Guttenberg kehrt zurück

Aufstieg und Fall eines adeligen Politstars als TV-Satire? "Der Minister" hat schon vorab für mächtig Medienwirbel gesorgt. Fast so wie seinerzeit Karl Theodor zu Guttenberg und seine Plagiatsaffäre selbst.

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Zeigt sich gerne mit großer Geste in guter Gesellschaft: Franz Ferdinand von und zu Donnersberg (Kai Schumann) mit Gattin. Foto: © Sat 1/Hardy Brackmann

Sein Name fällt in den mehr als zwei Stunden Film kein einziges Mal. Muss er auch nicht: Jeder weiß, von wem die Rede ist, wenn die Begriffe Adel, Minister, Gelfrisur, Intellektuellen-Brille und Plagiat zusammenspielen. Stattdessen ist in der Sat-1-Politsatire "Der Minister" ein gewisser Franz Ferdinand von und zu Donnersberg (gespielt von Kai Schumann) - faul, aber von Adel - die Hauptfigur.

An der Seite des aalglatten Aufsteigers: die blonde Gattin Viktoria (Alexandra Neldel, "Die Wanderhure") sowie einige bedeutende Freunde wie der Chefredakteur eines großen Boulevardblatts mit dem Titel "Blitz" (Thomas Heinze) und zu Donnersbergs Sandkastenfreund und Ghostwriter Max Drexel (Johann von Bülow). Letzterer denkt und schreibt für ihn und erschummelt ihm schließlich auch den verhängnisvollen Doktortitel.

Über dem Politstar steht nur die Kanzlerin, der die Drehbuchautorin der TV-Satire den minimal verfremdeten Namen Angela Murkel verpasst hat. Das ist zwar so doof wie es klingt, doch die Darstellerin heißt Katharina Thalbach, und die macht sich großartig in der Rolle der mächtigsten Frau im Land. Mit markant hochgezogenen Schultern in den Merkel-typischen Jacketts läuft die kleinwüchsige Schauspielerin zur Höchstform auf.

Seit Helmut Dietls "Schtonk" - der Persiflage auf die gefälschten Hitler-Tagebücher, die der "Stern" 1983 veröffentlicht hat - habe es in Deutschland keine richtige Politik-Satire mehr gegeben, sagt Drehbuchautorin Dorothee Schön und schraubt damit die Erwartungen hoch. Sat 1 macht es ähnlich, veranstaltet in Berlin eine große Vorpremierenfeier, gibt den Film ansonsten vorab aber nur beschränkt zur Rezension frei.

Diese Häppchen umreißen eine weitgehend bekannte Geschichte, die mit viel Klamauk und wenigen Abweichungen nacherzählt wird. Die masken- und kostümbildnerische Leistung ist teils verblüffend, die schauspielerische passabel bis mäßig: zu plump wirken mitunter die Parodien, zu inszeniert scheint das große Ganze. Gerade das - so schätzt es "Spiegel online" ein - komme der Realität so erschreckend nahe. Auch der rasante Aufstieg zu Guttenbergs glich oft einer Inszenierung, die 2010 darin gipfelte, dass der Verteidigungsminister sich medienwirksam in Afghanistan vom eigens samt Studioequipment mitgereisten Johannes B. Kerner interviewen ließ. Die Talkshow aus dem Bundeswehrcamp sollte einer seiner letzten TV-Auftritte sein.

Guttenbergs Schicksal allein freilich füllt auf Sat 1 das Hauptabendprogramm nicht aus, und so spielt in "Der Minister" unter anderem auch noch die außereheliche Liebesgeschichte eines führenden Parteikollegen eine Rolle, der ebenfalls aus dem schönen Bayern stammt und den Namen Hofersee verpasst bekommen hat.

Erfolgsproduzent Nico Hoffmann ("Mogadischu", "Der Tunnel", "Rommel") hätte lieber Klarnamen benutzt, sagte er dem "Berliner Kurier". "Aber wenn man das tut, kann man keine Satire drehen."

Es ist ein gewagtes Projekt, auf das sich Sat 1 (kein anderer Sender wollte es haben) mit "Der Minister" eingelassen hat: Drehbuchautorin Schön schreibt rückblickend: "Ich war überzeugt, dass es niemand wagen würde, diesen Stoff zu machen." Denn: "Politsatiren sind eigentlich in Deutschland so selten wie freilaufende finnische Tiger."

"Der Minister " am Dienstag, 20.15 Uhr, auf Sat 1. Im Anschluss (22.20 Uhr) läuft die Doku "Abgeschrieben - die Guttenberg-Story".

Mehr Fotos unter swp.de

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