Gottschalk: Neues Leben aus den Ruinen?

Er war beim ZDF der Quotenkönig. Jetzt aber bangt Thomas Gottschalk bei der ARD um sein Publikum. Zuschauer im Studio sollen von nun an die Stimmung heben. Ab Montag gibt es ein neues Konzept.

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Thomas Gottschalk will aus dem Quotentief auftauchen. Foto: dpa

. Kaum einer sieht sie sich an, aber viele reden darüber - so könnte man die ARD-Vorabendshow "Gottschalk Live" beschreiben. Um aus dem Quotentief zu kommen, baut Entertainer Thomas Gottschalk (61) jetzt sein Studio um. Bereits seit Montag gibt es in dem Raum in Berlin-Mitte etwa 100 Zuschauerplätze - dort, wo bislang Redaktionsschreibtische standen. In den ersten Wochen war die Sendung vor der 20-Uhr-"Tagesschau" ohne Live-Publikum ausgekommen.

"Es ist doch schöner, gebe ich zu, wenn man seinem Publikum ins Auge blickt", sagte der Entertainer am Montagabend sichtlich erfreut. "Ich wollte demütig sein, hab gesagt, wegen einer halben Stunde lohnt es sich doch nicht, aber ihr seid da und das ist schön." Die Premiere mit Publikum sahen 1,41 Millionen TV-Zuschauer (5,2 Prozent Marktanteil). Zum Vergleich: ZDF, RTL und Sat1 hatten zeitgleich alle jeweils mindestens doppelt so viele Zuschauer.

"Es hat ja nun eine Menge Diskussionen gegeben. Viele haben sich Gedanken gemacht: Was wird aus dieser Sendung?", begann Gottschalk. Die Lage sei jetzt wie folgt: "Wir gehen nicht, aber wir bauen um. Sie werden also heute nicht Zeugen einer Zwangsräumung. Ich ziehe auch nicht ins Frühstücksfernsehen um, sondern vor ihren Augen wechselt sozusagen die Karawane die Richtung und macht sich auf den Weg aus der ,Todeszone in Richtung blühende Landschaften."

Eine Woche sei die Show jetzt Baustelle - das neue Mobiliar komme noch. "Ein neues Studio, ein neues Konzept" soll es ab kommenden Montag geben. "Aber keinen neuen Moderator. Soweit wollten wir nicht gehen", scherzte Gottschalk selbstironisch. Die Frage sei jetzt, ob "ein Titan den Quotentod stirbt" oder ob neues Leben aus Ruinen entstehe. Die ARD und die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment haben regelmäßige Rubriken und eine klarere Struktur angekündigt.

Seit Anfang März agiert der Journalist ("Tempo") und Medienberater Markus Peichl (53) als Redaktionsleiter. Nach seinem Ausstieg bei "Wetten, dass. .?" im vergangenen Jahr hat sich Gottschalk für den schwierigen ARD-Vorabend entschieden und eben nicht dafür, beim ZDF Galas und Shows zu präsentieren. Dem Magazin "GQ" sagte er offen: "Die Stunde vor acht gilt ja als Todeszone. Da stehe ich jetzt als Desperado. Einer gegen alle!"

Kritiker, die schon immer wussten, Gottschalk könne keine guten Interviews führen und sei oft schlecht vorbereitet, fühlen sich bestätigt. Patzer in der Show gab es bereits einige: von falschen Jahreszahlen bis zu verkehrten Namen (etwa "Annette" Engelke statt "Anke") - Gespräche zum Fremdschämen, bei denen er nicht richtig zuhörte oder Gästen ins Wort fiel. Doch Gottschalk wäre nicht Gottschalk, wenn er nicht Humor bewiese: als "Best of" seiner bisherigen Sendungen präsentierte er am Montag einen satirischen NDR-Beitrag, der unter dem Motto "Moderieren für Profis" Pannen aus den ersten Wochen von "Gottschalk live" präsentierte.

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