Hatz auf dem Hochmoor beginnt

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Ein Hahn in vollem Balzschmuck.  Foto: 

Mit dem Computer kann man das ganze Jahr auf Moorhühner ballern. Was aber Weihnachten für Gänse ist, ist der 12. August für die echten schottischen Moorschneehühner. Am „Glorious Twelfth“  beginnt die Jagdsaison. Die Tradition ist eines der großen gesellschaftlichen Ereignisse des Königreichs, zu dem Jagdgäste aus aller Welt anreisen. Tausende von Jägern und Treibern durchkämmen die 800 Hochmoore und Heiden, in denen die Rauhfußhühner zu finden sind. Aufgescheucht versuchen sie im Zickzackflug den Jägern zu entkommen und kommen dabei auf eine Spitzengeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern.

Die Hatz auf die „Grouse“ ist ein teurer Spaß, ein Tag kostet den Jagdgast bis zu 10 000 Euro. Volkswirtschaftlich bringt die Saison an die 170 Millionen Euro und ist ein Zubrot für die Adelshäuser, die die meisten Jagdreviere besitzen. Je abgewetzter die Tweedanzüge aussehen und je muffiger die Wachstuchjacken duften, desto vornehmer sind ihre Träger. Das Jagdprotokoll ist ebenso traditionsträchtig. Wenn ein anderer Jagdgast mit dem Moorhuhn verwechselt wird, gilt dies als bedauerliches Versehen. Aber angeschossene Treiber oder gar Jagdhüter sind ein unverzeihlicher Fauxpas.

Ausnahme war der Herzog von Wellington. Der Sieger von Waterloo war in den Jagdrevieren ebenso  gefürchtet wie auf den Schlachtfeldern, aber schoss auch nach mehreren „Unfällen“ munter weiter. Als er die Frau eines Pächters beim Wäscheaufhängen traf, tröstete sie ihre Gutsherrin: „Du kannst dich hinfort rühmen, dass dich der Herzog von Wellington angeschossen hat“.

Jedes Jahr werden die Moorhühner zum Symbol eines Klassenkampfes. Während die Landpächter sich damit rechtfertigen, dass die Jagd die weltweit größten Moorheiden erhält, behaupten die Gegner das Gegenteil. Das Abfackeln der winterdürren Heide schädige die Ozonschicht. Seltene Raubvögel würden heimlich abgeknallt, weil sie sich von Moorhühnern ernähren.

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