Gicht durch Festen und Fasten

Hohe Harnsäurewerte sind keine Seltenheit, doch oft schreckt erst ein schmerzhafter Gichtanfall Betroffene auf: Das wurde bei unserer Telefonaktion deutlich, bei der die Experten im Dauereinsatz waren.

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Stimmt es, dass Männer sehr viel häufiger von Gicht betroffen sind als Frauen?

Ja, auf neun Männer mit sehr hohen Harnsäurewerten kommt etwa eine Frau. Frauen haben, zumindest vor den Wechseljahren, einen gewissen Östrogenschutz. Möglicherweise hängt es aber auch mit der Ernährung zusammen: Unter Männern gibt es nunmal mehr Biertrinker und Eisbeinesser.

Wie kann ich denn herausfinden, ob ich zu hohe Harnsäurewerte habe?

Ihr Hausarzt nimmt Ihnen Blut ab und kann dann den Harnsäurewert im Labor bestimmen lassen. Liegt er über 6,5 Milligramm (mg) pro Deziliter (dl) spricht man von erhöhten Harnsäurewerten - Zeit für eine Ernährungsumstellung. Liegt er über 8 wird gegebenenfalls auch die Einnahme eines Medikamentes empfohlen. Bei demjenigen, der bereits einen Gichtanfall hatte, sollte der Harnsäurewert allerdings unter 6 mg/dl gehalten werden.

Wie kann ein Gichtanfall ausgelöst werden?

Durch entsprechend purinreiche Ernährung mit viel Innereien oder rotem Fleisch, durch übermäßigen Bierkonsum, aber auch durch bestimmte Medikamente, etwa zur Entwässerung. Auch extremes Fasten kann Gicht auslösen.

Ich habe seit einigen Jahren erhöhte Harnsäurewerte, und die Mittelgelenke meiner Finger sind stark angeschwollen. Kann das Gicht sein?

Lassen Sie sich zum Orthopäden überweisen. Er kann durch ein Röntgenbild feststellen, ob es sich nicht eher um Arthrose in den Fingergelenken handelt. Sollte dies der Fall sein, gibt es einfache chirurgische Möglichkeiten, Ihnen zu helfen.

Ich habe drei- bis viermal pro Jahr Gichtanfälle. Meine Hand ist dann so groß wie die von Klitschko - nur ohne Handschuh. Jetzt ist auch mein Knie geschwollen. Kann das Gicht sein?

Ja, grundsätzlich können verschiedene Gelenke betroffen sein. Sie sollten das vom behandelnden Arzt abklären lassen. Möglicherweise brauchen Sie eine höhere Dosierung Ihres Medikaments oder einen anderen Wirkstoff. Vielleicht kann Ihr Arzt die Harnsäureausscheidung über 24 Stunden messen. Ist dieser Wert zu niedrig, brauchen Sie vermutlich ein anderes Medikament. Auf jeden Fall sollten Sie auch nochmal Ihre Ernährung überdenken - gegebenenfalls mithilfe professioneller Ernährungsberatung.

Ich nehme Tabletten gegen Bluthochdruck und soll auch welche gegen zu hohe Harnsäurewerte bekommen. Vertragen sich die Medikamente?

Viele Blutdrucksenker, vor allem Diuretika, steigern das Gichtrisiko. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an, er kann Ihnen einen Blutdrucksenker verschreiben, der sich gut mit dem Harnsäuremittel verträgt.

Wann muss ein Gichtknoten operativ entfernt werden?

In hohen Konzentrationen bildet Harnsäure Kristalle. Diese setzen sich in den Gelenken ab. Gichtknoten, so genannte Tophi, können monströs groß sein. Wenn sie die Haut zu stark dehnen und kurz vor dem Platzen sind oder wenn sie die Beweglichkeit etwa der Hand stark einschränken, dann können sie operativ entfernt werden.

Ich esse für mein Leben gern frische Leber und trinke öfter mal ein Weizen. Allerdings sind meine Harnsäurewerte sehr hoch, und mein Arzt rät mir, meine Ernährung umzustellen. Ist das nötig?

Wenn Sie nicht riskieren wollen, Gicht zu bekommen, die Ihre Gelenke zerstören kann und im Extremfall auch Organe, dann sollten Sie eher mageres Fleisch und Milchprodukte, Kartoffeln, Obst und Gemüse essen. Zu viel an Fruchtsaft ist ungünstig, da durch den Fruchtzuckerkonsum die Harnsäure schlechter ausgeschieden wird. Bier sollten Sie ebenfalls zurückhaltend sein. Hilfreich ist es im Übrigen auch, wenn Sie sich regelmäßig bewegen.

Kurz nach einem Gichtanfall im großen Zeh lag mein Harnsäurewert nur bei 4. Kann das sein?

Ja, denn die Harnsäure sammelt sich bei einem Gichtanfall im Gelenk! Der Harnsäurewert sollte frühestens zwei bis drei Wochen nach dem Anfall gemessen werden. Erst dann ist er aussagekräftig.

Wie lange muss ich ein Mittel gegen hohe Harnsäurewerte einnehmen?

Sie sollten es jedenfalls nicht sofort absetzen, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben. Meist wird zwei, drei Jahre damit behandelt. Manchmal muss so ein Mittel aber auch lebenslang eingenommen werden. Besprechen Sie das auf jeden Fall mit Ihrem Hausarzt.

Info Am Telefon waren Ernährungstherapeutin Daniela Kluthe-Neis (Ulm), Dr. Corinna Schmidt (Blaustein) und Dr. Hendrik Schöll (Uniklinikum Ulm).

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