Hai löst auf Mallorca Panik aus

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Der Raubfisch kam dicht an den Strand. Insgesamt gab es drei Hai-Sichtungen auf Mallorca.  Foto: 

Und der Haifisch, der hat Zähne“, muss wohl manch ein Tourist am Wochenende an der mallorquinischen Küste gedacht haben.  Denn was er da sah, war keine optische Täuschung.

Drei Mal zeigte sich dort ein Hai, an den Stränden von Illetes, Cala Major und Can Pastilla. Im Video der „Mallorca Zeitung“ ist das Raubtier gut zu erkennen, der Schrecken war groß. Am Sonntagnachmittag fing die spanische Küstenwache das Tier am Strand von Can Pastilla ein, etwa zehn Kilometer von der Hauptstadt Palma entfernt und in unmittelbarer Nähe zum „Ballermann“. Weil der knapp eineinhalb Meter lange Blauhai verletzt war, wohl von einem am Maul festsitzenden Angelhaken, wurde er eingeschläfert, hieß es von dem Rettungsteam des Palma Aquariums.

Dass Haie sich der Küste nähern, passiere im Sommer immer wieder, sagt Claudio Barria, Hai-Experte von Instituto de Ciencias del Mar in Barcelona. Normalerweise leben die Tiere in freien Gewässern, weit von der Küste entfernt.

Wenn sie doch näher kommen, dann, weil sie verwirrt sind oder vom Meeresstrom abgetrieben wurden. Oder wenn – wie er in dem Fall vermutet – der Hai von einem Fischer gefangen und in Küstennähe verletzt vom Haken gelassen wurde. Dass die Haie nun öfter an die Küsten geraten, weil die Gewässer wegen des Klimawandels wärmer werden, stimme nicht, meint der Experte.

Haie, vor allem Blauhaie, sind keine Seltenheit im Mittelmeer, auch wenn man sie dort zunächst nicht vermuten würde. Sie kommen dort am häufigsten vor, neben ihnen gibt es dort weitere etwa 45 Arten, darunter auch Weiße Haie und Tigerhaie. Manche sind sehr klein, haben nur eine Größe von 30 Zentimetern. Andere, wie der Pilgerhai, der nur Plankton frisst, kommen auf bis zu zehn Meter Länge.  Von der kommerziellen Fischerei sind sie alle bedroht. Haie sind quasi die „Müllabfuhr der Meere“: Experten schlagen Alarm, dass das ökologische Gleichgewicht des Meeres bereits jetzt kippe.

Gefährlich sind die Tiere an sich nicht. Es sind aber wilde Tiere, dementsprechend sollte man mit ihnen umgehen. „Man würde sich in Afrika auch keinem Löwen nähern“, gibt Barria zu bedenken. „So ist es auch mit einem Hai.“

Man solle Abstand halten und das Wasser verlassen, wenn sie kommen. Schließlich seien Menschen dort nicht in ihrem Lebensraum und nur zu Gast.  „Wenn man anfängt, mit den Haien Selfies zu machen, kann es passieren, dass das Tier aggressiv wird.“ Doch als Beute angreifen möchte es uns nicht.

Das bestätigt auch die Hamburger Meeresbiologin Heike Zidowitz. „Der Hai sieht uns nicht als Nahrung, wir stehen nicht auf seinem Speiseplan.“ Nicht die Haie sind eine Gefahr für uns Menschen, sondern umgekehrt. Barria: „Wir töten jährlich etwa 100 Millionen von ihnen – wer soll hier vor wem Angst haben?“

Hai-Flossen gelten in China als Delikatesse.  Vielen Leuten komme allerdings allein beim Gedanken an einen Hai sofort der Horrorfilm „Der Weiße Hai“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 1975 in den Sinn, der den großen Fisch mit seinen 300 Zähnen als ein Menschen fressendes Monster darstellte, sagt Barria. Doch sei es wesentlich wahrscheinlicher, „dass wir bei einem Unfall in der Badewanne ums Leben kommen, als von einem Hai gebissen zu werden“.

Verharmlosen möchte Barria die Haie nicht. Ein Biss kann tödlich enden. Doch das sei extrem selten. In Spanien waren es wohl zwei in den vergangenen 400 Jahren. Weltweit habe es seitdem etwa 2660 Haiangriffe gegeben, 492 davon tödlich.

Den Grund, dass Surfer vor allem an der US-Küste und in Australien öfters angegriffen werden, sehen die Hai-Experten darin, dass dort das Wasser stark in Bewegung ist und die Sicht dadurch eingeschränkt. „Der Hai sieht nicht, was da schwimmt“, sagt Barria. „Und da er keine Pfoten hat, um es zu überprüfen, beißt er rein.“

Der Schweizer Meeresbiologe Michael Scholl sagt: „Alles, was waagerecht im Wasser liegt, wie zum Beispiel ein Arm auf der Wasseroberfläche oder ein bäuchlings paddelnder Schwimmer, ist für den Hai eine leichtere Beute, als ein aufrecht stehender Mensch.“ Er rät in einem Interview dazu, still zu stehen, wenn man im Wasser einem Hai begegnet. Arme eng an Körper anlegen und abwarten. Fliehen würde nichts bringen, Haie sind schneller. Und wenn man angegriffen werden sollte, am besten direkt in die Augen oder die Nase des Hais fassen, die seien am empfindlichsten.

Furcht und Sorge wichen am Montag immer mehr der Empörung. Auf den Homepages der Regionalzeitungen protestierte viele Leser dagegen, dass das von der Küstenwache gefangene Tier  noch am Strand von Can Pastilla in der Nähe des „Ballermanns“ vor dutzenden Schaulustigen eingeschläfert wurde. „Wilde!“, schrieben einige. Einer klagte bei „Última Hora“, man hätte das Tier ins Aquarium von Palma bringen und zwecks möglicher Rettung zumindest zwei Tage lang beobachten und behandeln können. „Aber klar, einschläfern kommt billiger.“ Ein anderer mutmaßte, man habe kurzen Prozess gemacht, weil das Tier es gewagt habe, die „Bojen der Hoteliers zu passieren“.

Experten des Aquariums von Palma sagten, man habe den Hai erlösen müssen, weil er wegen einer irreparablen Angelhaken-Verletzung am Kopf gelitten habe. Es habe keine Alternative gegeben. Das bestätigte die regionale Tierschutz- und Umwelt-Organisation GOB. „Solche Hochseehaie nähern sich der Küste nur, wenn sie gravierende Gesundheitsprobleme haben. In diesem Fall hat ein Haken wohl schlimme innere Verletzungen verursacht“, sagte GOB-Sprecher Toni Muñóz. dpa

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