Glücksgefälle in Deutschland

In Hamburg und an der Nordsee sind die Menschen besonders zufrieden. Baden-Württemberg landet auf der aktuellen "Glücksliste" im Mittelfeld - wobei sich die Badener wohler fühlen als die Württemberger.

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WOLF GOLDSCHMITT

und dpa

. Die glücklichsten Deutschen leben im Norden. In Hamburg und an der Nordsee ist die Lebenszufriedenheit einer neuen Studie zufolge besonders hoch. Am Ende des Länder- und Regionen-Rankings finden sich Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Auch die Glückslücke zwischen West und Ost schließt sich zunehmend. Das berichtet der "Glücksatlas 2012" auf Basis von Umfragen und Daten des Sozioökonomischen Panels, den die Deutsche Post gestern in Berlin vorstellte.

In der Glücksstudie gaben die Deutschen ihrer Lebenszufriedenheit sieben von zehn Punkten, genau wie 2011. Die Euro-Krise nagt offensichtlich noch nicht am Glück, auch wenn jüngst in einer Umfrage viele Angst vor einem Schwächeln der EU-Staaten äußerten.

In einer ergänzenden Befragung dazu, wie zufrieden die Deutschen mit ihren Städten sind, lag Hamburg an der Spitze, gefolgt von Düsseldorf und Dresden. Stuttgart landete auf Rang neun. Schlusslichter im städtischen Zufriedenheitsranking sind Berlin, Köln und Essen. Dabei sind vielen Befragten Zusammengehörigkeitsgefühl und Angebote für Kinder und Familie wichtiger als innere Sicherheit oder die städtische Finanzlage.

Was den Südwesten betrifft, so fühlen sich die Badener laut der Studie wohler als die Württemberger - wenn auch nur ein bisschen. Aber keine der beiden Bevölkerungsgruppen kann sich darauf viel einbilden, denn sie liegen auf der Rangliste des Wohlbefindens nur im Mittelfeld. Baden ist Elfter, Württemberg Zwölfter.

Die Region Baden, im vergangenen Jahr noch auf Platz sechs, stellt für die Forscher ein Faszinosum dar: Die objektiven Rahmendaten deuten auf eine überdurchschnittliche Lebensqualität hin, dennoch ist die subjektive Lebenszufriedenheit mit einem Wert von 6,92 auf einer Zehn-Punkte-Skala nur Mittelmaß.

Vergleichsweise unzufrieden sind die Badener mit ihrer Wohnsituation, dem Familienleben sowie mit dem Haushaltseinkommen. Die Zufriedenheit mit der Arbeit ist gut, die Beschäftigungslage ist sogar sehr gut. Auch die empfundene Sicherheitslage ist sehr günstig, was mit der unterdurchschnittlichen Kriminalitätsrate zusammenhängt. Mit fast 70 Prozent der Befragten sprechen viele Badener ihr Vertrauen gegenüber ihren Mitmenschen aus. Dafür fällt das Interesse an der Politik mit einem Anteil von nur rund 35 Prozent eher gering aus.

Eine Erklärung für die überraschend moderaten Zufriedenheitswerte könnte laut Glücksatlas im Bereich der Familie liegen: Hier hinkt der spezifische Zufriedenheitswert sogar deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt her. Der Anteil der Verheirateten beziehungsweise fest Liierten ist mit 62,8 Prozent niedrig, gemessen am Bundeswert von 70,9 Prozent.

Die Württemberger, im Vorjahr auf Rang acht, liegen mit einer allgemeinen Lebenszufriedenheit von rund 6,91 Punkten praktisch auf dem gleichen Niveau wie ihre badischen Nachbarn. Und auch hier zeigt sich eine gewisse Lücke zwischen der subjektiven und der objektiven Lebensqualität. Denn Wohlstand und Beschäftigungsniveau sind sehr gut: Die Arbeitslosenquote liegt bei vier Prozent und das Bruttoinlandsprodukt bei mehr als 34000 Euro pro Kopf. Gleichzeitig kann Württemberg auch als eine der sichersten Regionen gelten.

Verglichen mit der Nachbarregion Baden zeigen sich die Württemberger auch etwas demokratiezugewandter. So liegt die Zufriedenheit mit der Demokratie vergleichsweise hoch, und auch das Interesse für Politik scheint etwas stärker ausgeprägt zu sein als in Baden. Als relative Schwäche kann die geografische Lage betrachtet werden: Württemberg zieht, bezogen auf Einwohner und Fläche, deutlich weniger Besucher an als etwa die nahe liegenden Regionen Bayern und Baden.

Das Vorurteil des geizigen Schwaben kann anhand der Befragungsdaten nicht bestätigt werden. Nach eigenen Angaben spenden die Württemberger im Mittel einen deutlich höheren Anteil ihrer verfügbaren Einkommen als die restlichen Bundesbürger. Das überraschend moderate Niveau der subjektiven Lebenszufriedenheit ist, wie auch im Fall von Baden, nicht eindeutig zu erklären.

Info Die Untersuchung basiert auch auf den Daten einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Frühjahr unter 3900 repräsentativ ausgesuchten Bürgern. Der "Deutsche Post Glücksatlas 2012" ist als Buch im Verlag Knaus erschienen.

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