelt am Tresen diskret die Rechnung ab. „Mit der Karte hantieren, Geld rausholen, das ist in Gesellschaft nicht schön“, sagt Kaiser. Wenn Klaus mit Karte zahlt, wird er das Trinkgeld in Zukunft in bar geben oder in die Mappe mit der Rechnung legen. Dann ist er ein Gast, der sich wie ein König benimmt. Das freut Margot und den Herrn Ober. Frau Ober auch.

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