Fans von Brettspielen lassen sich von elektronischen Games nicht beeindrucken

Fans von klassischen Brettspielen lassen sich vom „Pokémon Go“-Hype nicht beeindrucken. Die Faszination vom analogen Spiel ist ungebrochen.

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    Brett- und Würfelspiele erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Foto: 
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    Bei „Codenames“ geht es darum, mit Begriffen und Assoziationen zu spielen. Foto: 
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Spannung und Spaß ohne virtuelle Pokémons: Bei der Kür des neuen „Spiel des Jahres“  feiert sich die traditionelle Spielebranche auch ein bisschen selbst. Mit 400 Millionen Euro Jahresumsatz und einem Zuwachs von elf Prozent im Jahr 2015 sei die Zeit der Brett- und Kartenspiele alles andere als abgelaufen, sagt Hermann Hutter vom Verein Spieleverlage, einem Zusammenschluss der deutschsprachigen Branche. „Wir sehen Brettspiele eher im Aufwind.“ Hauptgrund seien soziale Aspekte wie Geselligkeit und Gemütlichkeit – sowohl in Familien als auch beim Spiele-Abend mit Freunden.

Auch Bernhard Löhlein, Sprecher beim „Spiel des Jahres“, sieht in elektronischen Spielen keine direkte Konkurrenz. Die Klientel sei sogar oft die gleiche, nur die Art des Spielens eben sehr verschieden. Computerspiele würden oft allein an Konsolen oder auf dem Handy gespielt. „Es birgt aber auch immer noch eine große Faszination, Mitspielern in einer Spiele-Runde direkt in die Augen zu schauen“, sagt er.

Kinder spielten gern mit ihren Eltern, weil sie dann das Gefühl hätten, dass sich Erwachsene Zeit für sie nehmen. Bei Jugendlichen seien Kommunikations- und Partyspiele sehr beliebt. Viele Studenten, aber auch Ältere, liebten Strategie- und Taktikspiele. Oft seien Spiele-Abende heute auch mit gemeinsamen Kochen oder Essen verbunden – also Geselligkeit über das reine Spiel-Erlebnis hinaus.

Klassische Brettspiele wie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht oder Monopoly seien immer noch gefragt, berichtet Löhlein. „Ein gutes Spiel hat einen Glücks- und einen Taktik-Anteil“. Das mache gerade Spiel-Ideen mit einfachen Regeln attraktiv. Ob dabei billige Plastik- oder hochwertige Holzfiguren im Spiel seien, bleibe eine reine Geld- und Geschmacksfrage.

Seitenlange Anleitungen seien dagegen oft etwas für ältere und geübte Spieler, die häufig anspruchsvolle Taktik- und Strategiespiele mögen. „Kenner-Spiele“ heißen sie in der Szene. Die Liebhaber machten geschätzte 10 bis 20 Prozent aller Spielekäufer aus, sagt Hutter. Die Branche versorgt auch sie jedes Jahr mit Innovationen, gern auf Spielemessen.

Hutter schätzt, dass jedes Jahr rund 1500 neue Brett- und Kartenspiele auf den deutschsprachigen Markt kommen. Deutschland exportiere Spiele, die in andere Sprachen übersetzt würden, greife aber auch Entwicklungen aus dem Ausland auf. Bernhard Löhlein geht von 300 bis 400 neuen Brettspielen pro Jahr in Deutschland aus. Oft sind es Varianten von Themen, die bei Kindern und Jugendlichen ohnehin beliebt sind: Gespenster und Geister, Burgen und Ritter, Schatzsuche, ferne Länder, Magie, Detektivgeschichten oder Tiere.

Ganz ohne neue Technik muss es auch nicht laufen. „Es gibt Hybrid-Spiele. Das sind Brettspiele mit Handy-Apps“, berichtet Hutter. Manche Brettspiele hätten inzwischen auch einen elektronischen Spielleiter, ergänzt Löhlein. Der merke sich zum Beispiel Spielstände oder sorge für Animationen. Aber, schränkt er ein: „Reine Gimmicks bringen es nicht. Die werden schnell langweilig.“

Spiel des Jahres

Auszeichnung Seit 1979 sondiert eine Fachjury vom Verein „Spiel des Jahres“ jedes Jahr den Spielemarkt und wählt jeweils aus allen Neuerscheinungen das beste Spiel aus. Ziel ist es, „die Verbreitung des Kulturgutes Spiel in Familie und Gesellschaft zu fördern“. Bewertet werden Idee, Regelgestaltung, Layout und Design. Inzwischen werden auch das beste „Kennerspiel“ und das beste Kinderspiel gekürt.

Spiel des Jahres „Codenames“ ist gestern zum „Spiel des Jahres 2016“ gekürt worden. Die Jury würdigte es als Teamspiel für Sprachjongleure, dessen Faszination sich niemand entziehen könne. Bei dem Spiel aus dem Heidelberger Spieleverlag kämpfen zwei Mannschaften gegeneinander und versuchen, mit geschickten Assoziationen den eigenen Mitspielern beim Aufspüren richtiger Begriffe zu helfen.

Kennerspiel Das „Kennerspiel des Jahres 2016“ heißt „Isle of Skye“. Die Juroren betonten, das Taktikspiel aus dem Verlag Lookout Spiele sei trotz „schlanker Regeln faszinierend herausfordernd“. Geeignet ist das Spiel nach Einschätzung der Jury für zwei bis fünf Personen ab einem Alter von zehn Jahren. kna

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