Grimme Online Award: Gegen Hetze und Vorurteile

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Die Comedy-Gruppe „Datteltäter“ setzt sich mit dem Islam auseinander. Foto: Henning Kaiser

Kreative Netz-Angebote zum Umgang mit Hetze und Vorurteilen sind mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Zu den acht Preisträgern gehörte am Freitagabend in Köln der YouTube-Kanal „Datteltäter“, der mit Humor und Satire Vorurteile gegenüber Muslimen entkräftet.

Initialzündung für das Projekt war nach Angaben der Macher das Aufkommen des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Ausgezeichnet wurde auch die Facebook-Gruppe „#ichbinhier“, deren Mitglieder sich gezielt in Debatten einschalten, in denen Hass die Oberhand gewonnen hat.

Die Juroren prämierten zudem Projekte, die moderne Technologie für Info-Angebote nutzen - einen Chatbot und eine Virtual-Reality-Reise zum Kölner Dom. Auch zwei Web-Reportagen über Armut und Gebärdensprache gehörten zu den Gewinnern.

Der undotierte Grimme Online Award gilt als wichtigster deutscher Preis für hochwertige Online-Angebote. Er wird seit 2001 verliehen. Nominiert waren in diesem Jahr 29 Projekte.

Die Gewinner im Überblick:

„Datteltäter“: Die Videos des YouTube-Kanals sind witzig, ironisch - und beschäftigen sich mit dem Islam. Der „Bildungsdschihad“ des jungen ARD/ZDF-Angebots Funk setzt auf Humor, um Vorurteilen zu begegnen, mit denen sich Muslime konfrontiert sehen. „Die „Datteltäter“ entkrampfen den herrschenden Diskurs“, urteilte die Jury. Das Projekt wurde gleich doppelt ausgezeichnet: Neben dem Jury-Preis gewann es auch die Web-Abstimmung für den Publikumspreis.

„#ichbinhier“: In Postings und Kommentaren auf sozialen Netzen toben mitunter Hass und Hetze. Die Facebook-Gruppe „#ichbinhier“ hält gezielt dagegen. Wenn eine Debatte aus dem Ruder läuft, schalten sich die Mitglieder unter dem Hashtag mit sachlichen Kommentaren ein.

„Ihre Wahl - der WDR-Kandidatencheck“: Mehr als 1300 Kandidaten traten zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an, viele davon waren dem Wähler eher unbekannt. Der WDR schaffte es, fast 1000 von ihnen vor der Wahl für Web-Videos zu interviewen. Die Jury nannte das ein einfaches, aber wirksames Mittel im „demokratischen Notstandsgebiet“.

„Was heißt schon arm?“: Die Webreportage von „Spiegel Online“ stellt die herkömmliche Definition von Armut infrage und macht das Thema an interessanten Menschen fest. Am Ende kann man selbst errechnen, ob man womöglich als arm gilt.

„Resi-App“: Sogenannte Chatbots gelten in der Medienbranche gerade als heißes Ding. Die App „Resi“ steche aus den neuen Angeboten deutlich hervor, stellte die Jury fest. „Resi“ präsentiert ihren Nutzern die aktuelle Nachrichtenlage als Dialog. Sie haben den Eindruck, gerade mit einem informierten Freund zu chatten.

„Die mit den Händen tanzt“: Die Protagonistin der Multimedia-Reportage des Hessischer Rundfunks (HR) hat einen äußerst ungewöhnlichen Job: Sie übersetzt Konzerte in Gebärdensprache. Wer will, kann auf der Seite selbst ein paar Songs erraten.

„Wochenendrebell“: Auf den ersten Blick geht es auf dem Blog mit Podcast um einen Vater und einen Sohn, die einen Lieblings-Fußballverein suchen. Das eigentliche Thema aber ist der Umgang mit dem Asperger-Syndrom des Sohnes.

„Der Kölner Dom in 360° und VR“: „Es gibt Ecken im Kölner Dom, die konnte nur der liebe Gott sehen“, stellte die Grimme-Jury fest. „Bis jetzt.“ Der WDR nutzte für das Projekt die Trend-Technologie Virtuelle Realität (VR), um das Wahrzeichen Kölns im Netz erfahrbar zu machen - aus sämtlichen Blickwinkeln.

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