Gemeinsam gegen Einbrecherbanden

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    Nächtlicher Einsatz auf der B 29 bei Lorch im Ostalbkreis: Die Polizei kontrollierte drei Tage lang Fahrzeuge und Insassen vor allem auf Autobahnen und deren Ausweichrouten. Foto: 
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Nach einer länderübergreifenden Aktion zur Bekämpfung von Einbrecherbanden haben Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) und sein bayerischer Kollege Joachim Herrmann (CSU) ein positives Fazit gezogen. „Die Schwerpunktkontrollen der vergangenen Tage waren ein wichtiges Signal“, betonte Strobl gestern in Stuttgart. In Baden-Württemberg hatte die Polizei vom 27. bis 29. Oktober 2016 insgesamt 4389 Personen und 2256 Fahrzeuge kontrolliert. Dabei wurden 11 Menschen festgenommen sowie 72 Straftaten und 40 Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Die Straftaten reichen von Diebstahl über Rauschgiftdelikte bis hin zu Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. In Bayern wurden mehr als 10 000 Fahrzeuge und Menschen kontrolliert, die zu 26 vorläufigen Festnahmen führten. „Damit haben wir den Fahndungsdruck auf kriminelle Banden deutlich erhöht“, sagte Herrmann. Er kündigte auch weitere länderübergreifende Aktionen an. Die Polizei hatte mit den Schwerpunktkontrollen gezielt nach Einbrecherbanden gefahndet. Die Bilanzen der beteiligten Bundesländer werden von den jeweiligen Innenministerien veröffentlicht.

Koordiniert wurden die Kon­trollen, die überwiegend auf Autobahnen und den Ausweichrouten stattfanden, von den Landeskriminalämtern. Auf der Innenministerkonferenz im Juni dieses Jahres hatten die vier Bundesländer eine Kooperationsvereinbarung zur gezielten Bekämpfung von Einbruchskriminalität geschlossen. Kern ist ein Acht-Punkte-Programm, darunter ein verbesserter Austausch von Informationen, eine gemeinsame Fahndung und eine verbesserte Zusammenarbeit bei Ermittlungsverfahren.

Die Zahl der Einbrüche bewegt sich nach den Worten Herrmanns in Bayern in diesem Jahr bisher etwa auf Vorjahresniveau. Eine genaue Prognose für 2016 könne man aber noch nicht treffen, sagte er.

Nach den Erfolgen im Süden wird nun auch der Westen aktiv. Die Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und wiederum Rheinland-Pfalz wollen den Einbrecherbanden nun gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden das Handwerk legen.„Das sind oft Kriminaltouristen, die durch ganz Europa ziehen“, sagt der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die professionell agierenden Banden konnten darauf vertrauen, dass sie den Ermittlern um Längen voraus sind: Selbst wenn die Einbrecher für die Niederländer alte Bekannte waren, wussten das die deutschen Ermittler längst noch nicht. Grenzen eben, aber nur für die Ermittler.

Die Gewerkschaft der Polizei fragt sich aber, wer das umsetzen soll – wo schon jetzt Personal fehle. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, machte deutlich, dass es bisher nicht nur im Austausch mit internationalen Polizeibehörden gehakt habe, sondern auch zwischen den Bundesländern. „Der Austausch dauert Tage, wenn nicht sogar Wochen oder Monate. Und das ist deutlich zu lange“, hatte er im ARD-Morgenmagazin gesagt.

Die Politik muss auf das seit Jahren wachsende Problem eine Antwort finden, das die Menschen als eine der größten persönlichen Bedrohungen empfinden, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte. Die Fallzahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf zuletzt rund 167 000 gestiegen – rund zehn Prozent mehr als 2014. Für die Opfer geht es nicht nur um den Sachschaden von im Schnitt 3300 Euro. Viele leiden lange unter dem traumatischen Erlebnis, dass Fremde in ihren persönlichen Sachen gewühlt haben. Jeder Achte zieht nach Angaben von Fachleuten sogar um. Aufgeklärt werden Wohnungseinbrüche selten. Im vergangenen Jahr waren es 15 Prozent.

Im Saarland geht die Zusammenarbeit sogar über die nationalen Grenzen hinweg. Dort setzt die Polizei auf gemeinsame Kontrollen und Fahndungen mit den benachbarten Staaten Frankreich und Luxemburg sowie mit Belgien. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend sind dort die Einbruchszahlen gegenüber 2014 tatsächlich gesunken. dpa

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