Feuerwehr fordert Strafen für Wasser-Gaffer

Sie ignorieren Absperrungen, stehen auf unterspülten Brücken, stellen Autos in den Rettungsweg: Katastrophen-Touristen behindern Hilfseinsätze.

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Um Katastrophen-Touristen von brenzlichen Einsatzorten besser fernhalten zu können, hat Bayerns oberster Feuerwehr-Vertreter hohe Geldstrafen für uneinsichtige Gaffer gefordert. "Wenn er weiß, dass er 2000 bis 3000 Euro Strafe zahlen muss, wird es sich der Gaffer vielleicht überlegen", sagte der Vorsitzende des Bayerischen Feuerwehrverbandes, Alfons Weinzierl, gestern in München. Die Polizei könne zwar Platzverweise aussprechen, aber vom Gesetzgeber vorgesehene Geldbußen könnten diesen Aufforderungen besser Nachdruck verleihen.

Nach Unfällen oder Katastrophen wie Hochwasser gebe es schon immer einen so genannten Katastrophen-Tourismus. "Das sei für die Einsatzkräfte oft ärgerlich, weil sie dadurch in ihrer Arbeit behindert würden. "Das Problem ist ja auch, dass dann viele mit dem Auto dort hinfahren und die geparkten Autos dann den Einsatzkräften sogar den Weg versperren", sagte Weinzierl. Das gehe so weit, dass sie dann in den Hochwassergebieten stehen und sogar abgeschleppt werden müssen.

Auch das Technische Hilfswerk (THW), das oft mit großen und schweren Fahrzeugen zu den Einsatzorten unterwegs ist, klagt über Einschränkungen durch parkende Autos in Katastrophen-Gebieten. "Wenn man bei Hochwasser-Einsätzen erst jemanden suchen muss, damit er sein Auto zur Seite fährt, dann kann man schon ärgerlich werden. Das dauert unter Umständen eine Stunde, bis alles aufgelöst ist und solange warten die Helfer vergeblich auf die Geräte", sagte Max Berthold, Einsatzleiter beim THW in München.

Lästig seien auch die Katastrophen-Touristen, die alles besser wissen. "Das können wir draußen nicht brauchen. Wenn wir Ratschläge annehmen, dann holen wir diese von Fachstellen ein", betont Feuerwehr-Chef Weinzierl.

Außerdem könnten sich die Wasser-Gaffer mit ihrer Suche nach dem besten Überblick auch selbst in Gefahr bringen. Und so beschäftigen sie wiederum Einsatzkräfte, die anderswo eventuell dringender gebraucht worden wären. "Solange das Wasser nicht wieder auf einem normalen Niveau ist, sollen sie einfach davon Abstand nehmen - um das eigene Leben nicht zu gefährden und die Einsatzkräfte nicht zu behindern."

Die Feuerwehr ist Weinzierl zufolge wegen des Hochwassers im Freistaat mit mehr als 25 000 Leuten im Einsatz. Das Technische Hilfswerk schickt nach eigenen Angaben seit Sonntag täglich zwischen 900 und 1300 Kräfte in die Einsatzgebiete.

Auch die Bundeswehr hat insgesamt 4000 Soldaten für die Hilfen in den deutschen Hochwasserregionen abgestellt.

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